Der Mann im grauen Uniformrock stapft zielstrebig über die Lange Brücke von Köpenick. An seiner Seite baumelt ein Säbel, auf den Schultern sitzen die Epauletten eines Hauptmanns. Ab und zu lüftet er zum Gruß die Offiziersmütze.
Es ist warm an diesem letzten Dienstag im August, vor allem unter dem dicken Mantel. Der „Hauptmann von Köpenick“ sucht den Schatten, der auf der anderen Seite der Brücke am Schlossplatz wartet.
Neben ihm rauscht der Verkehr über die Brücke, die ab 2029 für einen Neubau weichen soll. Schon heute ist sie ein Nadelöhr. Unter ihm tuckern Motorjachten und Hausboote über die Dahme. Stand-up-Paddler kämpfen sich vor dem Schloss durch die Wellen.
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Mitten auf der Brücke bleibt der Hauptmann stehen. Er deutet auf die riesigen Wahlplakate der Parteien auf der Mittelinsel. Die Linke will „Mietabzocke stoppen“, die AfD „Berlin stark machen“, die Grünen möchten die „Zeiten neu“ stellen. Auf seinem Wahlplakat würde etwas anderes stehen, sagt der „Hauptmann von Köpenick“. Sein grauer Schnauzer bebt als er seinen imaginären Wahlslogan verrät: „Mehr Zaster!“ Allerdings, fügt er hinzu, nicht für sich selbst. Also keinen höheren Sold, keine ergaunerte Stadtkasse. Der Hauptmann will mehr Geld für edle Belange – für die Kultur im Bezirk.
Hinter der Maskerade des Hauptmanns verbirgt sich Heiko Stang, Schauspieler, Regisseur und Autor. „Treptow-Köpenick ist einer der schönsten Bezirke in Berlin: Wir haben Wald, Wasser, Erholungsgebiete, Sportflächen – eigentlich alles, was eine Stadt braucht“, sagt Stang.
Milliarde für die Kultur versickert in der Innenstadt
Das einzige, was Treptow-Köpenick nicht habe, seien ausreichend Mittel für Kultur, wie sie eine wirkliche Stadt bekomme. Der Bezirk habe so viele Einwohner wie Erfurt oder Braunschweig. Doch das Budget für Kultur sei klein.
„Berlin gibt in diesem Jahr eine Milliarde Euro für Theater, Opern und andere kulturelle Belange aus. Aber das versickert alles in der Innenstadt – in Mitte, Pankow, Kreuzberg und Neukölln.“ Alle Randbezirke würden dagegen seit 20 Jahren stiefmütterlich behandelt, erzählt der Hauptmann, der sich als Kulturbotschafter seines Bezirks versteht.
Heiko Stang ist in Köpenick geboren und aufgewachsen. Der 63-Jährige lebt im Ortsteil Grünau. Er wisse, wo den Köpenickern der Schuh drücke, sagt er. Sobald er den Uniformrock anzieht, werden die Menschen gesprächig. Die Figur, die er verkörpert, kennt hier schließlich jeder.
Nach dem Wochenmarkt auf dem Köpenicker Schlossplatz: Christa Bock trifft den „Hauptmann von Köpenick“ alias Heiko Stang.
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung
Stang, groß und von kräftiger Gestalt, wurde vor vier Jahren von einer zehnköpfigen Jury zum „Hauptmann von Köpenick“ gewählt und anschließend vom Bezirksbürgermeister ernannt. Bei offiziellen Anlässen verkörpert er den Schuster Wilhelm Voigt, der Köpenick vor 120 Jahren weltberühmt machte.
Der arbeitslose Schuster verkleidete sich im Oktober 1906 als preußischer Hauptmann, marschierte ins Köpenicker Rathaus, verhaftete den Bürgermeister und beschlagnahmte die Stadtkasse. Dafür wurde er später zu vier Jahren Haft verurteilt.
Am Schlossplatz findet der Hauptmann endlich ein schattiges Plätzchen. Auf dem kleinen Bereich ist wie jeden Dienstag und Donnerstag Markt.
