USA

„Brennende Kirchtürme“: Trump warnt vor Amerikas Untergang

Vor den US-Zwischenwahlen warnt Donald Trump vor Wirtschaftskrise und Unruhen. Laut einem Medienbericht fürchten seine Berater im Weißen Haus eine Abrechnung nach Wahlverlusten.

4 Min
US-Präsident Donald Trump spricht zu Reportern im Weißen Haus.

US-Präsident Donald Trump spricht zu Reportern im Weißen Haus.

© Abacapress/imago

US-Präsident Donald Trump warnt zwei Wochen vor den Kongresswahlen vor dramatischen Folgen eines Sieges der Demokraten. Bei Wahlkampfauftritten spricht er von einer neuen Weltwirtschaftskrise, brennenden Kirchen und dem möglichen Ende der westlichen Zivilisation. Gleichzeitig wächst in seiner eigenen Regierung die Sorge vor einer Niederlage der Republikaner. Nach Recherchen des US-Senders CNN befürchten mehrere Berater, Trump könnte nach erheblichen Wahlverlusten Mitarbeiter entlassen und Verantwortliche für das Ergebnis suchen.

Im Weißen Haus haben die Befürchtungen bereits zu gegenseitigen Schuldzuweisungen geführt. Regierungsmitarbeiter und Trump-Vertraute berichteten CNN von Rivalitäten und Misstrauen innerhalb des Beraterstabs.

„Es ist brutaler als jede andere Situation im Weißen Haus in der jüngeren Geschichte“, sagte ein Trump-Vertrauter. „Hier kann man niemandem trauen.“

Auch Reuters berichtete über Trumps zunehmende Unzufriedenheit mit der Wahlkampfstrategie seiner Partei.

Trump beschwört brennende Kirchen und Unruhen wie in Frankreich

Besonders drastisch äußerte sich Trump am Montag bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Kansas. Dort verglich er die jüngsten Ausschreitungen in Frankreich mit den angeblichen Plänen der Demokraten.

„Wenn ihr brennende Kirchtürme und lodernde Feuer in Frankreich seht, denkt daran: Genau das wollen die radikalen Demokraten Amerika antun“, erklärte Trump laut dem Originaltranskript seiner Rede.

Der Präsident machte Einwanderer für die französischen Ausschreitungen verantwortlich und behauptete, seine politischen Gegner wollten die westliche Zivilisation zerstören. Die Demokraten verspottete er als „Dumocrats“, ein Wortspiel aus Democrats und dem englischen Wort dumb für dumm.

Für Trumps Darstellung gibt es jedoch keine Belege. Ein Faktencheck der Nachrichtenagentur AP ergab, dass die französischen Behörden die Ausschreitungen zumindest offiziell nicht bestimmten Einwanderergruppen zuordneten. Auch gezielte Angriffe auf Kirchen wurden nicht festgestellt. Bei den Protesten war unter anderem das Rathaus von Limoges in Brand geraten.

„Wirtschaftskrise wie 1929“: Trump verschärft Warnungen vor den Midterms

Auch wirtschaftlich sagt Trump eine Katastrophe voraus. „Wenn die Demokraten gewinnen, werdet ihr eine Wirtschaftskrise wie 1929 erleben“, erklärte er am Samstag bei einer Kundgebung in Tennessee. „Ich hoffe, dass ich mich irre.“

Über die Rede berichtete das Nachrichtenportal Axios. Der Vergleich bezieht sich auf den Beginn der Weltwirtschaftskrise, in deren Verlauf die Arbeitslosigkeit in den USA auf rund 25 Prozent stieg.

Trump behauptet außerdem, die Demokraten wollten den Amerikanern ihre Schusswaffen wegnehmen, landwirtschaftliche Betriebe zerstören und die Einwanderungskontrollen abschaffen. Belege für diese pauschalen Vorwürfe nennt er nicht.

Zugleich lockt der Präsident mit einem finanziellen Versprechen: Sollten die Republikaner ihre Mehrheiten im Kongress verteidigen, wolle er jedem erwachsenen US-Bürger 5000 US-Dollar auszahlen. Nach Berechnungen von Axios würde das mehr als eine Billion US-Dollar kosten. Eine Finanzierung ist nicht beschlossen.

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Bericht: Trump-Berater fürchten Entlassungen nach der Wahl

Während Trump seine Gegner attackiert, wächst nach Medienberichten im Weißen Haus die Angst vor personellen Konsequenzen.

„Wenn wir sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat verlieren, kann niemand sagen, was passiert“, erklärte ein Berater gegenüber CNN. „Jeder könnte betroffen sein.“

Die internen Auseinandersetzungen betreffen unter anderem Stabschefin Susie Wiles sowie die politischen Berater James Blair und Chris LaCivita. In ihrem Umfeld wird nach CNN-Informationen darüber gestritten, wer für mögliche Wahlverluste verantwortlich wäre.

Trump selbst soll zunehmend unzufrieden sein. Nach Informationen von Reuters kritisierte er die Ausgaben seines Wahlkampfkomitees MAGA Inc. Trotz rund 200 Millionen US-Dollar an Wahlkampfausgaben hätten sich die Umfragewerte republikanischer Kandidaten in entscheidenden Wahlkreisen kaum verbessert.

Auch über mögliche Veränderungen im Kabinett wird nach CNN-Angaben spekuliert. Eine Entscheidung über Entlassungen nach der Wahl hat Trump bislang allerdings nicht angekündigt.

Das Weiße Haus weist die Darstellung schwerer interner Konflikte zurück. Sprecher Davis Ingle sprach gegenüber CNN von „unbegründeten Spekulationen“. Der Präsident konzentriere sich darauf, die republikanischen Mehrheiten zu verteidigen.

Auch Stabschefin Wiles stärkte Trump demonstrativ den Rücken. Einen Austausch seiner wichtigsten Mitarbeiterin schloss er ausdrücklich aus.

Nur noch 31 Prozent Zustimmung für Trump

Die Sorge vor Verlusten hat einen konkreten Hintergrund. In einer aktuellen Reuters/Ipsos-Umfrage unterstützen nur noch 31 Prozent der Befragten Trumps Amtsführung.

Besonders die hohen Lebenshaltungskosten belasten seine Regierung. Seit dem Beginn der gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar sind auch die Benzinpreise erheblich gestiegen.

Die Republikaner verfügen derzeit über knappe Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. Verlieren sie das Repräsentantenhaus, könnten die Demokraten Gesetzesvorhaben blockieren und parlamentarische Untersuchungen gegen Trumps Regierung einleiten.

Am 3. November entscheiden die Amerikaner über die Zusammensetzung des Kongresses. Trump versucht bis dahin, seine Anhänger mit drastischen Warnungen zu mobilisieren. In Teilen seines Beraterstabs beschäftigt man sich nach den CNN-Recherchen dagegen bereits mit der Frage, wer für eine Niederlage verantwortlich gemacht werden könnte.

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