Was für den einen eine Erfolgsgeschichte ist, ist für den anderen ein Albtraum: Täglich gingen mehrere tausend Anträge für den neuen Kinderzuschlag bei den Familienkassen ein, jubelte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD), wann immer es in den vergangenen Monaten dazu Gelegenheit gab. Endlich, so die Ministerin, werde etwas gegen die wachsende Kinderarmut getan.Nicht, dass die Mitarbeiter in den Familienkassen etwas dagegen hätten, Niedrigverdienern bis zu 140 Euro monatlich zusätzlich zum Kindergeld auszuzahlen. Aber wie in Deutschland üblich, geht das nicht bürokratiefrei. Und so ist für den in diesem Jahr eingeführten Kinderzuschlag das Ausfüllen eines sechsseitigen Formulares nötig, nebst acht möglichen Anlagen. Kein Wunder, dass die Bearbeitung der Anträge schon Anfang des Jahres ins Stocken geriet. Langsam baute sich ein regelrechter Kindergeldstau auf. Wochen, manchmal auch Monate, müssen Eltern mittlerweile auf die Überweisung warten, auch die, die nur das ganz normale Kindergeld von 154 Euro beantragt haben."Wir beschönigen die Lage nicht", sagt ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA), die zuständig ist, weil die Familienkassen dort angesiedelt sind. Er entschuldigt sich für die Verzögerung, verweist aber auch darauf, dass die Arbeitsagenturen parallel zur Einführung des Kinderzuschlags eine Organisationsreform der Familienkassen zu verkraften hätten. Schließlich würden derzeit die einstmals 179 zu 102 Kassen zusammengefasst. Daneben gebe es noch die Hartz-IV-Reform, die die Arbeitsverwaltung in einem noch viel stärkeren Maße belaste. "Das ist, als würde man beim Formel-1-Rennen die Reifen ohne Anhalten wechseln", sagte der BA-Vertreter.Inzwischen hat die Arbeitsagentur reagiert und Personal aufgestockt. Darüber, wann der Stau beseitigt sein wird, wagt man aber keine Prognose. "Wir werden mit der Situation noch eine Weile leben müssen", wird erwartet. Einen Verlust erlitten die Wartenden ohnehin nicht, tröstet der BA-Vertreter. Das Kindergeld werde auch rückwirkend vollständig ausgezahlt. Das nützt aber wohl denjenigen wenig, die das Geld jetzt brauchen.Die Wirkung des Kinderzuschlags geht übrigens bislang nicht weit über die Funktion als Stau-Faktor hinaus. Bis August wurden nach BA-Angaben nur 35 000 Anträge bewilligt. 335 000 Anträge wurden dagegen abgewiesen.
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