Am Anfang ihrer TV-Karriere spielte sie Leichen. Mittlerweile ist Janina Elkin eine etablierte Schauspielerin und überzeugt in sehr unterschiedlichen Rollen. Crime oder Comedy, Drama oder Musical – sie kann alles.
Ob im „Tatort“, „Call My Agent Berlin“, „Made in Germany“ oder „Nord bei Nordwest“, die langjährige Wahlberlinerin ist regelmäßig in großen Charakterrollen zu sehen. Aber die 43-Jährige übernimmt auch kleinere Parts, wie demnächst in der Arztserie „Dr. Nice“ (deutsche TV-Premiere am 25. Oktober zur Primetime im ZDF).
Dass auch ihr eigener Lebenslauf für ein gutes Drehbuch taugt, zeigt Janina Elkin in unserem Berlin-Fragebogen. Aber lesen Sie selbst ...
1. Frau Elkin, Sie sind 1982 in Kiew zur Welt gekommen. Wie haben die Kindheitsjahre in der damaligen Sowjetunion, die bei Ihnen stark mit dem Balletttanz verbunden waren, Sie geprägt – und was davon tragen Sie heute noch in sich?
Ich glaube, am meisten prägen mich bis heute die Disziplin und die Härte, die ich durch das Tanzen schon sehr früh gelernt habe. Auch in der Erziehung und im Schulalltag herrschte eine große Strenge. Man lernte eher, sich zusammenzureißen und weiterzumachen, als auf die eigenen Gefühle und den eigenen Körper zu hören. Oft ist das eine große Stärke: Ich kann mich durchbeißen und gebe nicht schnell auf. Aber manchmal ist genau diese innere Strenge mein größter Feind, weil ich mit mir selbst oft sehr hart bin.
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2. Wann und warum hat es Sie nach Deutschland und schließlich nach Berlin verschlagen?
1990 war ich mit meiner Tanzcompany auf Tournee in Deutschland. Als ich zurückkam, fragten mich meine Eltern: „Und, wie fandest du Deutschland?“ Ich sagte: „Schön, hat mir gut gefallen.“ Darauf antworteten sie: „Gut, denn in einem Monat ziehen wir dort hin.“
Eigentlich war geplant, dass wir nach Israel auswandern. Aber durch eine Reihe von Zufällen und fast schicksalhaften Wendungen landeten wir schließlich im Februar 1991 in Heidelberg. Nach Berlin kam ich dann erst 2008, als ich die Hauptrolle in dem Musical „Dirty Dancing“ bekam, das im Theater am Potsdamer Platz gespielt wurde.
3. Das erste Mal in der Hauptstadt – wie war das und was waren Ihre ersten Eindrücke?
Ich komme aus Kiew, also ebenfalls aus einer Großstadt. Deshalb hat sich Berlin für mich von Anfang an ein bisschen wie Nachhausekommen angefühlt. Mich beeindruckt bis heute, was diese Stadt alles zu bieten hat. Im Grunde gibt es fast nichts, was es nicht gibt.
Für jedes Hobby, jedes Interessengebiet, jede noch so spezielle Leidenschaft findet man hier eine Gemeinschaft. Diese Vielfalt liebe ich an Berlin. Die Stadt ist für mich wie ein riesiger Spielplatz für Erwachsene. Egal, wofür man sich begeistert, irgendwo findet sich immer jemand, der mitspielen möchte.
Zur Person
4. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie gewohnt und wo sind Sie schließlich gelandet und geblieben?
Gestartet bin ich in Kreuzberg, dann ging es weiter nach Schöneberg, später nach Prenzlauer Berg und schließlich nach Charlottenburg, meiner heutigen Wahlheimat.
Es ist die Berlin-Landkarte der Beziehung von meinem Mann und mir. In Kreuzberg sind wir zusammengekommen, in Schöneberg hatten wir unsere erste gemeinsame Wohnung. Dann haben wir uns getrennt und ich bin allein nach Prenzlauer Berg gezogen. Diese Zeit verbinde ich mit viel Herzschmerz, Einsamkeit und der Suche nach mir selbst. Ich bin sehr gut darin zu lieben, ich glaube, das ist mein größtes Talent. Aber damals habe ich gemerkt, dass es mir leichter fällt, andere zu lieben als mich selbst. Also musste ich loslassen, um herauszufinden, wer ich ohne uns bin und ob ich mir selbst genug sein kann.
Irgendwann haben wir wieder zueinandergefunden. In Charlottenburg begann dann unser gemeinsames neues Kapitel. Hier haben wir geheiratet, hier kamen unsere Kinder zur Welt. Deshalb ist Charlottenburg für mich heute viel mehr als nur ein Stadtteil.
