Kriminalität

Darum gibt es in Dänemark keine Banküberfälle mehr

Dänemark verzeichnet das erste Jahr ohne einen Raubüberfall auf Finanzinstitute. Auch in Deutschland sterben die Bankräuber aus. Das ist der Grund.

Team News Alexander Schmalz AFP lex
3 Min
Berliner SEK-Beamte beziehen nach einem Banküberfall in Köpenick Stellung. (Archivbild)

Berliner SEK-Beamte beziehen nach einem Banküberfall in Köpenick Stellung. (Archivbild)

© dpa/Britta Pedersen

Keine Gelegenheit – keine Diebe: Im Zuge der schrittweisen Abschaffung von Bargeld in Bankfilialen hat Dänemark erstmals ein ganzes Jahr ohne einen einzigen Banküberfall verzeichnet. Während es im Jahr 2000 im vergleichsweise friedlichen Dänemark immerhin noch 221 bewaffnete Banküberfälle gab, waren es seit 2017 stets weniger als zehn und 2022 schließlich gar keiner mehr, wie die Bankenvereinigung Finansforbundet am Dienstag mitteilte.

Bargeld verliert in dem skandinavischen Land seit Jahren stetig an Bedeutung und spielt im Alltag kaum noch eine Rolle. Die Corona-Krise beschleunigte diesen Trend noch. Folglich haben auch die Banken des Landes kaum noch Bargeldreserven in ihren Filialen. Im März vergangenen Jahres hatte die Zentralbank mitgeteilt, dass 2021 Bargeld nur noch zwölf Prozent der Bezahlvorgänge ausmachte, selbst 2017 waren es nur 23 Prozent.

Auch in Deutschland sterben die Bankräuber aus 

Auch in Deutschland sind die Bankräuber nahezu ausgestorben: Die Zahl der Überfälle auf Banken, Sparkassen und auch Postfilialen ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um 95 Prozent gesunken. Im Jahr 1993 zählte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden noch 1623 Überfälle auf „Geldinstitute und Poststellen“, im Jahr 2020 waren es lediglich 80, wie die Zeitreihen des Bundeskriminalamts zeigen.

Onlinebanking und Kartenzahlung verändern nicht nur die Finanzbranche, sondern auch das Geschäft für Kriminelle. Für die Entwicklung sind laut Polizei mehrere Ursachen verantwortlich: weniger Bankfilialen, weniger Bargeld und ein hohes Risiko, erwischt zu werden. Denn die Banken haben nicht nur deutlich besser gesicherte Bankschalter mit Videoüberwachung, sondern zudem kaum noch Scheine in den Vorräumen gelagert. 

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Nach Bankraub: Viele Mitarbeiter leiden bis heute

Die Bankengewerkschaft freut sich über die Entwicklung, denn bewaffnete Überfälle seien eine „erhebliche Belastung für die beteiligten Angestellten“. Wer so etwas nicht erlebt habe, könne sich die emotionalen Folgen kaum vorstellen. Viele Betroffene litten bis heute unter Schlaflosigkeit, Ängsten oder Unruhe.

Skandinavien und genauer Schwedens Hauptstadt Stockholm ist gleichwohl Schauplatz einer der bekanntesten Banküberfälle überhaupt. Im August 1973 nahm ein Mann nach einem missglückten Bankraub vier Angestellte des Instituts mehrere Tage lang als Geiseln. Nach der Befreiung wollte allerdings niemand gegen den Täter aussagen – das Phänomen gilt als Geburt des Begriffs „Stockholm-Syndrom“.

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