Munitionskrise

Raketen fast weg: Trump knöpft sich Hegseth in Camp David vor

Die USA haben im Iran-Krieg große Teile ihrer Präzisionsraketen verbraucht. Laut Bericht machte Trump Hegseth dafür verantwortlich – der soll die Schuld seinem Vize zugeschoben haben.

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US-Präsident Donald Trump neben Verteidigungsminister Pete Hegseth in Camp David.

US-Präsident Donald Trump neben Verteidigungsminister Pete Hegseth in Camp David.

© Aaron Schwartz/AFP

US-Präsident Donald Trump soll Verteidigungsminister Pete Hegseth wegen der drastisch geschrumpften amerikanischen Raketenbestände zur Rede gestellt haben. Bei einem Treffen in Camp David habe Trump wissen wollen, warum er über den Ernst der Lage offenbar nicht ausreichend informiert worden sei, berichtet die Washington Post unter Berufung auf zwei mit dem Gespräch vertraute Personen.

Die Konfrontation ereignete sich demnach am vergangenen Freitag am Rande einer Kabinettssitzung. Trump habe Hegseth vorgehalten, er sei davon ausgegangen, das Munitionsproblem sei „gelöst“. Die beiden Quellen sprachen anonym mit der Zeitung, weil sie nach eigenen Angaben Vergeltungsmaßnahmen befürchteten.

Hegseth soll seinem Stellvertreter die Schuld gegeben haben

Hegseth habe sich verteidigt und seinen Stellvertreter Stephen Feinberg für die Engpässe verantwortlich gemacht, heißt es in dem Bericht. Feinberg habe demnach außerdem versäumt, Trump vollständig über die Lage in den US-Arsenalen zu informieren. Das Pentagon bestreitet sowohl die Auseinandersetzung als auch eine Schuldzuweisung an Feinberg.

Das Weiße Haus wies den Bericht ebenfalls entschieden zurück. „Das ist zu 100 Prozent Fake News. Es ist buchstäblich nie passiert“, erklärte Sprecherin Karoline Leavitt gegenüber der Washington Post. Trump habe weiterhin größtes Vertrauen in seinen Verteidigungsminister.

Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte, Hegseth habe niemanden über die Munitionslage getäuscht und seinem Stellvertreter keine Schuld zugeschoben. Die Darstellungen zu leeren Beständen und internen Konflikten seien frei erfunden. Hegseth werde im Amt bleiben und weiter mit Feinberg zusammenarbeiten.

Munitionsmangel soll neue Angriffe auf den Iran gebremst haben

Nach Angaben einer der von der Washington Post zitierten Personen haben die Engpässe Trumps militärische Möglichkeiten im Iran-Krieg bereits eingeschränkt. Der Mangel an weitreichenden Präzisionsraketen und Abfangsystemen sei ein Grund dafür gewesen, dass der Präsident in den vergangenen Tagen von weiteren massiven Angriffen auf den Iran abgesehen habe.

Trump hatte am Montag erklärt, er habe den nach seinen Worten „größten Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg“ angeordnet und anschließend wieder abgesagt. Zur Begründung verwies er auf neue Verhandlungen über die Straße von Hormus. Nach dem Bericht der Washington Post spielte jedoch auch die Munitionslage eine Rolle.

Der Präsident widersprach Berichten über leere Depots später auch selbst. Die USA verfügten über „riesige Mengen“ Munition, schrieb er auf Truth Social. Große Mengen würden produziert und bei Bedarf an die Vereinigten Staaten geliefert. Zugleich kündigte Trump an, nach den Informanten hinter den Berichten suchen zu lassen.

Mehr als 850 Tomahawks bereits im ersten Kriegsmonat

Die Verbrauchszahlen zeichnen laut der Washington Post ein anderes Bild. Allein im ersten Monat des von den USA und Israel am 28. Februar begonnenen Krieges feuerten die Vereinigten Staaten demnach mehr als 850 Tomahawk-Marschflugkörper sowie mehr als 1000 Patriot- und THAAD-Abfangraketen ab.

Ein US-Regierungsvertreter sagte der Zeitung, in den ersten Kriegswochen seien zudem mehr als 1300 taktische ballistische Raketen der US-Armee eingesetzt worden. Vom ATACMS-Bestand sei praktisch nichts mehr übrig, erklärte eine weitere mit der Lage vertraute Person.

Reuters hatte bereits am Dienstag unter Berufung auf drei interne Quellen berichtet, die US-Armee habe „so gut wie alle“ ATACMS und Präzisionsraketen des neueren Typs PrSM verbraucht. Auch knapp die Hälfte des weltweiten Tomahawk-Bestands soll seit Kriegsbeginn eingesetzt worden sein. Genaue Restbestände sind nicht öffentlich bekannt.

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Leere US-Arsenale treffen auch die Ukraine

Der hohe Verbrauch hat Folgen über den Nahen Osten hinaus. Der Washington Post zufolge gehen auch der Ukraine die Flugabwehrraketen aus. Westliche Depots böten kaum noch Möglichkeiten, die Bestände kurzfristig aufzufüllen. Dadurch bleibe das Land russischen Langstreckenangriffen stärker ausgesetzt.

Der Mangel verändert dem Bericht zufolge zudem die amerikanische Luftverteidigung. US-Kommandeure entscheiden bei anfliegenden Raketen und Drohnen inzwischen genauer, ob ein Abfangkörper eingesetzt wird. Maßgeblich sei unter anderem, wohin das Geschoss voraussichtlich fliege und ob es tatsächlich eine bedeutende Bedrohung darstelle.

Hegseth fordert 67 Milliarden US-Dollar für neue Munition

Hegseth, Feinberg und Generalstabschef Dan Caine verlangen vom Kongress zusätzliche 67 Milliarden US-Dollar. Das Geld soll die Kosten des Iran-Krieges decken und die geleerten Munitionsbestände wieder auffüllen. Hegseth bezeichnete die Finanzierung bei einer Anhörung im Juli als dringend notwendig.

Eine Entscheidung steht aus. Auch der von der Regierung beantragte Verteidigungshaushalt von 1,5 Billionen US-Dollar kommt im Kongress bislang nicht voran. Darin sind mehrere zehn Milliarden US-Dollar für neue Raketen vorgesehen.

Selbst nach einer Bewilligung wäre keine schnelle Entlastung zu erwarten. Die Herstellung bestimmter Patriot-Raketen kann nach Angaben der Washington Post bis zu zwei Jahre dauern. Verträge, Produktionsausbau und Auslieferung könnten die Wiederauffüllung der Arsenale über Jahre verzögern.

Bericht: Trumps Vertrauen in Hegseth schwindet

Die Auseinandersetzung in Camp David zeigt laut der Zeitung Trumps zunehmenden Ärger über seinen Verteidigungsminister. Hegseth gehörte demnach zu den frühen Befürwortern eines Angriffs auf den Iran und soll Trump überzeugt haben, dass der Krieg schnell und vergleichsweise einfach gewonnen werden könne. Mehr als fünf Monate nach Kriegsbeginn ist die Straße von Hormus weiterhin weitgehend geschlossen.

Bereits vor dem Angriff soll Generalstabschef Caine Trump gewarnt haben, dass die US-Bestände für einen längeren Krieg nicht ausreichten. Von Ende Februar bis Anfang April griffen die USA nach Angaben der Washington Post mehr als 13.000 Ziele im Iran an. Zugleich wehrten amerikanische Streitkräfte mehr als 8500 iranische Raketen und Drohnen ab.

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