Kaum Besucher, kein Konzept: Der Zitadelle versiegen die Geldquellen

Das vergessene Juwel

Marcel Gäding
3 Min

SPANDAU. Eine Schulklasse. Mehr nicht. Keine Touristengruppen, die sich die alte Exerzierhalle anschauen oder die Kasematten. Und in der einzigen geöffneten Kneipe steht der Wirt einsam hinterm Tresen. Es könnte am Schnee liegen und am Schmuddelwetter, dass dieser Tage kaum Besucher den Weg auf die Zitadelle, Spandaus berühmtestes Bauwerk, finden. Doch dann wäre seit Jahren jeden Tag Schmuddelwetter. Der Zitadelle fehlt es an Nachfrage. Kaum jemand interessiert sich für den Komplex aus der Renaissance. Dabei hat der viel zu bieten: Original erhaltene, dunkle Verliese, lang gezogene Wassergräben und eine filmreife Festungsbrücke aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1978 flossen in die Zitadelle nach Senatsangaben 50 Millionen Euro, weitere 22 Millionen wären nötig, um das Gebäude zu sanieren. Doch vorläufig gibt es kein Geld mehr. Zumindest so lange, bis dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses ein tragfähiges Nutzungskonzept vorliegt. Auf dieses Konzept aber warten die Mitglieder seit Oktober 2003. Bis Monatsende hat der Bezirk noch eine Gnadenfrist. "Haben wir bis dahin kein Konzept, müssen wir sehen, was passiert", sagt Ausschussvorsitzender Ralf Wieland (SPD). Und: "Der Hauptausschuss kann sehr grantig werden." Auch Manfred Kühne, der Leiter der Obersten Denkmalschutzbehörde, hofft auf das Konzept. "Der Bezirk hat Fördermittel für ein Nutzungs- und Vermarktungskonzept beantragt. "Ich gehe davon aus, dass er uns noch in diesem Jahr seine Pläne vorlegt." In der Spandauer SPD ist man verärgert über die kollektive Zurückhaltung im Rathaus. "Die Zitadelle ist an sich schon ein Event, sie ist ein Kronjuwel", sagt der Abgeordnete Daniel Buchholz (SPD). Doch es mangele an kompetenten Mitarbeitern und an hochkarätigen Veranstaltungen, es gebe nicht mal einheitliche Öffnungszeiten in den Einrichtungen auf der Zitadelle. Der 2003 vom Kulturamt eingesetzte Manager für die Zitadelle weist diese Vorwürfe zurück. Allein in diesem Jahr seien 17 Großveranstaltungen geplant, sagt Michael Gottschling. Die SPD will dem Bezirksamt jetzt ein eigenes Konzept für die Zitadelle vorschlagen. Vorstellbar sind nach Meinung der Genossen ein Gästehaus, Bootsanlegestellen für Wassertouristen und Führungen durch kompetente Mitarbeiter. "Die Zitadelle muss ein überregionales Kultur- und Tourismuszentrum werden", sagt Buchholz. Er denkt an Tagungen und Symposien, an neue Restaurants und einen Zitadellen-Shop.Als reinen Populismus bezeichnet Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) das SPD-Konzept. "Zum Teil sind dort Ideen enthalten, die wir längst zu Papier gebracht haben", sagt er. "Wenn sich Herr Buchholz auskennen würde, wüsste er, dass wir schon lange nach Möglichkeiten suchen, die Zitadelle touristisch zu vermarkten." Warum dem Hauptausschuss noch kein Konzept vorliegt, sagt Hanke nicht.------------------------------Italien in Spandau // Die Zitadelle: Die Zitadelle entstand zwischen 1559 und 1590 am Zusammenfluss von Havel und Spree unter der Regie italienischer Baumeister. Sie ist ein Festungsbau aus der Zeit der Renaissance - von der Art her die bedeutendste Anlage Nordeuropas. Markenzeichen ist der Juliusturm. Die Nutzer: Neben dem Stadtgeschichtlichen Museum befinden sich auf der Zitadelle u. a. Künstlerateliers, ein Fledermauskeller, die Italienischen Höfe, ein Puppentheater und der Gotische Saal.Der Plan: Die SPD will die Zitadelle für überregionale Veranstaltungen vermarkten, die Öffnungszeiten vereinheitlichen. Das Ensemble soll ein lebendiges Museum werden für Berliner und Berlin-Besucher.

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