Der Iran hat Katar aufgefordert, einer iranischen Delegation die Einreise zu gestatten, um den Verbleib mehrerer vermisster Piloten zu klären. Ein Expertenteam der iranischen Luftwaffe warte seit Monaten auf die Einreise, sagte der Leiter der iranischen Vermisstensuchstelle der Streitkräfte, Mohammad Baqerzadeh, laut der halbamtlichen Nachrichtenagentur Tasnim am Sonntag.
Er warf den katarischen Behörden vor, die Aufklärung wiederholt zu verzögern und eine Rückführung der Piloten zu blockieren.
Katar widersprach der Darstellung. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Majed Al Ansari, erklärte, man weise die Behauptungen über eine Inhaftierung iranischer Piloten kategorisch zurück. Die irreführenden Äußerungen kämen inmitten laufender diplomatischer Bemühungen zur Deeskalation.
Bereits am Samstag hatte Doha mitgeteilt, dass Such- und Rettungsteams die sterblichen Überreste eines Piloten gefunden hätten. Man habe den Iran zur Übergabe kontaktiert und zu einer Unterrichtung über die Einzelheiten des Sucheinsatzes eingeladen, jedoch keine Antwort erhalten.
Abschüsse im katarischen Luftraum
Der Vorgang geht auf den 2. März zurück. Damals schoss die katarische Luftwaffe nach eigenen Angaben zwei iranische Kampfjets des Typs Suchoi Su-24 in den ersten Tagen des Iran-Krieges ab. Laut Al Ansari hätten die Maschinen den katarischen Luftraum verletzt und nicht auf Kontaktversuche reagiert. Erst danach seien die geltenden Einsatzregeln angewendet worden.
Baqerzadeh hingegen erklärte in einem Schreiben an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, drei überlebende iranische Piloten würden von katarischen Kräften festgehalten und dürften weder mit ihren Familien noch mit iranischen Stellen sprechen. Er rief das Rote Kreuz auf, die mutmaßlich Inhaftierten aufzusuchen.
Im Juli hatte der Iran Brigadegeneral Majid Kazemi bestattet, einen von vier Besatzungsmitgliedern der beiden Maschinen. Seine Überreste seien per DNA-Test identifiziert und zurückgeführt worden, berichteten iranische Staatsmedien.
Vorwürfe auch gegen Kuwait
Ähnliche Vorwürfe erhob Baqerzadeh gegen Kuwait. Das Land halte Informationen über vier festgehaltene Iraner zurück. Nach iranischer Darstellung vom Mai gehörten die Männer den Revolutionsgarden an und seien wegen einer Navigationsstörung während einer Seepatrouille in kuwaitische Gewässer geraten. Kuwait erklärte dagegen, die vier stünden im Verdacht, feindselige Aktionen gegen das Land geplant zu haben.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar Luftangriffe gegen den Iran begonnen. Dabei wurden ranghohe iranische Amtsträger getötet. Der Iran reagierte mit Attacken auf Israel, US-Stützpunkte und Golfstaaten sowie mit der Sperrung der für den Seehandel wichtigen Route durch die Straße von Hormus.
Die im Juni vereinbarte Waffenruhe ist seit Juli zerbrochen, der Konflikt dauert an. Vermittlungsversuche für eine neue Vereinbarung blieben zuletzt ohne Fortschritt.
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