Geopolitik

Verteidigungsabkommen von Mekka soll neues Mitglied bekommen – das steckt hinter dem Pakt

Ein Militärbündnis, gerade einmal einen Tag alt – und schon steht offenbar das nächste Land auf der Liste. Richtet sich das Abkommen gegen den Iran?

4 Min
Hakan Fidan, Außenminister der Türkei. Er glaubt, das Mekka-Bündnis wird bald einen neuen Partner haben.

Hakan Fidan, Außenminister der Türkei. Er glaubt, das Mekka-Bündnis wird bald einen neuen Partner haben.

© Michael Kappeler/dpa

Ägypten könnte bald dem frisch geschlossenen Verteidigungsabkommen von Mekka beitreten. Davon zeigte sich der türkische Außenminister Hakan Fidan am Samstag überzeugt. Das Bündnis der Türkei mit Saudi-Arabien und Pakistan war erst tags zuvor besiegelt worden.

„Ich glaube, dass Ägypten in der nächsten Phase ebenfalls zu unserem Bündnis gehören wird", sagte Fidan der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Warum Ankara Kairo als selbstverständlichen Partner betrachtet – und was der Pakt bezwecken soll.

Was steht im Verteidigungsabkommen von Mekka?

Unterzeichnet wurde der Pakt am Freitag von drei Spitzenpolitikern sunnitisch geprägter Länder: dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif. Ort war die Stadt Mekka in Saudi-Arabien.

Herzstück ist ähnlich wie bei der Nato eine Beistandsklausel: Ein Angriff auf einen der drei Staaten gilt als Angriff auf alle.

So solle die „kollektive Abschreckung“ wachsen, hieß es nach Angaben des pakistanischen Außenministeriums. In einer gemeinsamen Erklärung versprachen die Partner, enger für ihre Sicherheit zusammenzuarbeiten und zu Ruhe und Stabilität in der Region beizutragen.

Der Pakt entstand in eine angespannte Lage hinein – die Region ist derzeit geprägt vom Krieg im Iran und von jüngsten Angriffen auf Staaten am Golf.

Der türkische Präsident Erdogan (l), Saudi-Arabiens Kronprinz Salman (M) und der pakistanische Premier Sharif unterzeichneten den Pakt in Mekka.

Der türkische Präsident Erdogan (l), Saudi-Arabiens Kronprinz Salman (M) und der pakistanische Premier Sharif unterzeichneten den Pakt in Mekka.

© -/Saudi Press Agency/AP/dpa

Warum könnte Ägypten dem Bündnis beitreten?

Für Fidan ist Ägypten ein „natürlicher Partner in allen Fragen“. Man handle bereits so, als sei Kairo längst dabei.

Offen seien nur noch Details. Es gebe „einige technische Fragen. Sobald diese geklärt sind, gibt es keinen Grund mehr, warum Ägypten nicht Teil des Bündnisses sein sollte“, sagte der Minister laut Anadolu.

Richtet sich der Pakt gegen den Iran?

Fidan betonte, das Abkommen richte sich nicht gegen ein bestimmtes Land. „Es gibt keine gemeinsame Bedrohung, die wir schriftlich festgehalten haben“, sagte er.

Mit Blick auf Teheran wurde er deutlich. „Ich möchte betonen, dass der Iran nicht das Ziel dieses Bündnisses ist. Kein Land, das uns nicht angreift, ist unser Ziel“, sagte Fidan, wie das Nachrichtenportal Türkiye Today berichtete.

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Das Bündnis verstehe sich als reine Verteidigungsallianz. „Wenn wir mit diesen Ländern zusammenkommen, wird daraus ganz natürlich eine Verteidigungsorganisation. Solange sie nicht von innerhalb oder außerhalb der Region angegriffen wird, wird dieses Bündnis nicht aktiv", sagte er dem Portal zufolge.

Iranische Vertreter seien mit der Initiative aus früheren Gesprächen vertraut. Die Türkei könne bei Bedarf weiter vermitteln.

Wie funktioniert das Bündnis? Der Vergleich mit Nato-Artikel 5

Fidan verglich die Beistandsklausel technisch mit Artikel 5 der Nato. Danach gilt ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf das gesamte Bündnis.

Im Ernstfall müsse ein Mitglied offiziell um Hilfe bitten, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Die Unterstützung könne vom Austausch von Geheimdienstinformationen über logistische Hilfe bis zur Entsendung von Truppen reichen – je nach Ausmaß der Bedrohung.

„Das sind vielschichtige Angelegenheiten, die je nach Ausmaß der Bedrohung variieren“, sagte Fidan.

Geplant sind regelmäßige Treffen der Außen- und Verteidigungsminister sowie der Generalstabschefs, dazu politische und militärische Ausschüsse. Ein ständiges Sekretariat soll seinen Sitz in Saudi-Arabien bekommen. Auch gemeinsame Militärübungen und Trainingsprogramme sind vorgesehen.

Nach Fidans Worten ist der Pakt das Ergebnis von fast drei Jahren Gesprächen.

Wer sind die Partner? Öl, Atommacht und Nato-Armee

Das Bündnis vereint drei sehr unterschiedliche Schwergewichte. Saudi-Arabien zählt zu den größten Ölförderern der Welt, Pakistan ist eine Atommacht, und die Türkei stellt die zweitgrößte Armee der Nato und baut ihre Rüstungsindustrie rasch aus.

Zusammen wollen sie ihre Zusammenarbeit und Abschreckung in einer Zeit wachsender Unsicherheit im Nahen und Mittleren Osten vertiefen. Für neue Mitglieder bleibt der Pakt offen – allerdings nur mit Zustimmung der drei Gründerstaaten.

Bündnis soll wachsen: „alle Länder unter dieses Dach“

Bei drei Mitgliedern soll es nicht bleiben. Fidan nannte das Abkommen den wichtigsten Schritt hin zu dauerhafter Stabilität in der Region.

„Gemäß der Vision unseres Präsidenten sollten wir uns nicht auf drei Länder beschränken. Wir sollten wachsen und, falls nötig, alle Länder unter dieses Dach bringen“, sagte er.

Weitere Staaten hätten nebst Ägypten bereits Interesse bekundet. Welche, ließ Fidan offen.

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