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Christa Bock ist gerade mit dem Einkauf fertig, als sie auf den Uniformierten stößt. „Oho, der Hauptmann“, sagt die 84-Jährige überrascht. In ihren Händen hält sie einen roten Beutel und eine Plastiktüte.
Immer wenn Markttag sei, laufe sie von ihrer Wohnung in der Köllnischen Vorstadt über die Lange Brücke zum Schlossplatz – auch, um in Bewegung zu bleiben. „Der Markt ist super, weil es dort alles frisch gibt“, erzählt sie und zeigt das Erworbene: Fisch und Erdbeeren.
Seit 40 Jahren lebt die ehemalige Krankenschwester in Köpenick, in ein- und derselben Wohnung. Die Miete sei in Ordnung, die Umgebung sehr schön. „Im Großen und Ganzen bin ich eigentlich zufrieden“, verrät sie. Wen sie am 20. September wählen wird, indes nicht. „Ist ja eine geheime Wahl“, sagt sie lächelnd.
Derzeit ein alltägliches Bild in Köpenick: Schienenersatzverkehrsbusse fahren statt Straßenbahnen durch die Altstadt.
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung
Der Hauptmann plaudert noch ein wenig mit der zierlichen Seniorin, die er um zwei Köpfe überragt. Über Renten, Mieten, das Gesundheitswesen. Dann zieht Christa Bock weiter. Stang wird nachdenklich. Treptow-Köpenick sei kein armer Bezirk, sagt er. Aber gerade bei Senioren zeige sich, dass der im Grundgesetz stehende Solidarpakt nicht funktioniere. „Wieso liegt bei einem normal arbeitenden Menschen das Rentenniveau bei 48, bei Beamten bei 71 Prozent?“, fragt er. Irgendwas laufe gerade mächtig schief in diesem Land.
Gleich neben den Verkaufswagen des Wochenmarktes zeigt sich ein Problem, das Treptow-Köpenick schon lange beschäftigt und die Menschen im Bezirk auch weiterhin umtreiben wird: kaputte Straßen und Brücken. Seit vorigem Jahr fährt keine Straßenbahn mehr durch die Altstadt. BVG und Wasserbetriebe erneuern Gleise und Rohre. Die Großbaustelle soll nun sogar bis Frühjahr 2028 dauern.
Verkehrstechnische Horror-Schlagzeilen
An einer Ersatzhaltestelle warten Menschen auf die Schienenersatzbusse Richtung Bahnhof Köpenick und Mahlsdorf. „In Berlin wird nichts pünktlich fertig. Diese ewige Bauerei hier nervt schon. Ist eine Großbaustelle weg, geht es anderswo weiter“, sagt Paul.
Der 27-Jährige will seinen vollen Namen nicht nennen. Er muss zum Arzt, wegen einer Knieverletzung kann er nicht Fahrrad fahren. „Wenn du hier draußen wohnst und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bist, ist es derzeit nicht leicht. Eigentlich war es das noch nie“, sagt er.
Steffanie Siedler-Gey (r.) und ihre Mutter Anette Siedler bereiten in Köpenick ein Familientreffen vor.
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung
Treptow-Köpenick hat in den vergangenen Jahren einige verkehrstechnische Horrorschlagzeilen produziert: die Risse an der Treptower Elsenbrücke und deren notwendig gewordener Neubau, die plötzliche Sperrung und der Abriss der Köpenicker Allende-Brücke.
Und die Liste ließe sich fortsetzen. In Köpenick wird an den S-Bahn-Gleisen bis Anfang 2028 ein Regionalbahnhof gebaut, die quirlige Bahnhofstraße dafür immer wieder für den Auto- und Tramverkehr gesperrt. Der Bahnhof Schöneweide, der Vorplatz und Straßenbahngleise werden umgestaltet, was auch immer wieder zu Einschränkungen für Fußgänger und Autofahrer führt. Und die Lange Brücke, eine Hauptverbindungsstrecke von den Ortsteilen Müggelheim und Wendenschloss in die Innenstadt, soll ab 2030 neu gebaut werden.
