Investor plant auf dem Güterbahnhof Pankow Einkaufszentren, Wohnungen und eine neue Straße

Das Konzept steht, aber der Bezirk will nicht

Stefan Strauss
3 Min

PANKOW. Einen Moment lang sieht es aus, als verlöre Michael Schaf die Contenance. Er fühle sich wie auf der Anklagebank, sagt der Projektleiter der Firma Aurelis, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Soeben hat Schaf den Bezirksverordneten die Pläne vorgestellt, wie das 250 000 Quadratmeter große und ungenutzte Gelände des früheren Güter- und Rangierbahnhofes Pankow an der Granitzstraße einmal aussehen soll. Der Senat hat den Entwürfen zugestimmt, jetzt ist der Bezirk dran.Doch statt Unterstützung erhält Schaf von den Bezirksverordneten pure Ablehnung. Von einem "Steinzeitprojekt" und "unsinniger Planung" redet Klaus Mindrup, Fraktionschef der SPD. Von einem "Dissens zwischen Senat und Bezirk" Michail Nelken, Stadtrat für Stadtentwicklung (Die Linke). "Ich bin ratlos", sagt Michael Schaf später. "Nach vier Jahren Planung stehen wir wieder ganz am Anfang."Im Jahr 2003 hat Aurelis das Gelände zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf von der Bahn gekauft. Architekten und Stadtplaner entwarfen ein Konzept für das Gelände, das so groß wie 34 Fußballfelder ist. Als Erstes soll an der Berliner Straße ein Einkaufszentrum mit 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen. Später kommt an der Prenzlauer Promenade auf 100 000 Quadratmeter Fläche ein Fachmarktzentrum mit Möbelhaus, Bau- und Supermarkt hinzu. Dazwischen entsteht an der Granitzstraße ein neues Wohnviertel. Auch eine neue Straße ist geplant. Von der Prenzlauer Promenade führt sie entlang der S-Bahn-Strecke bis zur Mühlenstraße, über die Berliner Straße soll eine neue Brücke gebaut werden. Bis zu 22 000 Autos täglich werden laut einem Verkehrsgutachten erwartet.Der Senat unterstützt diese Pläne. Das Gelände ist im Zentrenkonzept 2020 für großflächigen Einzelhandel vorgesehen, die neue Straße steht im Flächennutzungsplan. "Wir können uns das Konzept vorstellen", sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. An den Kosten für Straßen- und Brückenbau solle sich Aurelis beteiligen. Projektleiter Schaf rechnet mit "Millioneninvestitionen in dreistelliger Höhe", mehrere 100 000 Euro habe man schon in das Projekt gesteckt.Möglicherweise aber umsonst. Denn der Bezirk fordert jetzt neue Pläne: Das Gelände soll für familiengerechtes Wohnen, Erholung, Kultur und Sport genutzt werden, fordern die Bezirksverordneten. Statt Einzelhandel soll sich "förderfähiges Gewerbe" ansiedeln. Das geplante Einkaufszentrum werde bestehende Geschäfte "massiv gefährden", sagt SPD-Fraktionschef Mindrup. Eine neue Straße verschiebe lediglich Verkehrsströme. Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, sagt: "Wenn das Einkaufszentrum kommt, waren alle Bemühungen um eine Revitalisierung des Pankower Einzelhandels umsonst."Kommt es zu keiner Einigung mit dem Bezirk, will Aurelis die Planungen beenden. "Auch eine Brachfläche kann man vermarkten", sagt Schaf. Etwa an Autohändler und Firmen für Gerüstbau.------------------------------Weideplatz für BisonsDer Güterbahnhof war einst Berlins wichtigster Warenumschlagplatz. Er wurde von 1891 bis 1893 für 8,9 Millionen Reichsmark gebaut.Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof beschädigt, als Munitionswagen explodierten. In den 70er- und 80er-Jahren wurden dort Betonwände für den Plattenbau in Ost-Berlin entladen. Zu DDR-Militärparaden kamen Züge mit Panzern an.Nach der Wende wurde der Bahnhof zunehmend bedeutungsloser. 1997 wurde er vollständig stillgelegt.Stadtplaner gewannen 2004 einen Architekturwettbewerb mit der Idee, einen Bisonpark anzulegen.------------------------------Grafik: Brachland im Pankower Zentrum: der frühere Güter- und Rangierbahnhof.------------------------------Foto: So könnte das neue Einkaufszentrum an der Berliner Straße einmal aussehen, 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche soll es haben.

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