Wer ab Donnerstag in Split ein Glas Wein bestellt, bekommt eine kleine Zeitreise gratis dazu. Restaurants und Cafés in Kroatien müssen ab dem 1. Oktober neben jedem Preis einen zweiten angeben: den vom 10. September 2026.
Bezahlt wird weiterhin nur der aktuelle Betrag. Die zweite Zahl dient dem Vergleich, die Kroaten nennen sie „sidrena cijena“, den Ankerpreis.
Ankerpreis in Kroatien: Warum ausgerechnet der 10. September?
Der Stichtag ist schlicht der Tag, an dem die Regierung in Zagreb die Regel beschlossen hat. Die kroatische Handwerkskammer HOK schrieb ihren Mitgliedern noch am selben Nachmittag: Der heutige Preis wird zum Anker.
Kaum ein Wirt ahnte an jenem Donnerstag, dass sein Cappuccino gerade amtlich wurde. Die meisten Händler hätten an dem Tag nichts notiert, stellt ein kroatisches Unternehmerportal fest. Jetzt wird rekonstruiert.
So sieht die Speisekarte ab Oktober aus
Der alte Preis gehört direkt neben jedes einzelne Gericht, ein loses Beiblatt ist unzulässig, wie kroatische Steuerberater erläutern. Das Wirtschaftsministerium empfiehlt laut dnevnik.hr eine schlichte Kennzeichnung wie „Preis am 10. 9. 2026“.
Hat sich nichts verändert, stehen zwei identische Zahlen nebeneinander. Auch das ist Pflicht. Neue Gerichte bekommen ihren Einführungspreis samt Datum.
Betroffen sind auch Friseure und Autowerkstätten. Für Lebensmittel im Supermarkt gilt dagegen weiter der Stichtag 2. Mai 2025.
Bis zu vier Preise auf einem Etikett
Im Handel kann es unübersichtlich werden. Đurđica Mostarčić von der Handwerkskammer rechnete ein reduziertes T-Shirt vor, wie das Portal Index.hr berichtet: Aktionspreis, alter Normalpreis, der niedrigste Preis der letzten 30 Tage und obendrauf der Ankerpreis.
Strafen bis 30.000 Euro für Wirte
Kontrollieren sollen staatliche Marktinspektoren. Unternehmen drohen laut dem Portal bis zu 30.000 Euro, selbstständigen Gewerbetreibenden bis zu 20.000 Euro. Wer eine eigene Website hat, muss dort zudem eine maschinenlesbare Preisliste veröffentlichen. Ein Instagram-Profil zählt nicht.
Die Handwerkskammer verlangte am 17. September die Abschaffung der Regel. Die Oppositionspartei Fokus verglich Premier Andrej Plenković sogar mit Tito und der Preiskontrolle im alten Jugoslawien.
Was Kroatien-Urlauber vom Ankerpreis haben
Weniger, als die Regierung verspricht. Der Anker liegt am Ende der Hochsaison, als die Sommerpreise längst auf der Karte standen. Verbraucherschützerin Tanja Popović Filipović hat den Eindruck, dass kräftig erhöht habe, wer das wollte, und zwar vorher.
Die Teuerung ist spürbar: Restaurants und Unterkünfte kosteten im August 6,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, meldet Trading Economics mit Verweis auf das kroatische Statistikamt.
Nützlich wird die zweite Zahl erst, wenn sie kleiner ist als die erste. Dann hat das Lokal mitten in der Nachsaison aufgeschlagen, und ein Blick zur Konkurrenz nebenan lohnt sich.
Und in Deutschland?
Hier gibt es keine vergleichbare Pflicht. Nur wer mit Rabatten wirbt, muss laut Preisangabenverordnung den niedrigsten Preis der vergangenen 30 Tage nennen, und das nur bei Waren. Das Schnitzel in der Berliner Eckkneipe darf also weiter ohne Vergangenheit auskommen.
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