Nahost

Iran-Krieg eskaliert erneut: Schiffsverkehr in der Straße von Hormus bricht ein

Die Waffenruhe im Iran-Krieg droht endgültig zu zerbrechen. Nach neuen Angriffen der USA und iranischen Gegenschlägen passieren kaum noch Schiffe die Straße von Hormus.

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Frachtschiffe vor der Straße von Hormus, deren Verkehr nach neuen Angriffen stark eingebrochen ist.

Frachtschiffe vor der Straße von Hormus, deren Verkehr nach neuen Angriffen stark eingebrochen ist.

© kyodo/dpa

Nach der jüngsten Eskalation zwischen den USA und dem Iran ist der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus stark eingebrochen. Bis Donnerstag um 16.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit durchquerten lediglich sechs Frachtschiffe die Meerenge, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Daten des Schiffsanalysedienstes Kpler berichtete. Am Mittwoch waren es demnach noch 21 Schiffe gewesen.

Besonders der Verkehr von Öl- und Gastankern kam nahezu zum Erliegen, nachdem er sich gerade erst erholt hatte. Reuters registrierte am Donnerstag zunächst nur zwei Tanker, die die Meerenge passierten. Mehrere Schiffe schalteten ihre Ortungssysteme ab, andere brachen die Fahrt ab oder warteten außerhalb der Gefahrenzone. Versicherer rieten Reedereien nach mehreren Angriffen zu einer erneuten Prüfung geplanter Fahrten.

Die erneute Gewalt gefährdet die im Juni vereinbarte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump erklärte bereits am Mittwoch, die Vereinbarung sei aus seiner Sicht „vorbei“. Zugleich sagte er, er erwarte keinen vollständigen neuen Krieg und gehe davon aus, dass die jüngste Eskalation rasch beendet werde.

USA greifen erneut rund 90 Ziele im Iran an

Auslöser der neuen Angriffe waren Attacken auf mehrere Handelsschiffe nahe der Straße von Hormus. Die US-Regierung macht den Iran dafür verantwortlich. Teheran hat sich bislang nicht offiziell zu allen Angriffen bekannt. Das für den Nahen Osten zuständige US-Zentralkommando Centcom erklärte, in der Nacht zum Donnerstag rund 90 Ziele im Iran angegriffen zu haben. Die Operation sollte nach Darstellung des US-Militärs die Fähigkeit des Iran schwächen, Handelsschiffe und deren Besatzungen in der Straße von Hormus anzugreifen.

Bereits in der vorherigen Angriffswelle hatten die USA nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele getroffen, darunter Boote der Revolutionsgarden, Luftabwehrstellungen und Einrichtungen zum Start von Drohnen. Die USA und Israel hatten den Iran Ende Februar gemeinsam angegriffen und damit den Krieg ausgelöst.

Der Iran reagierte nach eigenen Angaben mit Raketen und Drohnen gegen US-Militärstandorte in Kuwait, Bahrain, Katar und Jordanien. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, allein auf den Luftwaffenstützpunkt Azraq in Jordanien zehn ballistische Raketen abgefeuert zu haben. Jordanien meldete acht abgefangene Geschosse sowie weder Tote noch größere Schäden. Kuwait berichtete nach den iranischen Angriffen von mindestens einem Verletzten.

Die Vereinten Nationen riefen beide Seiten zum Ende der gegenseitigen Angriffe auf. „Dieses Hin und Her muss aufhören“, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric nach Angaben von Reuters. Eine Rückkehr zu Verhandlungen sei dringend notwendig, um die regionale und globale Stabilität zu schützen.

US-Raketen treffen Bahnstrecke nach Maschhad

Die jüngsten US-Angriffe trafen nach iranischen Angaben erstmals seit Monaten auch zivile Infrastruktur tiefer im Landesinneren. Unter anderem wurden Eisenbahnbrücken auf der Strecke nach Maschhad beschädigt. Dort wurde am Donnerstag der Ende Februar bei den amerikanisch-israelischen Angriffen getötete frühere oberste Führer Ali Chamenei beigesetzt.

