Zwei Amazon-Rechenzentren in Bahrain sind kürzlich offenbar durch Angriffe beschädigt worden. Der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) reklamierten über die staatsnahe Nachrichtenagentur Tasnim einen Raketenangriff für sich. Weitere Satellitenbilder stützen diese Darstellung inzwischen.
Wie Bloomberg berichtete, zeigen niedrig auflösende Aufnahmen des europäischen Sentinel-2-Satellitensystems Schäden an beiden Anlagen in den Orten Zallaq und Askar. Für Cloud-Kundinnen und -Kunden hat der Vorfall konkrete Folgen: Amazons Statusseite führte die betroffene AWS-Region Bahrain zuletzt als außer Betrieb – Nutzer sollten auf Backups in anderen Regionen ausweichen. Damit ist digitale Infrastruktur inmitten des Kriegs zwischen Iran und den USA zum strategischen Ziel geworden.
Was Iran meldet – und was unabhängig belegt ist
Der IRGC erklärte über Tasnim, seine Luft- und Raumfahrtkräfte hätten die „zentrale Dateninfrastruktur der amerikanischen Firma Amazon in Bahrain“ mit mehreren Marschflugkörpern angegriffen und zerstört. Laut der IRGC-Mitteilung geschah dies als Reaktion auf US-Angriffe auf zivile Einrichtungen in DarKhoveyn.
Über Tasnim veröffentlichte der IRGC zudem hochauflösende Satellitenbilder, die erhebliche Schäden an zwei Rechenzentren zeigen sollen. Begründet wurde die Auswahl der Ziele mit Amazons angeblicher Unterstützung für US-Militäroperationen. IRGC-Sprecher Sardar Mohebbi sagte in einem Videointerview mit Tasnim, die Angriffe hätten „ein wichtiges Informationsverarbeitungs-Asset des Feindes“ getroffen.
Bloomberg prüfte zudem unabhängige Aufnahmen des ESA-Systems Sentinel-2. Laut dem Bloomberg-Analysten Adam Farrar zeigen die Bilder „Hinweise auf Schäden an beiden Anlagen“, geben aber „keinen Aufschluss über das Ausmaß der Schäden“. Zeitpunkt und Lage der beschädigten Bereiche seien mit den über iranische Agenturen verbreiteten Bildern konsistent.
Wer die Angriffe zusätzlich dokumentiert
Bestätigt wurden die Angriffe auch durch den unabhängigen Konfliktmonitor Armed Conflict Location & Event Data (ACLED). Laut ACLED feuerten iranische Kräfte am 24. Juli Geschosse ab, die Amazons Rechenzentrum in Zallaq trafen – nach einem früheren Angriff am 22. Juli.
Das RJR-Rechenzentrum der Bahrain Telecommunications Co. (Batelco) in Askar, das die AWS-Cloud-Infrastruktur beherbergt, wurde ACLED zufolge am 18. und 21. Juli getroffen. Batelco reagierte laut Bloomberg nicht auf Anfragen.
Amazon lehnte gegenüber Bloomberg eine Stellungnahme ab. Auch Bahrains National Communication Centre, das US-Pentagon und das US Central Command äußerten sich demnach nicht.
Folgen für Cloud-Kunden
Die Auswirkungen reichen bis zu den Nutzern der AWS-Dienste. Das offizielle AWS Health Dashboard führte die Region Middle East (Bahrain), technisch me-south-1, am 27. Juli weiter als nicht verfügbar.
Kundinnen und Kunden wurden dort aufgefordert, ihre Ressourcen in anderen Regionen aus Remote-Backups wiederherzustellen. Bereits im März hatte Amazons Cloud-Sparte vor langanhaltenden Störungen im Nahen Osten gewarnt, nachdem Drohnen drei Einrichtungen in der Region beschädigt hatten.
Die Bahrain-Region war im Jahr 2019 als erste AWS-Region im Nahen Osten in Betrieb gegangen.
Warum Rechenzentren zum Kriegsziel werden
Da Streitkräfte zunehmend auf digitale Technologien und künstliche Intelligenz setzen, sind Rechenzentren neben klassischen Kommandozentralen, Flugplätzen und Basen zu strategischen Zielen geworden. Mehrere Anlagen in der Golfregion wurden während des Iran-Kriegs durch Drohnen, herabfallende Trümmer und Raketen beschädigt.
Bahrain trug laut Bloomberg neben Kuwait und Jordanien die Hauptlast der iranischen Angriffe. Das Land beherbergt den wichtigsten US-Marinestützpunkt der Region. Seit Freitag pausieren US- und iranische Kräfte ihre Angriffe weitgehend – zuvor hatten sie rund zwei Wochen lang täglich aufeinander gefeuert.
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