POTSDAM. Manchmal fühlt sich Jörg Schönbohm in der Brandenburger Welt noch heimisch. Dann sagt der 69-jährige Innenminister wohlgelaunt Sätze wie: "Wenn das nicht funktioniert, kommt der Vater" und meint damit sich selbst. Wie unlängst, als er mit SPD-Bildungsminister Holger Rupprecht ein neues Modell der Sportförderung vorstellte. Mit Schönbohms Hilfe gibt es jetzt verbeamtete Spitzensportler. Na ja, Beamtenanwärter mit Übernahmegarantie sind die vier jungen Leute, denen die Ausbildung bei der Feuerwehr ermöglicht, sich ganz auf ihren Sport zu konzentrieren. Das entspricht nicht eben der reinen Unions-Lehre vom schlanken Staat. Aber wenn sich mehrere Minister - SPD hin, CDU her - einig sind, dass etwas gut sei für Brandenburg, dann lässt sich auch mit Schönbohm mancher Handel verabreden.Acht Jahre regieren SPD und CDU zusammen. Zumindest im Kabinett ist Vertrauen gewachsen. Und ausgerechnet Jörg Schönbohm, einst bei den Sozialdemokraten als Feindbild abgestempelt und als Unruhestifter verschrien, genießt beim Regierungspartner heute hohes Ansehen. Der impulsive Ex-General, der den CDU-Vorsitz vor einem halben Jahr abgegeben hat, gilt als der stabilisierende Faktor in der Koalition - bei zunehmender Instabilität der Union.Eigentlich wollte Jörg Schönbohm zu seinem 70. Geburtstag im September auch sein Regierungsamt abgeben. Er hat es noch einmal aufgeschoben. Das verschafft ihm die persönliche Genugtuung, 2008 die Innenministerkonferenz zu leiten. In Bad Saarow, unweit von seinem Geburtsort Neu Golm. Solche Dinge bedeuten ihm viel. Vor allem aber hat er wohl erkannt, dass sein Abschied lange vor den Wahlen 2009 die Koalition sprengen könnte. Schönbohm hat eine letzte politische Aufgabe gefunden: Er rettet das Land ein letztes Mal vor Rot-Rot. Zumindest noch ein Weilchen.Verlässlicher Partner SPDZum fünfjährigen Amtsjubiläum von Ministerpräsident Matthias Platzeck lobte Schönbohm die Zusammenarbeit: "Er ist ein verlässlicher Partner." So entspannt war das Verhältnis nicht immer. Mittlerweile hat der Innenminister bitter erfahren, dass er mit manchem SPD-Genossen solidere Absprachen treffen kann als in der eigenen, zerrütteten Landespartei. Von der zieht er sich mehr und mehr enttäuscht zurück. Und in der CDU gibt es kaum noch jemanden, der das bedauert.Der langjährige Vorsitzende und seine Partei sind sich fremd geblieben. Als Jörg Schönbohm die CDU 1999 zum ersten Mal in die Regierung mit der SPD führte, verpasste er ihr auch sein eigenes, stramm konservatives Profil. Vielen behagte das nicht. Doch es gab niemanden, der etwas dagegensetzte - solange die Ein-Mann-Show Schönbohm Erfolg versprach. Als die CDU bei den Landtagswahlen 2004 wieder unter die 20-Prozent-Marke rutschte, sank auch Schönbohms Autorität. Als er ein Jahr später mit Sprüchen über die Proletarisierung in der DDR wieder einmal bundesweit für Aufruhr sorgte, ging auch die heimische Union auf Distanz.Seit dem Rückzug vom Parteivorsitz allerdings hat er etwas vollbracht, was ihm kaum jemand zugetraut hätte: Jörg Schönbohm hält sich heraus. Er äußert sich fast nur noch zu Fragen des Innenressorts. Auch zu dem fortdauernden Machtkampf in der Union sagt er nichts mehr. "Jeder Zwischenruf Schönbohms würde Ulrich Junghanns destabilisieren", heißt es in der CDUSpitze. Der Wirtschaftsminister war Schönbohms Wunschkandidat für den Parteivorsitz. Lange vorbereitet hat er den Wechsel nicht. Einen persönlichen Draht haben der Ex-General und der frühere Funktionär der DDR-Bauernpartei nie gefunden. Nur denkbar knapp hat sich Junghanns gegen seinen Gegenspieler Sven Petke durchgesetzt.Den hatte Schönbohm wegen der E-Mail-Affäre als Generalsekretär im vorigen Herbst vor die Tür gesetzt. Zuvor hat er ihn viele Jahre protegiert. Petke und seine Ehefrau, die Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche, waren oft Gäste in seinem Haus in Kleinmachnow. Nun ist der 39-jährige Petke CDU-Vize und das einzige Machtzentrum in der Partei. Im Landesvorstand folgt ihm eine Mehrheit.Das Zerwürfnis hat bei Jörg Schönbohm Bitternis hinterlassen, auch Ratlosigkeit. Bei den Sitzungen der CDU-Spitzengremien, denen er noch qua Regierungsamt angehört, geht er oft vorzeitig. Für die Details der eigentümlichen Geschäftspraktiken der CDU im Wahlkampf 2004, über die am Freitag der Vorstand beriet, hat Schönbohm sich nie interessiert. Die aus den eigenen Reihen an die Öffentlichkeit gespielte Affäre ist dennoch geeignet, seinen Nimbus als Ehrenmann anzukratzen. Das trifft.Die Parteiintrigen haben Schönbohm zermürbt. Er hat nicht viel entgegenzusetzen. "Es herrschen keine Regeln", sagt er. "Es herrscht nur Instinkt." Der Autoritätsverlust beschränkt sich nicht mehr auf die Union. Er komme besser mit dem Innenminister aus als früher, sagt Andreas Schuster, der Chef der Gewerkschaft der Polizei. Aber: "Er ist nicht mehr durchsetzungsfähig. Er steht ganz allein da."------------------------------Foto : Alleingelassen: Jörg Schönbohm wendet sich von der CDU in Brandenburg mehr und mehr ab. Es gibt kaum jemand in der Partei, der das bedauert.
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