Die EU-Kommission hat nach einem Bericht von Bloomberg eine zügige kartellrechtliche Freigabe für den geplanten Zusammenschluss der Raumfahrtgeschäfte von Airbus, Leonardo und Thales ins Auge gefasst. Das Gemeinschaftsunternehmen soll Europas Position gegenüber internationalen Anbietern wie Elon Musks SpaceX stärken.
In intensiven Vorgesprächen seien mögliche Wettbewerbsprobleme identifiziert und Lösungen erörtert worden, berichtete die Nachrichtenagentur am Donnerstag unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die Unternehmen dürften das Vorhaben in den kommenden Wochen offiziell zur Prüfung anmelden.
Eine Genehmigung liegt bislang nicht vor. Die EU-Kommission, Airbus und Leonardo wollten sich gegenüber Bloomberg nicht äußern. Thales antwortete zunächst nicht.
Neuer Raumfahrtkonzern mit 25.000 Beschäftigten
Die drei Unternehmen hatten das unter dem Namen „Project Bromo“ bekannte Vorhaben bereits im Oktober 2025 in einer gemeinsamen Mitteilung vorgestellt. Die neue Gesellschaft soll rund 25.000 Menschen beschäftigen. Auf Basis der Zahlen von 2024 käme sie rechnerisch auf einen Jahresumsatz von etwa 6,5 Milliarden Euro.
Airbus soll 35 Prozent halten, Leonardo und Thales jeweils 32,5 Prozent. Der Betriebsstart wird für 2027 angestrebt. Gebündelt werden sollen Satellitenbau, Weltraumsysteme und zugehörige Dienstleistungen.
Trägerraketen sind ausdrücklich ausgenommen. Bromo würde deshalb vor allem im Satellitengeschäft ein Gegengewicht zu SpaceX bilden. Der US-Konzern betreibt das Kommunikationsnetz Starlink und verfügt zusätzlich über ein eigenes Raketengeschäft.
Politische Unterstützung ersetzt keine Prüfung
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte Bromo laut Bloomberg im September als Beispiel für einen europäischen Industriekonzern, den Europa für die künftige Weltraumwirtschaft brauche. Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera betonte jedoch, diese Unterstützung bedeute keinen Verzicht auf die Anwendung der geltenden Regeln.
Eine schnelle Freigabe könnte eine Entscheidung bereits nach der ersten Prüfphase bedeuten. Dafür könnten Zugeständnisse der Unternehmen nötig werden, etwa der Verkauf einzelner Aktivitäten. Bleiben erhebliche Wettbewerbsbedenken, kann die Kommission eine vertiefte Untersuchung einleiten.
Die Konzerne argumentieren, sie benötigten mehr Größe, um international bestehen zu können. Airbus-Chef Guillaume Faury warb zuletzt vor französischen Parlamentariern für das Vorhaben, wie der auf Wettbewerbsrecht spezialisierte Dienst MLex berichtete.
Der deutsche Satellitenhersteller OHB sieht die Fusion kritisch. Vorstandschef Marco Fuchs sagte Reuters im Mai, der Zusammenschluss könne die Lieferkette seines Unternehmens beeinträchtigen. Bei einer EU-Genehmigung erwäge OHB rechtliche Schritte.
Ukraine beklagt Einschränkungen bei Satellitentechnik
Die Abhängigkeit von amerikanischer Satellitentechnik ist zuletzt in der Ukraine zum Streitpunkt geworden. Nach ukrainischen Angaben funktionierten militärisch genutzte Terminals auf schnell bewegten Drohnen Anfang der Woche nur eingeschränkt. Die Probleme fielen in den Konflikt mit Washington über ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien.
Präsident Wolodymyr Selenskyj vermutete eine politische Entscheidung. Musk verwies dabei auf Starshield-Systeme, die der US-Regierung gehörten. Über deren Nutzungsgrenzen entscheide letztlich Washington.
Großbritannien meldete eine Wiederherstellung des Dienstes. Ukrainische Angaben deuteten jedoch auf verbleibende Geschwindigkeitsgrenzen hin, die Drohneneinsätze behinderten. Wer die Einschränkungen veranlasst hatte, blieb ungeklärt.
Starlink-Bremse für Selenskyj: Trumps letzte Warnung?
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