Konfuzius-Institute

China im Visier: Hegseth meldet Zerschlagung von 80 „Propagandazellen“ an US-Unis

Das Pentagon meldet Dutzende beendete Hochschulkooperationen und erhebt schwere Spionagevorwürfe. Recherchen amerikanischer Medien zeichnen allerdings ein differenzierteres Bild.

5 Min
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth

© Jacquelyn Martin/AP

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat die von China finanzierten Konfuzius-Institute an amerikanischen Hochschulen als Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten eingestuft. Zugleich erhebt er schwere Vorwürfe gegen Einrichtungen, die nach früheren Beschränkungen unter neuen Namen aufgetaucht sein sollen.

In einem am Freitag veröffentlichten Video sprach Hegseth von 80 chinesischen „Propagandazellen“ an 30 amerikanischen Universitäten. Diese hätten unter anderen Namen und mit veränderten Satzungen ihre Tätigkeit fortgesetzt. Ihr Ziel sei es gewesen, geistiges Eigentum zu stehlen und amerikanische Studenten politisch zu beeinflussen.

Das Pentagon habe in den vergangenen zwei Monaten jede einzelne dieser Organisationen „systematisch zerschlagen“, erklärte Hegseth laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Unabhängige Belege für die behaupteten Spionageaktivitäten oder eine vollständige Auflösung der Einrichtungen wurden mit der Ankündigung nicht veröffentlicht. Die chinesische Botschaft in Washington reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Reuters.

Pentagon überprüft 30 US-Universitäten und beendet mehr als 80 Kooperationen

Hinter Hegseths Ankündigung steht eine bereits im August gestartete Untersuchung amerikanischer Hochschulen. Damals hatte das Pentagon 30 Universitäten aufgefordert, ihre Beziehungen zu ausländischen Einrichtungen zu überprüfen, die von den US-Behörden als mögliche Sicherheitsrisiken eingestuft werden.

Im Mittelpunkt standen vor allem chinesische Forschungsorganisationen sowie Einrichtungen, die nach Einschätzung der US-Regierung mit neu organisierten Konfuzius-Instituten in Verbindung stehen könnten.

Am 19. Oktober erklärte das Verteidigungsministerium die Untersuchungen für abgeschlossen. Laut einer offiziellen Mitteilung des Pentagons führten die Überprüfungen an den 30 Universitäten zu mehr als 80 Maßnahmen im Zusammenhang mit der Beendigung von Kooperationen.

Dabei handelte es sich nicht ausschließlich um Verbindungen zu nachweislich problematischen Organisationen. Das Ministerium räumte ein, dass darunter auch vorsorglich beendete Partnerschaften mit Einrichtungen waren, die nicht auf der einschlägigen amerikanischen Sicherheitsliste standen.

Ob diese mehr als 80 Maßnahmen mit den von Hegseth genannten 80 angeblichen Propagandazellen identisch sind, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor. Die Untersuchungen betrafen Hochschulkooperationen insgesamt und nicht ausschließlich Konfuzius-Institute.

Hochschulen widersprechen dem Pentagon: Keine sensible Forschung betroffen

Die Darstellung des Verteidigungsministeriums wird durch Recherchen der Washington Post zumindest teilweise infrage gestellt. Die Zeitung untersuchte Unterlagen und Stellungnahmen von 17 der betroffenen Universitäten.

Demnach hatten mehrere Hochschulen bereits vor der Aufforderung des Pentagons beschlossen, bestimmte Partnerschaften zu beenden. Andere erklärten, dass ihre Kooperationen mit chinesischen Einrichtungen weder militärisch sensible Forschung noch geschützte Technologien beträfen.

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An der Oklahoma State University ging es beispielsweise um zwei Vereinbarungen mit der chinesischen Fudan-Universität: ein Studienprogramm im Hotel- und Tourismusmanagement sowie einen Studentenaustausch.

