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Demonstrationen

„Gen Z regelt“: Jugendproteste in mehreren ostdeutschen Städten

Marode Schulen, steigende Preise, Kritik am Wehrdienst: Am Samstag geht die Jugend auch im Osten auf die Straße. Es wird von verschiedenen Seiten vor Gewalt gewarnt. Die OAZ ist in Dresden und Leipzig vor Ort.

6 Min
Gegen kaputte Schulen und Sozialkürzungen: Am Samstag gehen Tausende Jugendliche auf die Straße.

Gegen kaputte Schulen und Sozialkürzungen: Am Samstag gehen Tausende Jugendliche auf die Straße.

© Jens Büttner/dpa

Der 31. Oktober wird bundesweit zu einem Tag des Jugendprotests. Die Initiative „Gen Z regelt“ ruft auch in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Magdeburg und Rostock ab 14 Uhr zu Demonstrationen auf. Angesichts von Ausschreitungen wie zuletzt in Frankreich wurde vorab von verschiedenen Seiten vor Gewalt gewarnt. Deutschlandweit sind Proteste in mehr als 30 Städten angekündigt.

In Leipzig sicherten Händler ihre Geschäfte mit Holzfassaden. In den ostdeutschen Bundesländern sind die Läden aufgrund des Feiertags heute allerdings geschlossen. Die Polizei ist im Einsatz.

Im Fokus: Protest gegen Wehpflicht

Der Theaterplatz in Dresden fühlt sich kurz vor 14 Uhr langsam. Hier soll die Demonstration der Gen-Z-Bewegung beginnen. Die Schüler und Studenten reisen vorwiegend zu Fuß oder mit der Straßenbahn an. Unter ihnen ist auch Albert. Er kommt aus dem Dresdner Umland. Der 16-Jährige ist mit dabei, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren. Noch sei die freiwillig, aber es gäbe keine Garantie, dass das so bleibt, sagt er. „Meine Freunde und ich haben Angst, eingezogen zu werden“, so Albert. Er monierte zudem die Unterstützung Deutschlands für die Ukraine. Das Geld, das hier für Rüstung ausgegeben werde, solle man lieber in Bildung investieren. Aktuell haben sich auf dem Theaterplatz rund 160 Leute versammelt.

In Dresden versammeln sich die jungen Menschen auf dem Theaterplatz vor der Semperoper.

In Dresden versammeln sich die jungen Menschen auf dem Theaterplatz vor der Semperoper.

© Ines Mallek-Klein/Ostdeutsche Allgemeine

Worum geht es bei den Demonstrationen noch?

Die lokalen Organisationsgruppen rücken in Leipzig, Dresden und Chemnitz weitgehend die gleichen Themen in den Vordergrund: Es sei „Zeit für Widerstand“ gegen kaputte Schulen, eine mögliche Wehrpflicht, Preisexplosion, Sozialkürzung und Rechtsruck, heißt es in den Demoaufrufen, die über Social Media verbreitet werden.

In Leipzig kommt eine Positionierung im Nahost-Konflikt dazu. „Als Gen Z rufen wir auch Free Palestine!“, postete der Account „genzregelt-leipzig“ auf Instagram.

Wer organisiert die Demonstrationen?

Zu den Protesten ruft die Gruppierung „Gen Z regelt“ auf. Welche konkreten Personen dahinterstecken, ist nicht öffentlich bekannt. Die Gruppierung schreibt auf ihrer Website, dass sie lediglich die Demonstrationen in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und München hauptverantwortlich betreue. In den übrigen Orten, darunter auch in den sächsischen Großstädten, hätten sich andere Organisationsstrukturen der Initiative „Gen Z regelt“ angeschlossen.

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Eine lose Struktur sei für eine entstehende Protestbewegung typisch, sagte Jannis Julien Grimm vom Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin. „Gerade in frühen Mobilisierungsphasen entstehen Proteste häufig aus informellen Netzwerken, persönlichen Kontakten und digitalen Kommunikationsstrukturen.“

Aus Sorge vor möglichen Plünderungen und Vandalismus im Zusammenhang mit der für Samstag angekündigten Gen-Z-Demonstration haben sechs Geschäfte in der Leipziger Innenstadt ihre Schaufenster und Eingangsbereiche mit Holzbrettern gesichert.

