Im Tarifstreit im deutschen Einzelhandel hat die Gewerkschaft Verdi für Donnerstag bundesweit zu Warnstreiks aufgerufen. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 100 Filialen der Handelskette Kaufland, die zur Neckarsulmer Schwarz-Gruppe gehört. Insgesamt seien rund 6500 Beschäftigte verschiedener Händler zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.
Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer begründete den Schwerpunkt mit dem Verweis auf den Eigentümer der Schwarz-Gruppe. „Dieter Schwarz ist mit Abstand der reichste Mensch in Deutschland“, teilte Zimmer mit. Seine Beschäftigten hätten sein Milliardenvermögen mit erarbeitet, doch ihr eigener Lohn reiche oft nicht bis zum Monatsende. Kaufland-Vertreter säßen in vielen Landesbezirken mit am Verhandlungstisch und seien daher für das bisherige Angebot der Arbeitgeber mitverantwortlich.
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Kaufland versichert: Filialen bleiben geöffnet
Kaufland betreibt nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 790 Filialen mit über 92.000 Beschäftigten. Eine Unternehmenssprecherin teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, trotz des Streikaufrufs sollten alle Filialen regulär geöffnet bleiben.
„Unsere Kundinnen und Kunden können wie gewohnt bei uns einkaufen. Auch die Warenversorgung unserer Filialen ist sichergestellt“, erklärte sie. Das Streikrecht der Mitarbeiter werde respektiert. Als tarifgebundenes Unternehmen sei Kaufland an einer zügigen Lösung interessiert.
Streit um Lohnerhöhung und Laufzeit
Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro mehr im Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber boten zuletzt in mehreren Bundesländern eine Erhöhung um zwei Prozent ab November sowie um weitere 1,5 Prozent ab August 2027 bei einer Laufzeit von zwei Jahren an. Verdi lehnte dies ab. Bereits Mitte Mai und Anfang Juni hatte es bundesweite Warnstreiks gegeben, von denen unter anderem Edeka, Rewe, Douglas, H&M und Ikea betroffen waren.
Die Schwarz-Gruppe hatte für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatzzuwachs von 5,8 Prozent auf 185,6 Milliarden Euro gemeldet. Auf Kaufland entfiel davon ein Filialumsatz von 36,7 Milliarden Euro, ein Plus von 4,3 Prozent. Die nächsten Verhandlungstermine sind nach Verdi-Angaben für Freitag angesetzt – für den Einzelhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie für den Groß- und Außenhandel in Baden-Württemberg.
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