Kiew will den nächsten Schritt der Kriegsführung gehen. Nicht nur Drohnen sollen Menschen ersetzen, sondern Roboter sollen künftig auch am Boden kämpfen. Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow verspricht eine Armee, in der Maschinen Munition transportieren, Verwundete bergen und in wenigen Wochen selbst feindliche Soldaten töten. Zwischen technologischer Realität und Zukunftsvision liegt allerdings eine erhebliche Lücke.
Die Ankündigung klingt wie aus einem Science-Fiction-Film. Gegenüber ukrainischen Medien sagte Fedorow: „Das erste Ziel des Projekts Armee der Roboter besteht darin, dass ein humanoider Roboter innerhalb von sechs Monaten einen russischen Soldaten töten sollte.“ Dabei sollen keine ukrainischen Infanteristen beteiligt sein. Dafür will Fedorow mit seiner neuen Initiative Armee der Roboter ein Ökosystem aus Start-ups, Investoren, Ingenieuren und Militär aufbauen.
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Vom Drohnenkrieg zur Roboterarmee
Fedorow weiß, wie man aus Technologie eine militärische Strategie macht. Als Minister für digitale Transformation war er maßgeblich am Aufbau der ukrainischen Drohnenarmee beteiligt. Drohnen wurden vom improvisierten Werkzeug einzelner Einheiten zu einem industriell produzierten Bestandteil der ukrainischen Kriegsführung. Dieses Modell soll nun auf die nächste Ebene übertragen werden: auf unbemannte Bodenfahrzeuge, Künstliche Intelligenz und autonome Waffensysteme.
Ukrainische Streitkräfte setzen bereits seit Jahren unbemannte Bodenfahrzeuge ein. Sie transportieren Munition, liefern Nachschub, bergen Verwundete, räumen Minen oder tragen Waffen. Gerade an der Front, an der Drohnen und Artillerie nahezu jede Bewegung erfassen können, ist der militärische Nutzen offensichtlich. Ein Roboter kann eine gefährliche Strecke fahren, ohne dass dabei ein Soldat im Fahrzeug sitzen muss.
Der erste bestätigte ukrainische Kampfeinsatz eines Bodenroboters erfolgte bereits Ende 2024. Seitdem wurden weitere Systeme getestet und in die Streitkräfte integriert. 2025 erklärte das ukrainische Verteidigungsministerium sogar, der Bedarf der Armee an unbemannten Bodensystemen sei gedeckt.
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Zwischen Frontrealität und Science-Fiction
Ein Fahrzeug, das ein Soldat aus sicherer Entfernung steuert, ist technisch noch kein autonomer Kämpfer. Es braucht einen Operator, eine funktionierende Kommunikationsverbindung, Energie, Wartung und häufig weiterhin menschliche Entscheidungen über den Einsatz seiner Waffen. Wird die Verbindung gestört oder das Fahrzeug von einer Drohne getroffen, endet auch die vermeintliche Autonomie.
Noch weiter entfernt ist die Vision humanoider Kampfroboter. Die Maschinen, die in Präsentationen und KI-generierten Bildern zu sehen sind, existieren nicht als einsatzfähige ukrainische Roboterinfanterie. Zwischen einem ferngesteuerten Kettenfahrzeug und einem Roboter, der selbstständig Gelände erkennt, Hindernisse überwindet, Ziele identifiziert und tödliche Gewalt ausübt, liegen enorme technische Probleme.
Fedorows Ankündigung ist deshalb nicht nur eine militärische, sondern auch eine politische Botschaft. Sie erzählt von einer ukrainischen Armee, die den technologischen Wettlauf nicht lediglich überleben, sondern neu definieren will. Der Krieg ist ein Reallabor. Was an der Front funktioniert, soll möglichst schnell entwickelt, produziert und skaliert werden.
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Wer kontrolliert die Maschinen?
Fedorow ist seit Juli 2026 nicht mehr Verteidigungsminister. Seine neue Armee der Roboter soll außerhalb des klassischen Staatsapparats entstehen. Gleichzeitig arbeitet der 35-Jährige am Aufbau eigener Aktivitäten im Defense-Tech-Bereich. Als Investor wurde unter anderem der Palantir-Chef Alex Karp genannt. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen staatlicher Rüstungspolitik, privaten Start-ups und Investoren.
Wer entscheidet also, welche Technologie zum militärischen Standard wird? Wer kontrolliert die Unternehmen? Wer überprüft ihre Systeme? Und wer trägt die Verantwortung, wenn eine Maschine einen Menschen als Ziel identifiziert oder ihn fälschlicherweise dafür hält?
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