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„Die Infrastruktur ist im Bezirk jahrelang vernachlässigt worden. Natürlich sind die Bewohner im Bezirk die Leidtragenden – aber irgendwann muss neu gebaut werden“, sagt Stang, der Hauptmann. Nun müsse man eben klotzen, nicht kleckern.
Dabei klotzt der Bezirk bereits heute: Seit Jahren führt er bei neugebauten Wohnungen die Statistik an – obwohl die Infrastruktur, also der Bau von Schulen, Straßen und Einkaufsmöglichkeiten, hinterherhinkt. Auch beim Zuzug liegt Treptow-Köpenick an erster Stelle im Bezirksvergleich. Leben am Wasser und im Grünen wird immer beliebter.
Und auch sonst ist Treptow-Köpenick ein Bezirk der Superlative. Mit rund 168 Quadratkilometern ist er der größte der Hauptstadt. Rund 70 Prozent der Bezirksfläche bestehen aus Wasser, Wald und Parkanlagen. Der Müggelsee ist das größte Gewässer Berlins.
Berlins dienstältester Bezirksbürgermeister
Und: Seit der Wende regiert hier die SPD – ununterbrochen. Der Bezirk hat mit Oliver Igel den dienstältesten Bürgermeister der Stadt. Seit 15 Jahren sitzt der Sozialdemokrat im gerade frisch sanierten Rathaus.
Dabei war die SPD bei der letzten Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung erstmals seit der Wende nicht die stärkste Kraft, belegte nur Platz zwei. Als Sieger ging die CDU hervor und errang mit 14 Mandaten einen Sitz mehr im Bezirksparlament als die Sozialdemokraten.
Auch der Stern der Linken sank: Errang die Partei im Jahr 2016 noch 14 Sitze, so waren es nach der Wahl 2023 nur noch neun. Noch vor den Grünen wurde beim letzten Urnengang die AfD viertstärkste Kraft im Bezirk. Sie stellt in Treptow-Köpenick auch den einzigen Stadtrat in Berlin. In anderen Bezirken, in denen die AfD einen Anspruch auf einen Posten gehabt hätte, scheiterten die Kandidaten an den Stimmen anderer Parteien.
Jeden Dienstag treffen sie sich zum Schwatz im Weinhaus: Manfred Petrasch, Karin Petrasch, Karin Willem, Elke Schöps und Thomas Lange (v.l.)
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung
Die Sonne knallt an diesem Augusttag nicht so heiß vom wolkenfreien, blauen Himmel wie in den vergangenen Tagen. Regine Schultz und Ilona Katzorke schlendern entspannt durch die Altstadt. Vorbei an Eisläden, Boutiquen, Restaurants. Ein Selfie mit dem Hauptmann können sie sich nicht verkneifen. Schließlich, so sagen sie, seien sie doch Köpenicker.
Vor sechs Jahren zog Regine Schultz aus der Friedrichshainer Simon-Dach-Straße in den Bezirk. Jetzt wohnt sie in der Nähe der Bahnhofstraße in ruhiger Lage und genießt den Wasserblick ohne den Müll und Lärm der innerstädtischen Partyzone.
„Das mit der Bauerei ist schon beschwerlich“, sagt die 80-Jährige. Aber mittlerweile sei ja ganz Berlin eine Baustelle. Ilona Katzorke, ihre 75-jährige Begleiterin, stimmt ihr zu. Dann sagt sie, die Menschen im Kiez seien ganz in Ordnung. Sie fühle sich sicher. Auch die Versorgung stimme: Am Bahnhof gibt es das Forum-Einkaufscenter, in der Altstadt ein Ärztehaus. „Es lässt sich hier schon gut aushalten“, erklärt Ilona Katzorke.
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Doch vor allem für Familien wird es in dem südöstlichsten Randbezirk der Hauptstadt immer schwieriger, erschwinglichen Wohnraum zu bekommen. Steffanie Siedler-Gey weiß, wie anstrengend die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung für eine vierköpfige Familie sein kann.
