Innensenator Ehrhart Körting hat auf einer Koalitionsrunde von SPD und Linkspartei zugesagt, er werde den Fall der in die Türkei abgeschobenen Kurdin Nasima El-Zein in den nächsten Tagen prüfen. Er warte derzeit noch auf konkrete Angaben zu ihren Lebensumständen vom türkischen Generalkonsulat. Wenn der 21-Jährigen in der Türkei keine Zwangsheirat drohe, ändere sich nichts an ihrer Ausweisung; bewahrheite sich aber die Gefahr, dann "werde er sehen, welche Möglichkeiten es gibt, der Frau zu helfen", sagte seine Pressesprecherin Nicola Rothermel.Laut Evrim Baba vom Fraktionsvorstand der Linkspartei, die das Thema am Mittwoch in der Sitzung ansprach, hat der Innensenator sogar die Möglichkeit erwähnt, Nasima El-Zein nach Berlin zurückzuholen. Von deren Cousin Osman Tekin war am Donnerstag zu erfahren, dass der Vater sie weiterhin gegen ihren Willen verheiraten wolle. "Nasima hatte nach Tagen wieder eine Möglichkeit, mit uns zu telefonieren", berichtet er. "Sie sagte, der Vater schlage sie jeden Tag." Zwar sei der erste Heiratskandidat wegen "zu hoher Brautpreisforderung" wieder abgesprungen, der Vater habe aber einen neuen Kandidaten gefunden.Nasima El-Zein wurde auf Körtings Weisung im März zu ihrem Vater nach Iskenderun in der Südtürkei abgeschoben, obwohl sich die Härtefallkommission für ein Bleiberecht ausgesprochen hatte. Die Abschiebung erfolgte, weil der kurdisch-libanesische Vater falsche Angaben über seine Herkunft machte, als er 1993 als Bürgerkriegsflüchtling Asyl in Berlin beantragte.Doch Nasima El-Zein ist weder Türkin noch spricht sie Türkisch, sondern Deutsch und Arabisch. Nun lebt sie in der Hütte ihrer Großmutter in einem ihr fremden Land, überwacht von ihrem offenbar spielsüchtigen Vater, der die Familie vor drei Jahren verließ und in die Türkei ging. Die Fraktionen der Grünen und der Linkspartei haben den Innensenator aufgefordert, der Frau die Rückkehr zu ermöglichen. Der Fall wird in der kommenden Woche das Abgeordnetenhaus in einer Aktuellen Stunde beschäftigen.Der Berliner Flüchtlingsrat und der Neuköllner Jugendtreffpunkt Manege, wo Nasima El-Zein ehrenamtlich Migrantenkindern bei den Hausaufgaben half, wollen nun eine Unterschriftensammlung für ihre Rückkehr starten. Auch Nasimas Mutter und den meisten Geschwistern droht nach wie vor die Abschiebung in die Türkei. Dazu sagte Innensenator Körting in der Koalitionsrunde, bis zur Klärung des Sachverhalts werde es keine weitere Abschiebung geben. Überraschend hat die Ausländerbehörde Nasimas Schwester Meryem El-Zein kurz darauf eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr in Aussicht gestellt.
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