Aus Sorge vor möglichen Plünderungen und Vandalismus im Zusammenhang mit der für Samstag angekündigten Gen-Z-Demonstration haben sechs Geschäfte in der Leipziger Innenstadt ihre Schaufenster und Eingangsbereiche mit Holzbrettern gesichert.

© imago

Wie groß werden die Proteste?

In Dresden werden laut Teilnehmerprognose der Organisatoren rund 500 Menschen erwartet, in Leipzig wurde die Zahl von ursprünglich 100 auf 2500 hochgesetzt. In Chemnitz sind nach Angaben der Stadt 100 Menschen angemeldet.

Wie viele Menschen letztlich auf der Straße sein werden, lässt sich allerdings schwer abschätzen. Auf der Webseite von „Gen Z regelt“ haben in Dresden rund 4700 Personen angekündigt, dabei sein zu wollen. In Leipzig waren es rund 5200 Menschen. In Chemnitz hatten bis Freitagmittag rund 150 Personen eine Beteiligung in Aussicht gestellt.

Wer unterstützt die Proteste offiziell?

Politisch werden die Jugendproteste bislang insbesondere von Linken und Grünen unterstützt. Ein von „Gen Z regelt“ verfasster offener Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wurde unter anderem von Linken-Chefin Heidi Reichinnek und der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ricarda Lang unterzeichnet. Darin heißt es an den Kanzler gerichtet unter anderem: „Ihre Sparpolitik nimmt uns jede Hoffnung.“ Die Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen stellte sich hinter die Forderung junger Menschen nach guter Bildung.

Wie steht „Gen Z regelt“ zu Gewalt?

Auf ihrer bundesweiten Website schreibt die Initiative „Gen Z regelt“: „Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen. Nur friedlich können wir gemeinsam etwas erreichen.“ Zugleich heißt es in der Beschreibung des Leipziger Instagram-Accounts: „So kämpfen wie die Jugend in Frankreich!“

Dass mehrere Länder-Innenminister vorab vor Gewalt gewarnt haben oder der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, in der Bild über Menschen, die die offiziellen Proteste für eigene Zwecke nutzen wollten, von „jungen Krawallmigranten“ sprach, wird in zahlreichen Äußerungen im Internet im Umfeld der Proteste scharf kritisiert.

Wie bereiten sich die Sicherheitsbehörden vor?

Die Polizei wird die Proteste begleiten. Wie viele Beamte dabei im Einsatz sein werden, teilt sie vorab nicht mit. Den größten Einsatz wird es voraussichtlich in Leipzig geben. Weil die Lage dynamisch sei, werde die Einsatzplanung an die Notwendigkeiten angepasst, hieß es. Zugleich betonte die Leipziger Polizei, dass bisher keine Erkenntnisse vorlägen, die einen Vergleich mit den Verhältnissen in Frankreich zuließen.

Ähnlich äußert sich auf Anfrage auch der sächsische Verfassungsschutz: Momentan deute nichts darauf hin, dass es in Sachsen zu vergleichbaren gewalttätigen Ausschreitungen kommen könnte wie etwa in Frankreich.

Gleichwohl beobachtet das Landesamt „eine dynamische Mobilisierung in den sozialen Medien auch bei dogmatischen Linksextremisten sowie speziell in Leipzig auch seitens der Gruppierung Young Struggle Leipzig aus dem auslandsbezogenen Extremismus“. Extremisten könnten die „Gen Z regelt“-Themen wie soziale Gerechtigkeit, Anti-Wehrpflicht und Anti-Militarismus daher für ihre eigenen Ziele nutzen und insbesondere Schüler und Studenten damit ansprechen.

Wie reagiert der Handel?

In der Leipziger Innenstadt wurden die Schaufenster verschiedener Geschäfte vor dem Protestsamstag mit Platten geschützt. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands in Sachsen, René Glaser, teilte auf Anfrage mit, dass man im Kontakt mit der Polizei stehe. „Wir vertrauen darauf, dass die Wahrung der öffentlichen Sicherheit, die Durchsetzung geltenden Rechts sowie der Schutz des privaten Eigentums konsequent gewährleistet wird, und hoffen sehr, dass die Demonstrationen friedlich verlaufen – gewalttätige Ausschreitungen mit Angriffen auf privates Eigentum haben keinen Platz in unseren Stadtzentren.“

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