Im Bürgerkrieg in Myanmar geht es längst nicht mehr nur um Macht und Territorien. Das Militär versucht nun offenbar gezielt, die Kontrolle über eine Region zurückzuerobern, in der rund die Hälfte der weltweiten schweren seltenen Erden gefördert wird.
Wie Reuters berichtet, hat die Armee ihre Angriffe in mehreren Grenzregionen des Landes zuletzt deutlich ausgeweitet. Besonders im Fokus steht der nördliche Bundesstaat Kachin an der Grenze zu China. Dort befinden sich bedeutende Lagerstätten sogenannter schwerer seltener Erden – Rohstoffe, die unter anderem für Elektroautos, Windkraftanlagen und moderne Militärtechnik benötigt werden.
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Was genau will Myanmars Militär zurückerobern?
Die Offensive fällt in die erste Amtszeit des neuen Militärchefs Ye Win Oo, der im März die Führung übernommen hatte. Nach Angaben von Rebellenvertretern und Analysten versucht die Junta nun aggressiv, strategisch wichtige Grenzregionen zurückzuerobern, die in den vergangenen Jahren an ethnische Milizen verloren gingen. Laut der staatlichen Zeitung Global New Light of Myanmar erklärte Ye Win Oo vergangene Woche, das Militär habe bereits die Stadt Falam im Westen des Landes sowie eine wichtige Verkehrsroute zwischen Mandalay und Myitkyina in Kachin gesichert.
Der Myanmar-Analyst Sai Kyi Zin Soe sagte Reuters, die Junta wolle vor allem die Kontrolle über Handelswege und Grenzübergänge zurückgewinnen. „Das Militär versucht verzweifelt, Städte mit wichtigen Grenzhandelsrouten zurückzuerobern“, sagte er.
China dominiert den Weltmarkt für seltene Erden seit Jahren. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur und mehrerer Branchenanalysen kontrolliert das Land rund 70 Prozent der weltweiten Förderung und fast 90 Prozent der Verarbeitung dieser Rohstoffe. Besonders bei schweren seltenen Erden gilt Chinas Einfluss als nahezu alternativlos.
Rohstoffe für Elektroautos und Hightech
Besonders brisant ist der Kampf um Kachin wegen der dortigen Rohstoffe. Die Region produziert nach Angaben von Reuters etwa die Hälfte der weltweiten schweren seltenen Erden. Diese Metalle gelten als unverzichtbar für Elektromotoren, Windturbinen, Smartphones und moderne Waffensysteme.
Die Kachin Independence Army hatte große Teile des Gebiets im Oktober 2024 übernommen. Ein Sprecher der Miliz erklärte nun, man habe sich auf neue Angriffe vorbereitet. „Wir werden sie mit unseren Waffen empfangen“, sagte Rebellenvertreter Naw Bu Reuters.
Neue Kämpfe auch an Grenzen zu Indien und Thailand
Parallel intensivierte die Junta ihre Offensive auch im westlichen Bundesstaat Chin an der Grenze zu Indien. Dort könnten wichtige Nachschubrouten der Opposition bedroht werden. Rebellen berichteten Reuters zufolge von schweren Luftangriffen und taktischen Rückzügen aus mehreren Städten. Auch an der Grenze zu Thailand verschärfen sich die Kämpfe. Dort versucht das Militär offenbar, eine wichtige Handelsstraße nahe der Grenzstadt Myawaddy zurückzuerobern.
Der Konflikt in Myanmar dauert seit dem Militärputsch von 2021 an. Damals hatte die Armee die demokratisch gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. Seitdem kontrollieren ethnische Milizen und Widerstandsgruppen große Teile des Landes.
Ein jüngster Vorstoß der Militärführung für Friedensgespräche wurde von mehreren bewaffneten Gruppen bereits zurückgewiesen. Rebellenvertreter werfen der Junta vor, frühere Zusagen wiederholt gebrochen zu haben.
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