Der Iran-Krieg lässt die globalen Ölvorräte nach einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg so schnell schrumpfen wie nie zuvor. Die weltweiten Ölbestände seien zwischen dem 1. März und dem 25. April um rund 4,8 Millionen Barrel pro Tag gesunken, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Schätzungen der amerikanischen Bank Morgan Stanley.
Das sei der stärkste Quartalsrückgang in den Daten der Internationalen Energieagentur (IEA). Rohöl mache knapp 60 Prozent des Rückgangs aus, raffinierte Kraftstoffe den Rest. Hintergrund ist die seit zwei Monaten weitgehend blockierte Straße von Hormus, durch die ein Großteil der Lieferungen aus dem Persischen Golf fließt. In mehreren asiatischen Staaten könnten demnach bereits in wenigen Wochen kritische Versorgungsengpässe auftreten.
Natasha Kaneva, Leiterin der Rohstoffanalyse bei JPMorgan Chase, sagte Bloomberg, die Lagerbestände wirkten als „Stoßdämpfer des globalen Ölsystems“, doch „nicht jedes Barrel kann abgezogen werden“. Die Vorräte in den OECD-Staaten könnten laut Kaneva Anfang Juni „operative Stressniveaus“ und im September das operative Minimum erreichen, sollte die Meerenge geschlossen bleiben.
Strategische Reserven werden angezapft
Als am stärksten gefährdet gelten dem Bloomberg-Bericht zufolge Indonesien, Vietnam, Pakistan und die Philippinen, wo Versorger innerhalb eines Monats an kritische Grenzen stoßen könnten. Doch auch in Europa schrumpften die Kerosinbestände im Lagerzentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen nach Angaben des Dienstleisters Insights Global seit Kriegsbeginn um ein Drittel auf ein Sechsjahrestief. Besonders verwundbar seien Großbritannien, Deutschland und Frankreich.
Regierungen weltweit haben Bloomberg zufolge die Freigabe von insgesamt 400 Millionen Barrel aus Notreserven zugesagt – koordiniert durch die IEA. Die USA haben demnach bislang rund 79,7 Millionen der zugesagten 172 Millionen Barrel freigegeben. Ihre strategische Reserve würde damit auf den niedrigsten Stand seit 1982 fallen.
Goldman Sachs warnt vor Tempo
Bereits zu Wochenbeginn hatte die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs gewarnt, die globalen Ölvorräte näherten sich dem niedrigsten Stand seit acht Jahren. Die Bestände entsprächen derzeit 101 Tagen des weltweiten Verbrauchs und könnten bis Ende Mai auf 98 Tage fallen, teilte die Bank laut der Nachrichtenagentur Reuters mit.
Zwar dürften die Gesamtvorräte in diesem Sommer nicht das operative Minimum erreichen, doch seien „die Geschwindigkeit des Abbaus sowie die Versorgungsausfälle in einigen Regionen und bei einigen Produkten besorgniserregend“. Die kommerziellen Bestände an raffinierten Produkten seien von 50 auf 45 Tagesreichweiten geschrumpft.
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