Haben Archäologen in Jerusalem Hinweise auf das tatsächliche Grab von Jesus Christus gefunden? Italienische Wissenschaftler haben unter der berühmten Grabeskirche Überreste einer antiken Landschaft freigelegt, die in mehreren Einzelheiten mit den biblischen Berichten über die Kreuzigung und Bestattung Jesu übereinstimmt. Dazu gehören Spuren eines Gartens, frühere Grabanlagen und ein ehemaliger Steinbruch.
Die Funde stammen aus einem mehrjährigen Forschungsprojekt der römischen Universität Sapienza unter Leitung der Archäologin Francesca Romana Stasolla. Die Ausgrabungen dauerten von 2022 bis 2025. Im September 2026 stellten die Forscher weitere Ergebnisse vor.
Unter der Grabeskirche: Forscher finden Spuren eines antiken Gartens
Besonders interessant ist die Entdeckung früherer landwirtschaftlicher Flächen. Wie aus einem Grabungsbericht bei der israelischen Altertümerbehörde hervorgeht, wurde das Gelände zunächst als Steinbruch genutzt. Nachdem der Abbau eingestellt worden war, legten die Menschen dort kleinere Anbauflächen an.
Bei der Untersuchung von Pflanzenresten fanden die Forscher unter anderem Hinweise auf Getreide, Feigen und Weinreben. Holzreste deuten darauf hin, dass Wein möglicherweise direkt vor Ort angebaut wurde. Pollenanalysen lieferten außerdem Anhaltspunkte für Olivenbäume.
Warum ist das bemerkenswert? Im Johannesevangelium wird die Umgebung der Grablegung Jesu ausdrücklich beschrieben. Demnach befand sich am Ort seiner Kreuzigung ein Garten, in dem ein neues, zuvor unbenutztes Grab lag.
Genau diese Kombination aus landwirtschaftlich genutztem Gelände und früheren Bestattungsstätten konnten die Archäologen unter der Grabeskirche nachweisen.
Der an den Ausgrabungen beteiligte Archäologe Amedeo Ricco erklärte im September gegenüber der Zeitung The National, die nachgewiesene landwirtschaftliche Nutzung in der Nähe des verehrten Grabes und der Kreuzigungsstätte Golgatha sei mit der Darstellung im Johannesevangelium vereinbar.
Ein Mitarbeiter des Restaurierungsteams entfernt eine Steinplatte vom Boden der Jerusalemer Grabeskirche. Archäologen untersuchten dort die Geschichte des Heiligtums.
© Mahmoud Illean/dpa
Lag das Grab Jesu außerhalb der damaligen Stadtmauern?
Ein zweiter Hinweis betrifft die Lage des Geländes. Während sich die Grabeskirche heute mitten in der Jerusalemer Altstadt befindet, lag der Ort zur mutmaßlichen Zeit Jesu nach verbreiteter historischer Rekonstruktion außerhalb der damaligen Stadtmauern.
Auch das stimmt mit den neutestamentlichen Schilderungen überein. Jesus soll außerhalb der Stadt gekreuzigt und anschließend in einem nahe gelegenen Felsengrab bestattet worden sein.
Die Wissenschaftler entdeckten bei ihren Grabungen beschädigte Überreste älterer Grabanlagen im Bereich des ehemaligen Steinbruchs. Der wissenschaftliche Bericht über die Grabungen von 2025 bestätigt sowohl die landwirtschaftliche als auch die spätere Nutzung des Geländes für Bestattungen.
Die Grabeskirche selbst geht auf den römischen Kaiser Konstantin zurück. Er ließ im vierten Jahrhundert über der damals als Grab Jesu verehrten Stätte eine monumentale Kirche errichten. Sie wurde im Jahr 335 eingeweiht.
Im Inneren befindet sich bis heute eine kleine Kapelle, die sogenannte Ädikula. Sie umschließt die traditionell als Grab Jesu verehrte Felsenkammer.
Die Grabeskirche in Jerusalem zählt zu den wichtigsten Heiligtümern des Christentums.
© HG Vorndran/imago
Können die Ausgrabungen das echte Grab von Jesus beweisen?
Eine direkte Zuordnung der Grabstätte zu Jesus von Nazareth ist den Forschern nicht gelungen. Die Pflanzenreste lassen sich bislang nicht genau auf die Zeit seiner Kreuzigung datieren, die Historiker gewöhnlich um das Jahr 30 oder 33 nach Christus ansetzen.
Auch eine Inschrift oder andere eindeutige Hinweise, die das Grab Jesus zuordnen würden, fehlen. Ebenso wenig lässt sich nachweisen, dass die Grabkammer damals tatsächlich unbenutzt war oder Joseph von Arimathäa gehörte, der Jesus laut den Evangelien bestattet haben soll.
Die neueren Untersuchungen ergänzen allerdings frühere Erkenntnisse. Bereits 2017 ergaben wissenschaftliche Datierungen von Baumaterial an der verehrten Grabstätte, dass dort im vierten Jahrhundert zur Zeit Konstantins gebaut wurde. Darüber berichtete National Geographic. Damit wurde die historische Kontinuität des Heiligtums gestützt.
Die jüngsten Grabungsberichte liefern nun zusätzliche Erkenntnisse über die Landschaft, auf der die Kirche errichtet wurde. Sie zeigen, dass dort tatsächlich ein ehemaliger Steinbruch, Anbauflächen und Grabanlagen existierten.
Ob Jesus selbst dort bestattet wurde, können Archäologen daraus nicht ableiten. Fest steht jedoch: Die Umgebung des seit rund 1700 Jahren verehrten Grabes weist mehrere Merkmale auf, die zur biblischen Beschreibung passen.
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