2,9 Prozent – bei diesem Wert soll der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2027 bleiben. Die Krankenkassenbeiträge steigen damit rechnerisch nicht, für viele Versicherte wird es trotzdem spürbar teurer.
Zum 1. Januar 2027 klettern die gesetzlichen Zuzahlungen auf einen Schlag um 50 Prozent, beim Zahnersatz schrumpft der Zuschuss.
Warum nennt die Verbraucherzentrale den stabilen Satz „Augenwischerei“?
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, wird deutlich:
„Der stabile Beitragssatz ist Augenwischerei. Auch wenn der Zusatzbeitragssatz für viele Versicherte nicht unmittelbar steigt, kommen dennoch erhebliche Mehrkosten auf sie zu. Ab 2027 erhöhen sich die Zuzahlungen beispielsweise für Medikamente und Krankenhausaufenthalte auf einen Schlag um 50 Prozent. Das belastet insbesondere chronisch kranke Menschen zusätzlich. Gleichzeitig werden die Zuschüsse zum Zahnersatz gekürzt und für die Familienversicherung fallen erstmals Kosten an.“
Ramona Pop, Verbraucherzantrale Bundesverband
Ihre Kritik zielt auf die Finanzierung: „Die Kosten für versicherungsfremde Leistungen gehören vollständig in den Bundeshaushalt und dürfen nicht von den Versicherten finanziert werden.“
Warum kostet der Arztbesuch ab Januar 2027 mehr?
Die gesetzlichen Zuzahlungen steigen einmalig um 50 Prozent. Bei Medikamenten verschiebt sich der Rahmen grundsätzlich von 5 bis 10 Euro auf 7,50 bis 15 Euro.
Ein Tag im Krankenhaus kostet Sie künftig 15 statt zehn Euro. Wer häufig Rezepte einlöst oder länger stationär behandelt wird, merkt das im Monatsbudget sofort.
Sind die Krankenkassenbeiträge Ihrer Kasse damit sicher?
Nein. Die 2,9 Prozent sind ein rechnerischer Durchschnittswert aus der Prognose des Schätzerkreises, keine Garantie. Jede Kasse legt ihren Zusatzbeitrag anhand der eigenen Finanzlage selbst fest.
Der Blick zurück zeigt, wie groß die Lücke sein kann: 2026 lag der tatsächlich erhobene Durchschnitt bei rund 3,13 Prozent – deutlich über der amtlichen Rechengröße. Kassenvertreter halten auch für 2027 einen realen Wert von mindestens etwa 3,1 Prozent für möglich.
Wie viel verlieren Sie beim Zahnersatz?
Die Festzuschüsse zum Zahnersatz werden um zehn Prozent reduziert und damit auf das Niveau vor Oktober 2020 zurückgeführt. Ihr Eigenanteil kann entsprechend steigen – bei einer Krone oder Brücke geht es schnell um dreistellige Beträge.
Trifft es chronisch Kranke besonders hart?
Pop warnt: „Das belastet insbesondere chronisch kranke Menschen zusätzlich.“ Allerdings bleiben die Belastungsgrenzen bestehen: grundsätzlich zwei Prozent des jährlichen Haushaltsbruttoeinkommens, bei schwerwiegend chronisch Kranken ein Prozent. Wer diese Grenze erreicht, kann sich von weiteren Zuzahlungen befreien lassen.
Zahlen Gutverdiener 2027 mehr Krankenkassenbeiträge?
Die Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung soll von 69.750 auf 76.500 Euro im Jahr steigen, also auf 6.375 Euro im Monat. Endgültig ist das noch nicht: Der Bundesrat muss der Verordnung zustimmen.
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Für Beschäftigte mit einem Bruttoeinkommen oberhalb der bisherigen Grenze bedeutet das eine zusätzliche Mehrbelastung – obwohl der Prozentsatz unverändert bleibt.
Und die Familienversicherung?
Ein Zuschlag von 2,5 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen ist für bestimmte bislang beitragsfrei mitversicherte Ehe- und Lebenspartner beschlossen.
Er soll nach den parlamentarischen Unterlagen aber erst ab 2028 greifen. Kinder bleiben beitragsfrei mitversichert.
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