Ukraine-Krieg

Krim zunehmend isoliert: Ukraine greift Nachschubwege an – Selenskyj telefoniert mit Trumps Gesandten

Kiew setzt seine Angriffe auf die Krim fort und trifft eine strategisch wichtige Brücke. Gleichzeitig spricht Selenskyj von Fortschritten bei neuen diplomatischen Kontakten mit Washington.

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Ermittler auf der Tschonhar-Brücke (Archivbild)

Ermittler auf der Tschonhar-Brücke (Archivbild)

© Imago

Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim fort und nimmt dabei erneut wichtige Nachschubwege ins Visier. Nach Angaben des russischen Besatzungschefs im Gebiet Cherson, Wladimir Saldo, wurde die strategisch bedeutende Brücke von Tschonhar in der Nacht zum Dienstag durch Drohnenangriffe beschädigt. Es war bereits die zweite Nacht in Folge, in der die wichtige Verbindung getroffen wurde.

Saldo erklärte auf Telegram, die Brücke sei für den Verkehr gesperrt worden. Autofahrer müssten auf die deutlich längere Route über Perekop ausweichen. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Die Angriffe sind Teil einer seit Wochen laufenden ukrainischen Kampagne gegen die Logistikverbindungen zur Krim. Die Halbinsel dient Russland als wichtiger Militärstützpunkt für Luftangriffe auf ukrainisches Gebiet sowie als Versorgungsdrehscheibe für Truppen im Süden des Landes. Für Moskau hat die Sicherung der Nachschubwege deshalb hohe strategische Bedeutung.

Neben der Verbindung über Tschonhar verfügt die Krim nur über wenige größere Landverbindungen nach Russland. Die Brücke von Kertsch gilt nach mehreren ukrainischen Angriffen als besonders verwundbar. Zugleich melden russische Behörden immer wieder Angriffe auf Straßen- und Versorgungsrouten entlang des Asowschen Meeres. Auch aus Sewastopol auf der Krim wurden in der Nacht Drohnenangriffe gemeldet. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew erklärte, die Luftabwehr sei im Einsatz gewesen. Angaben zu Schäden oder Opfern machte er zunächst nicht.

Selenskyj wirbt für direkte Gespräche mit Putin

Die Angriffe erfolgen in einer Phase neuer diplomatischer Bemühungen. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in der vergangenen Woche direkte Gespräche mit Kremlchef Wladimir Putin vorgeschlagen und dabei eine aktive Beteiligung Europas und der USA gefordert. Unterstützung erhielt Selenskyj bei Gesprächen in London mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz. Die drei Regierungschefs signalisierten Bereitschaft, mögliche Verhandlungen über eine Waffenruhe zu unterstützen.

Der ukrainische Präsident berichtete zudem von einem „sehr positiven Gespräch“ mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Die Vertreter von US-Präsident Donald Trump hätten ihre Bereitschaft signalisiert, in den kommenden Wochen neue diplomatische Initiativen voranzutreiben, erklärte Selenskyj.

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Russische Angriffe fordern erneut Todesopfer

Während die diplomatischen Kontakte intensiviert werden, gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Nach Angaben ukrainischer Behörden wurden bei russischen Angriffen in der Region Charkiw mindestens vier Menschen getötet und mehr als 20 weitere verletzt. Besonders schwer getroffen wurde die Stadt Tschuhujiw nordöstlich von Charkiw. Gouverneur Oleh Synjehubow teilte mit, unter den Todesopfern seien zwei Frauen im Alter von 22 und 70 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 56 und 70 Jahren. Bilder zeigten ein brennendes und schwer beschädigtes Wohnhaus.

Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Russland habe in der Nacht insgesamt 168 Drohnen und Raketen eingesetzt. 148 davon seien abgefangen worden. Reuters konnte die Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Russland droht erneut mit nuklearer Abschreckung

Parallel verschärfte Moskau erneut den Ton gegenüber dem Westen. Der russische Vizeaußenminister Michail Galusin warf der Nato vor, ihre Präsenz nahe der russischen und belarussischen Grenze auszubauen.

Russland und Belarus befänden sich in ständiger Bereitschaft, „alle Mittel einschließlich nuklearer Mittel“ einzusetzen, um die Sicherheit ihres Staatenbundes zu gewährleisten, sagte Galusin der Zeitung Iswestija.

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