5. Für viele Menschen in Berlin ist inzwischen die Wohnungssuche die größte Herausforderung. Wie war das bei Ihnen?
Ich hatte, wie so oft im Leben, Glück. Ein alter Schulfreund aus Heidelberg zog gerade aus seiner Wohnung in Berlin aus. Ich habe mir sofort die Nummer des Vermieters geschnappt, mich vorgestellt und tatsächlich die Wohnung bekommen. Mir ist aber sehr bewusst, dass die Wohnungssuche in Berlin heute für viele ganz anders aussieht und längst nicht mehr so unkompliziert läuft.
6. Auf Social Media wird sehr viel über Berlin geschimpft, die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren zum Negativen verändert. Wie nehmen Sie diese Debatten wahr?
Nichts ist so stetig wie die Veränderung. Deshalb kann ich bei diesem allgemeinen Berlin-Bashing nicht wirklich mitschimpfen. Natürlich verändert sich die Stadt. Ich glaube aber, man sollte immer zuerst bei sich selbst anfangen.
Wenn mir der Ton in der Stadt nicht gefällt, kann ich zumindest in meinem eigenen Umfeld, in meinem Kiez, etwas verändern: dem Kellner im Restaurant um die Ecke oder der Verkäuferin im Supermarkt mit Respekt und Freundlichkeit begegnen, der älteren Nachbarin im Haus anbieten, für sie einkaufen zu gehen, den Nachbarn von gegenüber einfach mal auf einen Kaffee einladen oder einem Fremden auf der Straße ein Lächeln schenken. Es gibt hundert kleine Möglichkeiten, das Miteinander in einer Stadt zu verändern. Schimpfen allein bewirkt nichts. Selbst etwas zu tun, schon. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass Freundlichkeit und Respekt fast immer zurückkommen.
7. Was nervt Sie persönlich am meisten an der Stadt – und was heitert Sie wieder auf?
Wenn mich etwas nervt, liegt es meistens weniger an der Stadt als an meinem eigenen inneren Ungleichgewicht. Ein guter Kaffee, eine Runde Sport oder ein Date mit der Natur helfen mir dann, wieder zu meiner inneren Stärke zurückzufinden.
8. Welcher ist Ihr Lieblingsort in der Stadt?
Im Sommer ist einer meiner Lieblingsorte die Open-Air-Tanzfläche am Monbijoupark. Dort wird jeden Abend zu anderer Musik getanzt, mal Swing, mal Salsa, mal Standardtanz. Mit den Lichterketten über der Tanzfläche und der Museumsinsel als Kulisse hat dieser Ort für mich etwas fast Magisches. Diese Mischung aus Tanz, Sommerabend und Berlin liebe ich sehr.
9. Ihre persönliche No-go-Area?
Es gibt einen Bereich am Bahnhof Zoo, unter einer der Brücken, an dem viele obdachlose und drogenabhängige Menschen leben. Dieser Ort erfüllt mich jedes Mal mit großer Traurigkeit. Ich frage mich dann, was im Leben dieser Menschen passiert sein muss, dass sie dort gelandet sind. Hinter jedem von ihnen steckt eine Geschichte. Auch sie waren einmal kleine Mädchen und Jungen mit Träumen, Wünschen und einer Vorstellung davon, wie ihr Leben einmal aussehen könnte. Sie da unter der Brücke liegen zu sehen, das berührt mich sehr.
10. In welchem Restaurant reservieren Sie für einen gelungenen Abend?
Les Valseuses in der Eberswalder Straße. Ich liebe das Essen, den Besitzer Julien und sein ganzes Team. Es ist einer dieser Orte, an denen man sich willkommen fühlt. Man merkt, dass da Menschen arbeiten, die ihre Arbeit lieben.
11. Einkaufen in der Stadt: In welchem Laden kennt Ihre Kreditkarte kein Limit?
Ich liebe alles, was mit Wellness, Massagen und Sport zu tun hat. Deshalb kennt meine Kreditkarte bei meiner Masseurin, in meinem Fitnessclub und im Vabali am wenigsten Zurückhaltung.
12. Der beste Stadtteil Berlins – und der schlimmste?
Charlottenburg, ich liebe es einfach. Einen schlimmsten Stadtteil kann ich gar nicht benennen. Ich glaube, man kann es sich in fast jeder Ecke Berlins schön machen.
13. Wie sieht Ihr perfektes Wochenende in Berlin aus – vom ersten Kaffee am Morgen bis zum letzten Drink in der Nacht?
Mein perfektes Berlin-Wochenende beginnt ganz unspektakulär mit einem Kaffee auf meinem Balkon. Danach Sport und irgendwann mit den Kindern auf einen der vielen Spielplätze in Charlottenburg. Abends liebe ich es, mit Freunden zu kochen. Und wenn die Nacht schön ist, fahre ich danach am liebsten noch mit dem Fahrrad durch die fast leere Stadt. Berlin fühlt sich nachts noch einmal ganz anders an.
Am Sonntag dann ein langer Spaziergang am Schlachtensee oder Wannsee, alternativ Swingtanzen auf dem Tempelhofer Feld, eine Runde Vabali und zum Abschluss am liebsten ins A-Trane zu einem Jazzkonzert.
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