Mit ihrer Mutter läuft die 39-Jährige vom Schloss zum Rathaus, direkt durch die Altstadt. Die beiden Frauen organisieren gerade ein Familientreffen. Akribisch stoppen sie die Zeit, die sie vom Schloss bis zum Rathaus benötigen.
Steffanie Siedler-Gey kommt aus Treptow. Mit ihrem Mann hat sie zwei Kinder, drei und fünf Jahre alt. Die Familie lebt in einem Neubau – 142 Quadratmeter, 2600 Euro warm. „Wir können uns das nur leisten, weil mein Mann und ich ganz gut verdienen“, sagt die PR-Expertin.
Köpenick ist der wasserreichste Bezirk in Berlin – gerade im Sommer sind viele Schiffe, auch Partyflöße, auf den Gewässern unterwegs.
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung
Eigentlich aber seien die Mieten viel zu hoch. „Viele aus unserem Bekanntenkreis suchen eine Wohnung mit bezahlbarer Miete. Es wird zwar viel gebaut, auch hier, aber nicht für den Normal-Berliner.“
Einen Riesenpluspunkt hat der Bezirk aus ihrer Sicht: das FEZ in der Wuhlheide. Es ist Europas größtes gemeinnütziges Kinder-, Jugend- und Familienzentrum, das in der DDR als Pionierpalast gebaut wurde. „Dorthin können wir mit den Kindern jedes Wochenende gehen. Wenn das einmal schließen sollte, wäre das eine Katastrophe für viele Familien.“
Trotz der Bauarbeiten lebt die Altstadt. Die Geschäfte sind geöffnet, vor dem Weinhaus mitten in der Fußgängerzone sitzen die ersten Besucher im Freien. Im Schankraum hat sich eine Gruppe Senioren niedergelassen.
Wunsch: ein Seniorenticket für 43 Euro
Jeden Dienstag treffen sich die Frauen und Männer aus dem nahen Ortsteil Spindlersfeld hier zum Schwatz bei einem Glas Wein. Manchmal auch in der benachbarten „kleinsten Brauerei“ Berlins.
Elke Schöps gehört zu dieser Runde. Sie sagt, sie habe nicht das Gefühl, dass die Politik derzeit die richtigen Antworten auf die Probleme des Alltags finde. Keine Partei habe ein Programm, das fruchte, sagt die 77-Jährige. Früher arbeitete sie als Fotografin bei einer Nachrichtenagentur, nach der Wiedervereinigung betrieb sie einen Fotoladen. Jetzt lerne sie ihren Bezirk erst richtig kennen.
Bei ihrem Wunsch an die Politik muss sie nicht lange nachdenken: „Wir haben keine sehr hohen Renten.“ Deshalb wäre es toll, wenn es in Berlin ein Senioren-Deutschlandticket geben würde – wie in Mecklenburg-Vorpommern für 43 statt 63 Euro.
Lehrer Ib Keune wohnt in Friedrichshagen und arbeitet in Köpenick. Er sagt: „Wir sind dort zuhause, wo andere Urlaub machen.“
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Für Thomas Noack ist jeder Gast wichtig. Ihm gehört der Weinladen, in dem er auch kleine Gerichte anbietet. Nur mit dem Verkauf von Wein und Whisky könne er das Geschäft nicht über Wasser halten, sagt der 60-Jährige. Viele Kunden schauten sich die Flaschen an, um anschließend im Internet zu bestellen.
Noack kennt Köpenick wie kaum ein anderer. Er ist Köpenicker in dritter Generation. Der Anwalt und Vorsitzende der Berliner und Brandenburger Verkehrsanwälte hat den Weinladen vor zehn Jahren mitsamt dem ältesten noch erhaltenen Berliner Weinkeller gekauft.
Sein Großvater sei Reichsbahner gewesen und habe an der ersten elektrischen S-Bahn mitgearbeitet, sein Vater als Bauleiter das heutige FEZ mitgebaut. Er selbst lebe gerne hier. „Wir sind, wenn man so will, ein Dorf mitten in Berlin. Die Leute kennen sich, achten aufeinander. Es ist schon sehr schön hier“, sagt Noack.
