Es ist eine Anerkennung, wie es sie selten gibt: Die britische Königsgarde hat acht Sächsische Schwere Warmblüter gekauft, die schon bald in London Dienst tun sollen. Dafür reiste vergangene Woche eine hochkarätige, sechsköpfige Delegation des Household Cavalry Mounted Regiment (HCMR) unter Leitung von Commanding Officer Benjamin McNeil eigens aus London ins Landgestüt Moritzburg an.
Im Mittelpunkt des Interesses: das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut, eine traditionsreiche und noch immer als gefährdet eingestufte Rasse aus dem regionalen Zuchtgebiet. Die Tiere sollen in Kürze nach London übersiedeln und in den Dienst der Leibgarde des britischen Königs eintreten. Das teilte die Sächsische Gestütsverwaltung (SGV) mit.
Die britische Delegation wurde in Moritzburg mit allen Ehren empfangen.
© Anja Imke/SGV
Insgesamt begutachtete die Heereskommission 20 verkäufliche Schwere Warmblüter aus dem Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen. Nach einer Vorstellung an der Hand, einer Probe unter dem Sattel durch zwei eigens angereiste Bereiter sowie Untersuchungen durch Schmied und Tierarzt entschied sich die Delegation für den Ankauf von acht Pferden.
Christian Kubitz, Geschäftsführer des Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen und Zuchtleiter Sachsen, wertete den Ankauf als „herausragende Würdigung der züchterischen Arbeit“. Leistungsbereitschaft, Nervenstärke, ausgeglichener Charakter und das Erscheinungsbild der Rasse hätten bei der englischen Delegation einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Was das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut so besonders macht
Das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut, oft kurz als Moritzburger bezeichnet, ist nicht nur eine kulturhistorisch bedeutsame Pferderasse, die eine Brücke zwischen schwerem Nutzpferd und elegantem Reitpferd schlägt. Ihre Einzigartigkeit basiert auf einer Kombination aus kraftvoller Athletik, traditionsreichem Adel und einem außergewöhnlich ausgeglichenen Charakter.
Royale Pferde: Das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut gilt unter Pferdekennern als ganz besonders edel.
© Anja Imke/SGV
Ursprünglich als robustes und vielseitiges Arbeitspferd für die Landwirtschaft und repräsentative Kutschfahrten (Karossier) im sächsisch-thüringischen Raum gezüchtet, besticht die Rasse heute vor allem durch ihre überragende Eignung für den modernen Fahrsport. Mit ihrem kräftigen Fundament, einer stolzen Aufrichtung und den typischen, energischen Trabbewegungen mit hoher Aktion zieht sie im Gespann bis hin zur schweren Klasse im internationalen Turniersport die Blicke auf sich.
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Das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut wird seit 1873 in Sachsen gezüchtet und geht auf den Ankauf oldenburgisch-ostfriesischer Hengste durch das Landgestüt Moritzburg ab 1871 zurück. In den 1970er-Jahren drohte die Rasse im Zuge der Umzüchtung zum Reitpferd in der DDR zu verschwinden. Der damaligen Landstallmeisterin Dr. Hertha Steiner gelang es, einzelne Hengste vor der Kastration zu bewahren und ab 1980 wieder mit verbliebenen Stuten privater Züchter zu paaren.
Heute sind nach Angaben des Verbandes rund 1000 Zuchtpferde eingetragen, die Rasse gilt dennoch weiterhin als gefährdet. Die kompakten, muskulösen Pferde werden als Kutsch-, Reit- und Freizeitpferde eingesetzt.
Die Delegation bei der Ausfahrt mit den Moritzburger Pferden. Acht Tiere konnten die Experten überzeugen.
© Anja Imke/SGV
Der Besuch der britischen Delegation knüpft an eine Verbindung aus DDR-Zeiten an: Bereits 1988 hatte eine Ankaufskommission der British Household Cavalry 14 Rappwallache des damaligen Hengstdepots Moritzburg gekauft. Landstallmeisterin Dr. Kati Schöpke sprach nun von einer „erfolgreichen Wiederaufnahme“ der Kooperation, die das Schwere Warmblut als „lebendiges Kulturgut“ der Region über Europas Grenzen hinaus bekannter mache.
Household Cavalry Mounted Regiment: Strenge Anforderungen an die „Cavalry Blacks“
Das in den Hyde Park Barracks in London stationierte Household Cavalry Mounted Regiment stellt die berittene Leibgarde des britischen Königs und ist bei Staatsanlässen präsent. Auch bei Trooping the Colour, der traditionellen, jährlichen Militärparade in London, die den offiziellen Geburtstag des britischen Monarchen feiert, sind die Tiere zu sehen.
Jeder Reiter ist zugleich ausgebildeter Einsatzsoldat. Rund 235 tiefschwarze Pferde, die sogenannten Cavalry Blacks, versehen dort ihren Dienst – eine Tradition, die auf König Karl II. zurückgeht. Ausnahmen bilden die Schimmel der Trompeter sowie die großen Paukenpferde, die die silbernen Kesselpauken tragen.
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Um Reiter in voller Montur samt Panzerung tragen zu können, müssen die Tiere ein Stockmaß von mindestens 1,68 Meter aufweisen. Für diesen Dienst sucht das Regiment regelmäßig in ganz Europa nach geeigneten Warmblütern – auch mit Moritzburg als traditioneller Anlaufstelle.
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