Nationalmannschaft

Jürgen Klopp hat beim DFB ein Problem – doch darin liegt eine Chance

Jetzt wird es ernst für Jürgen Klopp: Sein erster DFB-Kader ist da. In den nächsten zwei Wochen warten 43 Spieler, zwei Kader – und eine besondere Herausforderung.

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Klopp legt los: Am Dienstag hat er den ersten seinen zwei Kader zusammengetrommelt.

Klopp legt los: Am Dienstag hat er den ersten seinen zwei Kader zusammengetrommelt.

© Federico Gambarini/dpa

Jürgen Klopp begann seinen ersten Lehrgang als neuer Bundestrainer so, wie er schon seinen letzten Job begonnen hatte: mit einem neuen Namen. In England nannte er sich „The normal one“ und weckte im Kontrast zu Jose Mourinho, „the special one“, direkt Sympathien auf der Insel. In einem Instagram-Video des DFB erinnerte Klopp am Dienstagmorgen an seine ikonische Vorstellung in Liverpool. „I am the new one“, sagte er nun, und er „könnte nicht glücklicher sein darüber“, schiebt er gleich hinterher.

Wie ernst es Klopp mit dem Neuanfang meint, zeigt seine erste Nominierung: Statt eines Kaders lud er für die vier anstehenden Nations-League-Spiele gleich zwei ein. Einer für die Duelle mit den Niederlanden und Griechenland und der andere für die Partien gegen Serbien und erneut Griechenland. 44 Spieler hatte er insgesamt eingeladen. Ein Novum. 43 wird er tatsächlich spielen und trainieren sehen, nachdem Brajan Gruda verletzungsbedingt absagen musste.

Bundestrainer Jürgen Klopp spricht zu seinen (ersten) Spielern.

Bundestrainer Jürgen Klopp spricht zu seinen (ersten) Spielern.

© Federico Gambarini/dpa

Für seinen Plan erhielt Klopp viel Zuspruch, unter anderem von Lothar Matthäus: „Praktisch sind das ja zwei Lehrgänge, ein Casting. Ich finde die Kader ideal. Und da geht es nicht um jung, alt, drei Minuten in der Bundesliga, zwei Spiele in der Bundesliga. Es geht darum, dass der Trainer das Recht hat, die Spieler besser kennenzulernen“, lobte der Weltmeister von 1990 die Entscheidung im Interview mit RTL und Sky. Wichtig sei, dass Klopp mit den Spielern rede, seine Idee vermitteln könne. „Und ich glaube, besser kann man es nicht regeln“, ergänzte der 65-Jährige.

Das Herz auf dem Platz lassen

Am Dienstag versammelte sich der erste der beiden Kader. Und gleich drei potenziellen Debütanten stellten sich den Fragen der Medien: Younes Ebnoutalib, Max Rosenfelder und Philipp Treu. „Er hat uns erklärt, was er von uns erwartet“, berichtete Ebnoutalib. „Er erwartet, dass wir mit Stolz die deutsche Nationalmannschaft präsentieren, Gas geben, auch wenn es mal nicht läuft, alles reinhauen.“

Und die Spieler wollen diesen Auftrag erfüllen. Treu, einer von insgesamt 16 möglichen Neulingen in den beiden Kadern, versprach: „Auf mich kann man sich immer verlassen. Zu jeder Tageszeit bin ich da, das ist mein Spielstil. Wenn ich spiele, lasse ich mein Herz auf dem Platz.“

Younes Ebnoutalib im Gespräch mit den Medienvertretern.

Younes Ebnoutalib im Gespräch mit den Medienvertretern.

© Goldberg/IMAGO

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Klopp selbst bremste die Euphorie vor seinem Debüt gegen die Niederlande (Donnerstag, 20:45 Uhr) allerdings ein wenig: „Ich kann nicht ändern, dass jetzt irgendjemand so dämlich ist, zu glauben, dass wir mit anderthalb Trainingseinheiten die Fußballwelt einmal auf den Kopf gestellt hätten.“

Das Risiko des Klopp-Kaders

Das gilt natürlich für das Duell am Donnerstag. Doch es wird auch für die anderen Duelle in der nahen Zukunft gelten, nicht nur in der anstehenden Länderspielpause.

Dies ist eben auch die Konsequenz der zwei Kader. Ein einzelner, kleinerer Kader hätte jetzt zwei Wochen Zeit, sich und Klopps Ideen zu verinnerlichen. Der Bundestrainer könnte jeden Einzelnen, das Individuum, noch intensiver kennenlernen.

Mit zwei Kadern und 43 Spielern, die allesamt auf Einsatzzeit hoffen, die Klopp ihnen vermutlich auch gerne geben würde, dürfte außerdem seltener mit der vermeintlich besten Elf gespielt werden. Joshua Kimmich etwa wird nur in zwei der vier Partien zur Verfügung stehen. Klopp nimmt das in Kauf, um verschiedene Spieler zu testen. Dabei sind die Duelle mit den Niederlanden, Serbien und zweimal Griechenland keine Testspiele, sondern Pflichtspiele in der Nations League. Es geht um etwas.

Doch – und das ist der entscheidende Punkt – diese vermeintlich beste Elf gibt es noch gar nicht. Sie muss sich erst formen, und dafür muss Klopp erst einmal alle sehen, die überhaupt infrage kommen. Und die wirklich wichtigen Spiele, Nations League hin oder her, finden ohnehin erst in zwei Jahren statt, bei der EM.

Bis dahin ist jedes zusätzliche Gesicht, das Klopp kennenlernt, mehr wert als jeder einzelne Punkt, den seine noch gar nicht existierende beste Elf in dieser Länderspielpause holen könnte.

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