Der Rüstungskonzern KNDS hat seinen geplanten Börsengang in Paris und Frankfurt am Main verschoben. Angesichts der „Volatilität des europäischen Verteidigungssektors“ solle auf „günstigere Marktbedingungen“ gewartet werden, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. KNDS und seine Aktionäre würden die Lage an den Kapitalmärkten weiterhin beobachten und den Börsengang wieder aufnehmen, sobald die Bedingungen dies zuließen.
Ein offizieller Termin für den Börsengang war zuvor nicht genannt worden. In einer geheimen Vorlage des Bundesverteidigungsministeriums war von Anfang Juli die Rede gewesen. Der Börsengang sollte den Einstieg des Bundes bei dem Konzern ermöglichen.
Bundesregierung hält an Beteiligung fest
Die Bundesregierung will trotz der Verschiebung an ihren Plänen festhalten. „Wir sind weiter daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen“, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Man respektiere die Entscheidung des Unternehmens und werde die Lage weiter beobachten und bewerten.
Die Verhandlungen zum Einstieg des Bundes hätten auf der Erwartung eines erfolgreichen Börsengangs gefußt, den das Unternehmen weiterhin in Betracht ziehe, so die Sprecherin. Deutschland und Frankreich hatten sich erst in der vergangenen Woche auf eine Beteiligung der Bundesregierung geeinigt. Von französischer Seite hieß es, diese Einigung bleibe uneingeschränkt gültig.
Aktuelle Eigentümerstruktur
Aktuell halten der französische Staat und die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann jeweils 50 Prozent an KNDS. Der französische Anteil sollte durch den Börsengang auf 40 Prozent sinken, der Bund einen Anteil in gleicher Höhe von der Familie Wegmann übernehmen. Die verbleibenden 20 Prozent sollten an die Börse gebracht werden.
KNDS ist aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter hervorgegangen und stellt neben dem Leopard 2 auch den Schützenpanzer Puma sowie die Panzerhaubitze 2000 her. Der Konzern beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter an 34 Standorten weltweit, davon elf in Deutschland und zehn in Frankreich. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 4,4 Milliarden Euro.
Rüstungsaktien, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vor gut vier Jahren stark zugelegt hatten, schwankten zuletzt teilweise deutlich. Der tschechische Rüstungskonzern CSG etwa hatte im Januar einen starken Start beim Börsengang hingelegt, das Papier hat inzwischen aber mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. (mit AFP)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]