KOMMUNALWAHL - 2,1 Millionen Brandenburger konnten am Sonntag über ihre Volksvertretungen auf lokaler und Kreisebene abstimmen. Die Wahlbeteiligung war äußerst niedrig.

CDU erobert die Stadt Brandenburg

Martin Klesmann
3 Min

BRANDENBURG/HAVEL. Das Ergebnis der Oberbürgermeister-Wahl in Brandenburg/Havel, der drittgrößten Stadt des Landes, scheint symptomatisch für das ganze Land: 13 Jahre lang stellten die Sozialdemokraten hier den Oberbürgermeister. Doch nun zog die CDU-Kandidatin, die Unternehmerin Dietlind Tiemann, mit 48,3 Prozent der Stimmen davon und verfehlte damit nur knapp die absolute Mehrheit. Bisher galt die Stadt als SPD-Hochburg, doch der durchaus populäre Interims-Bürgermeister Norbert Langerwisch von der SPD landete mit 32,3 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei.Ein Trend, der landesweit so oder ähnlich zu verzeichnen war: Die CDU holte gegenüber der SPD in den Kreisen und in vielen Kommunen zumindest stark auf und überflügelte sie vielerorts sogar. In Brandenburg/Havel musste auch PDS-Kandidatin Petra Faderl mit 10,9 Prozent dramatische Stimmeneinbußen im Vergleich zu ihrer vorjährigen Kandidatur hinnehmen. Die übrigen drei Kandidaten kamen nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Nur 47,8 Prozent der 64 007 Wahlberechtigten nahmen an der OB-Wahl teil. Am 16. November wird es nun zu einer Stichwahl zwischen Tiemann und Langerwisch kommen. Die erfolglose PDS-Kandidatin Petra Faderl erklärte bereits, dass sie dazu keine Wahlempfehlung abgeben werde. "Die Brandenburger wollen einen Wechsel", konstatierte eine von ihrem klaren Erfolg überraschte Dietlind Tiemann. Eine große Gruppe der örtlichen Jungen Union hatte gemeinsam mit CDU-Landesvize und Justizministerin Barbara Richstein das RBB-Wahlstudio geentert. Die CDU zeigte sich selbstbewusst. "Ich höre landesweit nur Gutes", so Richstein.SPD-Kandidat Langerwisch räumte seine Niederlage ein. "Das hier sollte eine Persönlichkeitswahl werden", sagte er. "Nun sind wir dem Bundestrend zum Opfer gefallen." Sein Parteichef, Ministerpräsident Matthias Platzeck, sowie Sozialminister Günter Baaske, waren aus Potsdam herbeigeeilt, um ihm den Rücken zu stärken. Platzeck, sichtlich angeschlagen, umarmte ihn wortlos. Bei den Sozialdemokraten in der Gaststätte "Split" schaute er nicht vorbei. Dort saßen Parteisprecher Klaus Schomann und seine Genossen unter Zimmerpalmen beim Frustbier. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Margrit Spielmann schaute nur kurz vorbei. Das reinste Kontrastprogramm bot sich in der schicken Loft-Anlage "Heinrichsmühle" beim Dom. Hier war punkt 19 Uhr eine anonyme Bombendrohung eingegangen, so dass alle Anwesenden der CDU-Party für eine Viertelstunde das Gebäude räumen mussten. Doch niemand ließ sich davon nachhaltig beeindrucken. Inmitten ausgelassener Jungwähler feierte Parteichef und Innenminister Jörg Schönbohm den unverhofft klaren Sieg. Zur Feier des Tages schnitt er eigenhändig eine Nusstorte an.Die Oberbürgermeisterwahl war nötig geworden, weil der erst 2002 ins Amt gewählte Helmut Schmidt (SPD) im August krankheitsbedingt aufgeben musste. Im ersten Wahlgang der OB-Wahl vom März 2002 hatte Dietlind Tiemann (CDU) 39 Prozent der Stimmen erzielt, Helmut Schmidt (SPD) 32 Prozent und Petra Faderl (PDS) 29 Prozent.BLZ/RITA BÖTTCHER Die CDU-Kandidatin bekam mit Abstand die meisten Stimmen.

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