BERLIN, 8. Juni. Eine unionsgeführte Bundesregierung will im Falle eines Wahlsieges eine Kehrtwende in der Energiepolitik einleiten. CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel kündigte an, dass die Union die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern, die Klimaschutzziele von Kyoto überarbeiten und den Ausbau von Ökostrom bremsen wolle. "Es wird etliche Kurskorrekturen geben, falls wir das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen", betonte Merkel am Mittwoch auf einem Kongress in Berlin.Unter anderem will Merkel der Atomindustrie ein Angebot für längere Laufzeiten machen. Im Gespräch sind in der Union Zeiträume von acht bis zwanzig Jahren. Dass in Deutschland bald neue Meiler gebaut würden, sehe sie allerdings nicht, sagte Merkel. Beim Klimaschutz kündigte sie Änderungen der rot-grünen Pläne zur Reduktion von Treibhausgasen über den Emissionshandel an. Der Klimaschutz müsse dort forciert werden, wo die Probleme am größten seien. So müssten die Schwellenländer und die USA besser einbezogen werden.Ferner stellte Merkel klar, dass sie das rot-grüne Regierungsziel eines Anteils von 20 Prozent Ökostrom bis zum Jahr 2020 nicht mehr verfolgen werde. Ein zu starker Ausbau von Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Die Vize-Fraktionschefin der Union, Gerda Hasselfeldt, sagte der Berliner Zeitung, dass die Union das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis 2007 überprüfen und die Förderung überarbeiten werde. "Das könnte bedeuten, dass die Einspeisevergütungen schrittweise reduziert werden, bei differenzierter Betrachtung einzelner Elemente wie Wind und Biomasse", so Hasselfeldt.Kritik an den geplanten Kürzungen übte der Vorsitzende des Umweltarbeitskreises der CSU, Josef Göppel. "Ich würde mir wünschen, dass die Union die wirtschaftlichen Chancen und Innovationspotenziale von erneuerbaren Energien stärker zur Kenntnis nimmt", sagte Göppel dieser Zeitung. Besonders in Schwellenländern gebe es große Chancen für deutsche Unternehmen. Erneuerbare Energien seien keine "Spielwiesen", so Göppel.Politik Seite 6
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