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Eine der getroffenen Brücken liegt nach Angaben der Financial Times rund 55 Kilometer von Maschhad entfernt. Eine weitere Brücke wurde in Aqqala in der nordöstlichen Provinz Golestan von Marschflugkörpern getroffen, teilten die Revolutionsgarden mit. Die Strecke wird sowohl für den Personenverkehr als auch für den Handel mit Turkmenistan, Kasachstan und weiteren Staaten Zentralasiens genutzt.

Zugverbindungen aus Teheran und anderen Städten nach Maschhad wurden unterbrochen. Hunderte Reisende aus der zentraliranischen Stadt Yazd mussten nach Angaben örtlicher Behörden auf Busse umsteigen. Die staatliche iranische Bahngesellschaft erklärte, Reparaturarbeiten seien angelaufen. Auch Stromanlagen in den südöstlichen Städten Tschabahar und Konarak wurden getroffen. Drei Übertragungsleitungen fielen aus, Teile der Region waren zeitweise ohne Elektrizität. Aus Iranschahr wurde zudem ein Angriff auf den Flughafen der Stadt gemeldet. Das US-Militär äußerte sich zunächst nicht gesondert zu den Vorwürfen, zivile Infrastruktur angegriffen zu haben.

Das iranische Gesundheitsministerium meldete mindestens 14 Tote und fast 80 Verletzte durch die US-Angriffe der vergangenen beiden Tage. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Trauerfeier für Ali Chamenei unter Kriegsdrohungen

Während der Angriffe versammelten sich große Menschenmengen in Maschhad zur Beisetzung Ali Chameneis. Sein Sarg wurde durch die Straßen zur Imam-Reza-Moschee gebracht, einer der wichtigsten schiitischen Pilgerstätten. Teilnehmer trugen rote Fahnen, die den Ruf nach Vergeltung symbolisieren sollten. Auf Plakaten und Bannern standen Todesdrohungen gegen Trump. Andere Teilnehmer riefen „Tod Amerika“. Reuters wies darauf hin, dass die Bilder von einer regierungsnahen Großveranstaltung stammten und nicht als Abbild der Haltung der gesamten iranischen Bevölkerung verstanden werden könnten.

Das iranische Außenministerium bezeichnete die Angriffe während der sechstägigen Trauerzeremonien als Provokation. Washington verstehe weder den Patriotismus der Iraner noch deren Bindung an die Ideale der Revolution, hieß es aus Teheran.

Iran beansprucht Kontrolle über Straße von Hormus

Im Zentrum des Konflikts steht erneut die Straße von Hormus. Vor dem Krieg passierten täglich etwa 125 bis 140 Handelsschiffe die Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Während der intensivsten Kriegsphase brach der Verkehr auf durchschnittlich nur etwa sechs Schiffe pro Tag ein. Der Iran blockierte die Meerenge nach Beginn der gemeinsamen Angriffe Israels und der USA Ende Februar weitgehend. Nach dem im Juni unterzeichneten Rahmenabkommen nahm der Verkehr wieder zu, blieb aber deutlich unter dem früheren Niveau.

Teheran verlangt inzwischen, den Schiffsverkehr auf einer nördlichen Route durch iranisch kontrollierte Gewässer abzuwickeln. Schiffe benötigen dafür eine Genehmigung des Iran. Die USA fördern dagegen eine südliche Passage entlang der omanischen Küste, die den Einfluss Teherans auf die Meerenge begrenzen würde.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Donnerstag, der Verkehr habe unter ihrer Aufsicht zuletzt wieder etwa 50 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht. Diese Darstellung steht allerdings im Widerspruch zu Daten unabhängiger Schiffsanalysten, denen zufolge in den vergangenen zwei Wochen durchschnittlich etwa 40 Schiffe pro Tag die Meerenge passierten. Vor dem Krieg waren es zwischen 125 und 140.

Teheran wirft den USA vor, die schrittweise Öffnung durch ihre Angriffe verhindert zu haben. Die Regierung in Washington wiederum beschuldigt den Iran, Schiffe auf der von Oman kontrollierten Route angegriffen und damit gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben.

Das im Juni unterzeichnete Memorandum sah vor, dass der Iran die Straße von Hormus öffnet und die USA ihre Blockade iranischer Häfen lockern. Beide Seiten wollten zudem Gespräche über das iranische Atomprogramm und ein endgültiges Ende des Krieges aufnehmen. Diese Verhandlungen sind inzwischen festgefahren.

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