Die Hochschule erklärte nach Angaben der Washington Post, sie habe beide Programme überprüft und sehe keine Gefahr, dass sensible, exportkontrollierte oder vom Pentagon finanzierte Forschung offengelegt werde. Dennoch entschied sie sich, die Zusammenarbeit vorsorglich zu beenden.

Auch die University of North Carolina kündigte ein Austauschprogramm mit der Fudan-Universität, obwohl dieses nach eigenen Angaben keinerlei Verbindung zu sensibler Forschung hatte.

Andere Einrichtungen widersetzten sich dem Druck. Die Drake University im Bundesstaat Iowa verteidigte ein gemeinsames Studienprogramm mit der Qingdao-Universität in China, an dem knapp 500 Studenten teilnehmen. Die chinesische Partnerhochschule stehe nicht auf der amerikanischen Sicherheitsliste, erklärte die Universität.

Konfuzius-Institute in den USA bereits weitgehend geschlossen

Die Konfuzius-Institute wurden seit 2004 international aufgebaut. Sie bieten chinesischen Sprachunterricht, kulturelle Veranstaltungen und Bildungsprogramme an. Finanziell und organisatorisch sind sie mit chinesischen staatlichen Einrichtungen verbunden.

Amerikanische Politiker und Sicherheitsexperten werfen den Instituten seit Jahren vor, Einfluss auf Lehrinhalte und Hochschulen auszuüben. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen mögliche Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit und die politische Kontrolle durch chinesische Institutionen.

In den Vereinigten Staaten wurden die Institute bereits vor Hegseths jüngster Ankündigung massiv zurückgedrängt.

Nach einer Untersuchung des US-Rechnungshofs GAO vom Oktober 2023 sank ihre Zahl zwischen 2019 und 2023 von rund 100 auf weniger als fünf. Zahlreiche Universitäten schlossen ihre Einrichtungen, weil sie andernfalls den Verlust staatlicher Fördermittel befürchteten.

Einige Hochschulen bemühten sich anschließend um alternative Angebote für chinesischen Sprachunterricht und kulturellen Austausch.

Auch in Deutschland gibt es noch 19 Konfuzius-Institute

Die Debatte betrifft auch Deutschland. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage im Bundestag vom 27. Januar 2026 gibt es bundesweit 19 Konfuzius-Institute. Dazu gehören Einrichtungen in Berlin, Hamburg, München, Leipzig, Freiburg und Heidelberg.

Die Institute sind unterschiedlich organisiert. Einige unterhalten direkte Verbindungen zu Hochschulen, andere arbeiten als eigenständige Vereine oder Gesellschaften. Nach Angaben der Bundesregierung werden sie überwiegend von chinesischer Seite finanziert, insbesondere über die staatlich kontrollierte Chinese International Education Foundation.

Die Bundesregierung bestätigt zudem, dass die Konfuzius-Institute weiterhin an staatliche Strukturen in China angebunden sind. Sie verfolgt mögliche Einflussnahmen auf deutsche Hochschulen nach eigenen Angaben genau.

In der Antwort heißt es, eine Reihe deutscher Hochschulen habe die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren beendet, auslaufen lassen oder verändert, um mögliche Abhängigkeiten zu vermeiden. Die Bundesregierung dokumentiere allerdings keine konkreten Fälle, in denen solche Kooperationen ausdrücklich aus Gründen der Wissenschaftsfreiheit, Meinungsfreiheit oder Sicherheit beendet worden seien.

Ein generelles Verbot der Institute gibt es in Deutschland nicht. Die Bundesregierung setzt auf die Prüfung einzelner Kooperationen und verweist auf ihre China-Strategie, die den Schutz der Wissenschaftsfreiheit betont.

Mit der neuen Sicherheitseinstufung verschärft die US-Regierung ihren Kurs gegenüber chinesisch finanzierten Bildungseinrichtungen. Ein pauschales neues Verbot aller Konfuzius-Institute ergibt sich aus Hegseths Ankündigung jedoch nicht.

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