Großbritannien

Nach Rücktritt als Premier: Starmer verlässt nun auch das Parlament

Keir Starmer wollte zunächst bis zur nächsten Wahl Abgeordneter bleiben. Nun ändert der frühere britische Regierungschef seine Pläne und löst eine Nachwahl in London aus.

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Der frühere britische Premierminister Keir Starmer vor seinem damaligen Amtssitz in der Downing Street

Der frühere britische Premierminister Keir Starmer vor seinem damaligen Amtssitz in der Downing Street

© Lucy North/AP

Keir Starmer zieht einen weiteren Schlussstrich unter seine politische Laufbahn. Rund sechs Wochen nach seinem Abschied aus der Downing Street hat der frühere britische Premierminister angekündigt, auch sein Mandat im Unterhaus niederzulegen.

„Im Laufe des Sommers hatte ich Zeit, nachzudenken und über meine Zukunft zu entscheiden“, erklärte Starmer am Dienstag auf X. Nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen, als Abgeordneter für Holborn und St Pancras zurückzutreten und „den Staffelstab an einen Nachfolger weiterzugeben“.

Starmer vertritt den Londoner Wahlkreis seit 2015. Es sei ihm eine „Ehre und ein Privileg“ gewesen, die Menschen dort elf Jahre lang im Parlament zu vertreten, schrieb er. Das Camden New Journal hatte den bevorstehenden Rückzug zuerst gemeldet. Starmer habe die örtliche Labour-Partei bereits über seine Entscheidung informiert.

Der Schritt ist eine Kehrtwende. Nach seinem Rücktritt als Premierminister hatte Starmer zunächst erklärt, bis zur nächsten regulären Parlamentswahl Abgeordneter bleiben zu wollen.

Starmer will sich internationalen Aufgaben widmen

„Ich werde mich nun auf andere Dinge konzentrieren, und das werden internationale Themen sein, darunter Verteidigung, Sicherheit, Handel und Technologie in einer sich schnell wandelnden Welt“, sagte Starmer dem Camden New Journal.

Eine konkrete neue Funktion nannte er nicht. Weitere Einzelheiten zu seiner künftigen internationalen Arbeit sollen nach Angaben der Lokalzeitung in den kommenden Monaten folgen.

Starmer kündigte außerdem an, seinen Einsatz gegen Gewalt an Frauen und Mädchen fortzusetzen. Mit diesem Thema habe er sich bereits vor seinem Einzug ins Parlament beschäftigt. Die Arbeit liege ihm „außerordentlich am Herzen“.

Nachwahl könnte zum Test für Labour werden

Mit Starmers Rückzug wird in Holborn und St Pancras eine Nachwahl notwendig. Ein Termin steht noch nicht fest. Labour beginnt nun mit der Suche nach einem Kandidaten. Starmer versprach, die ausgewählte Person zu unterstützen.

Der zentral gelegene Londoner Wahlkreis gilt traditionell als Labour-Hochburg. Bei der Parlamentswahl 2024 erhielt Starmer 18.884 Stimmen. Sein Vorsprung auf den unabhängigen Kandidaten Andrew Feinstein betrug 11.572 Stimmen. Feinstein, der vor allem mit seiner Ablehnung des israelischen Krieges im Gazastreifen Wahlkampf machte, kam auf 18,9 Prozent.

Auch die Grünen dürften den Wahlkreis ins Visier nehmen. Parteichef Zack Polanski erwägt nach Angaben des Guardian eine Kandidatur. Die Partei hatte bei der Wahl 2024 in Holborn und St Pancras 10,4 Prozent erreicht und bei den Kommunalwahlen im Mai in Camden weitere Stimmen hinzugewonnen.

Die Nachwahl könnte damit zu einem frühen politischen Test für Premierminister Andy Burnham werden.

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Andy Burnham folgte Starmer im Juli

Starmer wurde 2020 Vorsitzender der Labour-Partei. Vier Jahre später führte er Labour zu einem deutlichen Wahlsieg und beendete die 14-jährige Regierungszeit der Konservativen.

Nach schweren Verlusten bei den Kommunalwahlen im Mai und wachsendem Druck aus der eigenen Partei kündigte Starmer am 22. Juni seinen Rücktritt als Partei- und Regierungschef an. Burnham übernahm im Juli zunächst den Labour-Vorsitz und anschließend das Amt des Premierministers.

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