„Ich kann nachvollziehen, warum sie es geschafft haben“ – so reagieren die Berliner auf den Wahlsieg der AfD
Fast 44 Prozent für die AfD – doch Berlins Parteien machen unbeirrt weiter wie bisher
Doch die Idylle hat Risse. Auch ihn stören die Baustellen vor seiner Tür. Und er findet, dass die Politik der Wirtschaft endlich mehr Aufmerksamkeit schenken müsse. Es brauche eine Vorfahrtsregelung für Unternehmen.
Dann zählt Noack die Eckpunkte auf: Firmenabwanderungen verhindern, Energiepreise runter, Genehmigungsverfahren erleichtern. „Der ganze Wohlstand hängt am Mittelstand, und der wird kontinuierlich zerstört.“
Klar, müsse sich hier der Bund kümmern. Aber die Landespolitik könne sich der Infrastruktur annehmen, die desaströs sei. Die Schwerpunkte der Parteien – wie etwa Müll – seien nicht das, was die Wirtschaft brauche. Sie benötige ein klares Zeichen, dass sie hier erwünscht ist und gefördert wird.
Im Luisenhain halten die Dampfer, die aus Friedrichshagen oder Treptow kommen. Die zum Wasser führenden Terrassenstufen sind von Menschen besetzt, die ihre Mittagspause in der Sonne genießen wollen.
Diesmal hat der „Hauptmann von Köpenick“ kein Glück mit der Stadtkasse. Sie sei, sagt Bürgermeister Oliver Igel, leer.
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung
Ib Keune hat es sich etwas abseits bequem gemacht und liest in einem Buch. Der Lehrer für Sport, Philosophie und Ethik sagt, er müsse gleich wieder zurück in seine Schule. Dann aber fängt er an zu erzählen.
Keune lebt mit seiner Familie in Friedrichshagen. Seine beiden Kinder könnten morgens zu Fuß in die Schule gehen, ohne dass er sich Sorgen machen müsse. Der Zuzug aus Prenzlauer Berg sei groß. Überhaupt habe Treptow-Köpenick viele schöne Ecken. Er zeigt auf das Wasser, auf die andere Uferseite. „Wir sind dort zuhause, wo andere Urlaub machen“, sagt er.
Und dann spricht auch er über die Wohnungsnot im Bezirk. Er lebe in einer relativ kleinen Wohnung. Dabei wäre alles so leicht zu regeln: Viele alleinstehende alte Menschen seien Mieter großer Unterkünfte. Die meisten davon würden auch in eine kleinere Wohnung ziehen. „Aber nicht, wenn sie dann am Ende höhere Mieten zahlen müssen“, sagt Keune. Es sei ihm schleierhaft, warum die Politik da nicht regulierend eingreife.
Der Müggelsee: Algen und tote Fische im Wasser
Dann kommt Keune auf den Klimawandel zu sprechen, der gerade in dieser wasserreichen Gegend auffalle. Der Pädagoge nennt den Müggelsee als Beispiel, der immer wärmer werde. Vor zehn Jahren noch sei er in dem Gewässer Langstrecke geschwommen. „Heute stechen die Algen durch, und immer mehr tote Fische treiben im Wasser.“ Die Argumente jedes Einzelnen, nichts gegen den Klimawandel machen zu können, nennt er schwach.
Bevor er sein Buch zuklappt und zurück an seine Arbeit geht, spricht er von Meckern auf hohem Niveau. „Wir sind immer noch ein wohlhabendes Land, uns geht es immer noch gut. Auch in Treptow-Köpenick.“
Am Rathaus trifft Heiko Stang ausgerechnet Bezirksbürgermeister Oliver Igel, der gerade mit einer Schulklasse spricht. Es gibt ein großes Hallo, und der „Hauptmann von Köpenick“ fragt vorsichtig nach der Stadtkasse.
Igel hebt beschwichtigend die Hände. Die könne der Hauptmann gern haben, scherzt der Bürgermeister. Denn die sei – wie überall in Berlin – leer.
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