Der US-Milliardär Bill Gates scheint seine Haltung zu den Risiken des Klimawandels teilweise geändert zu haben. Der Microsoft-Mitgründer, der bereits Milliarden seines eigenen Vermögens investiert hat, um auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen, wendet sich in einem Schreiben auf seiner Website „Gates Notes“ vom Dienstag nun gegen das, was er als „Weltuntergangsstimmung“ im Zusammenhang mit der Erderwärmung bezeichnet.
„Obwohl der Klimawandel ernste Folgen haben wird – insbesondere für die Menschen in den ärmsten Ländern –, wird er nicht den Untergang der Menschheit bedeuten“, schrieb Gates in dem Memo. „Die Menschen werden auf absehbare Zeit in den meisten Teilen der Erde leben und gedeihen können.“
Gemäß dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben versuche Gates, den „Alarmismus“ zu dämpfen, mit dem viele Menschen die Folgen steigender Temperaturen beschreiben. Nur vier Jahre nach der Veröffentlichung seines Buches „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“ scheint das Memo vom Dienstag nach Einschätzung der New York Times eine grundlegende Neubewertung von Bill Gates’ Sicht auf die Herausforderungen des Klimawandels dazustellen.
Nach Abwicklung von USAID: Gates lenkt Ressourcen um
Stattdessen forderte Gates nun in seinem Schreiben, die Anstrengungen stärker darauf zu richten, das Leben in Entwicklungsländern zu verbessern. Die Trump-Regierung hatte seit Anfang des Jahres entsprechende Ausgaben drastisch gekürzt und die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) weitgehend stillgelegt.
Wie die New York Times berichtet, habe Gates seither einen großen Teil seiner Wohltätigkeitsspenden auf Gesundheit und Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern umgelenkt, um dazu beizutragen, die von der US-Regierung hinterlassene Lücke bei der Entwicklungshilfe zu füllen.
„Er sah die Situation bei der USAID als dringlicher an – und als ein Feld, auf dem er wirksamer handeln konnte“, sagte Johannes Ackva, der bei der Organisation „Founders Pledge“ die Klimaarbeit leitet und Philanthropen berät, gegenüber der New York Times.
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Gates warnt vor Folgen von „Weltuntergangsstimmung“
Gates wird dem Blatt zufolge auch nicht am kommenden UN-Klimagipfel COP30 teilnehmen, wie er es mehrfach in der Vergangenheit getan hatte. Vollends abwenden will sich Gates jedoch nicht vom Thema der Klimawandel-Bekämpfung. In dem Memo kündigte Bill Gates etwa keine Änderung seiner Strategie zur Finanzierung von Klimaprojekten an, wie etwa Start-ups, die im Rahmen seiner Projekte gefördert werden.
Er bezeichnete den Klimawandel weiterhin als „ein sehr wichtiges Problem“, das gelöst werden müsse, doch sagte er, die „Weltuntergangsstimmung“ führe dazu, dass sich ein Großteil der Klimabewegung zu stark auf kurzfristige Emissionsziele konzentriere. Dadurch würden „Ressourcen von den wirksamsten Maßnahmen abgezogen, die wir ergreifen sollten, um das Leben in einer sich erwärmenden Welt zu verbessern“, schrieb er.
Experte: Neue Haltung könnte Versuch sein, sich Trump anzunähern
David Callahan, Herausgeber von Inside Philanthropy, sagte gegenüber der New York Times, Bill Gates könnte versuchen, die Debatte über den Klimawandel neu zu positionieren – in einer politisch heiklen Phase, in der sich die Republikaner offen feindlich gegenüber Klimaschutz-Maßnahmen zeigen. „Man könnte sich vorstellen, dass dies Teil seines Bestrebens ist, sich in die politische Mitte zu bewegen und nicht ins Visier der Trump-Regierung zu geraten“, sagte Callahan.
Unabhängig von der Politik erklärte er, Gates’ veränderter Tonfall entspreche wissenschaftlichen Erkenntnissen, denen zufolge alarmistische Rhetorik beim Klimawandel nicht die wirksamste Methode sei, um Menschen zum Handeln zu bewegen. „Das Ergebnis vieler Studien ist, dass es besser ist, auf Optimismus statt auf Pessimismus zu setzen“, so Callahan gegenüber der US-Zeitung.
Bill Gates (r) spricht im September bei einem Abendessen mit US-Präsident Donald Trump (l) und First Lady Melania Trump im State Dinning Room des Weißen Hauses.
© Alex Brandon/AP
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