BERLIN, 19. November. Natürlich ärgert der Streit. CDU-Vizechef Jürgen Rüttgers zum Beispiel, der im nächsten Jahr bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen das Ende der ewigen SPD-Vorherrschaft in seiner Heimat einläuten will, hätte gerne langsam Ruhe im Karton. Das Hickhack zwischen den Schwestern CSU und CDU, die sich seit Tagen wegen der Rentenpläne der CSU gegenseitig und über die Medien allerhand Vorwürfe an den Kopf werfen, macht ihm perspektivisch keine Freude. "Vor der Bayernwahl haben wir in der Diskussion eine Auszeit genommen, damit die Leute nicht verunsichert werden. Wir erwarten, dass man auf uns genauso Rücksicht nimmt", erklärte Rüttgers dieser Tage vor seiner Landtagsfraktion in Düsseldorf. Mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller, dem hessischen Fraktionschef Franz-Josef Jung und vielen anderen in der CDU-Führung ist sich Rüttgers dabei einig in der Analyse, dass die Quelle für besagten Dauerstreit in München steht. Die CSU brüskiere ihre große Schwester ständig, das dürfe man sich nicht mehr gefallen lassen, erklärte Müller am Montag im CDU-Präsidium. Nach jener Sitzung war es zu dem inzwischen fast legendären Angriff des CDU-Generalsekretärs Laurenz Meyer auf den CSU-Sozialexperten Horst Seehofer gekommen. Gemeint war CSU-Chef Edmund Stoiber.In München muss der Schuss gehört worden sein. CSU-Generalsekretär Markus Söder, sonst kein Freund übertriebener Zurückhaltung, setzte am Mittwoch deutlich auf Deeskalation. In der Sache sei man nicht sehr weit voneinander entfernt, so Söder. Auch die streitenden Fachpolitiker gaben sich konstruktiv, der gescholtene Horst Seehofer eingeschlossen. "Es geht eigentlich nur um die Finanzierung", so Seehofer gegenüber der Berliner Zeitung, "das Ziel ist das Gleiche." Ähnlich äußert sich Maria Eichhorn, die familienpolitische Sprecherin der CSU. "Ich bin überzeugt, dass wir am Schluss ein gutes, vernünftiges, gemeinsames Rentenmodell erarbeiten werden." Im Streit der Unionsschwestern geht es freilich um mehr als um die Frage, wie man die Rente familienfreundlicher macht. Stoiber nervt die CDU-Kollegen auch mit Gegenvorschlägen zur Steuerreform, der Kritik an den Herzog-Plänen für die Gesundheitsversorgung und zuletzt mit seinem Vorpreschen in der Hohmann-Affäre.Trotzdem sei es "unnötig", so Söder am Mittag auf die Forderung mehrerer führender Unionspolitiker, Stoiber und die CDU-Chefin Angela Merkel noch kurzfristig zu einem Krisengipfel zusammen zu bringen. Die Parteichefs telefonierten oft genug miteinander.Wahrscheinlich haben sie sich auch längst geeinigt auf das, was Rüttgers - ebenfalls vor seiner Fraktion - als Wunsch schon geäußert hat: "Konkret: Jetzt kann diskutiert werden bis zum Bundesparteitag. Nach meinem Verständnis muss danach ein Stück weit Schluss sein." Auch CDU-Präsidiumsmitglied Hildegard Müller hält es für nicht angebracht, noch vor dem Parteitag der CDU in zwei Wochen in Leipzig auf ein Ende der Debatte zu pochen: "Einen begrenzten Dissens kann man für eine gewisse Zeit schon mal aushalten und sachlich diskutieren", so Müller. Sie hält es insbesondere für wichtig, dass sich die CDU in Leipzig auf gewisse Grundlagen einigt, bevor sie die Sachfragen mit der CSU zu klären versucht. Wobei etwa Müller in Leipzig durchaus Vorentscheidungen auch für die Rentendiskussion treffen möchte. Die CDU müsse sich darauf verständigen, dass man den sozialpolitischen Ausgleich verstärkt über das Steuersystem organisieren müsse, so die Merkel-Vertraute. Die CSU hat sich gerade eben auf einen anderen Weg geeinigt.In Bayern sieht man die Sache dennoch gelassen. Aus Erfahrung. Die Kritik etwa, die unter anderem Horst Seehofer am ursprünglichen Herzog-Konzept für das Gesundheitswesen geäußert hatte, hat inzwischen zu Abänderungen im Konzept geführt. Es ist sozial ausgewogener geworden, wie auch Angela Merkel einräumt. Nichts anderes hatte Seehofer letztendlich gewollt."Es geht eigentlich nur um die Finanzierung. " Horst Seehofer.DDP/KATJA LENZ CDU und CSU gehen bei der Rentendebatte unterschiedliche Wege.
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