Die USA verschärfen den wirtschaftlichen Druck auf Kuba und nehmen erstmals das Tourismusministerium des Landes ins Visier. Das Ministerium und neun weitere staatliche Einrichtungen und Organisationen wurden am Montag auf die Sanktionsliste des US-Finanzministeriums gesetzt. Damit werden mögliche Vermögenswerte der betroffenen Einrichtungen in den USA eingefroren. Amerikanischen Bürgern und Unternehmen sind Geschäfte mit ihnen grundsätzlich untersagt. Nach Angaben des US-Außenministeriums richten sich die Maßnahmen gegen „Finanzierungsquellen und Instrumente der Unterdrückung“ der kubanischen Regierung.
Neben dem Tourismusministerium wurden die Hafen- und Schifffahrtsholding Gemar, die Außenhandelsgesellschaft Gecomex sowie zwei staatliche Treibstoffhändler sanktioniert. Auf der Liste stehen außerdem die sogenannten Schnellen Eingreifbrigaden und die Territorialmilizen. Die regierungsnahen Gruppen wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wiederholt gegen Demonstranten eingesetzt.
Kuba beschließt größte Wirtschaftsreform seit Jahrzehnten – Banken, Immobilien und Tourismus werden geöffnet
Kuba im Dauer-Blackout: Wie die US-Sanktionspolitik den Alltag einer ganzen Insel lähmt
Kubas Tourismus bereits um 48 Prozent eingebrochen
Die Sanktionen treffen Kuba in einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Quellen für dringend benötigte Devisen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP ging die Zahl ausländischer Besucher in den ersten Monaten des Jahres 2026 jedoch um 48 Prozent zurück. Bloomberg berichtet, internationale Reisen nach Kuba seien auf einen historischen Tiefstand gefallen. Fehlender Treibstoff habe zur Schließung von Ferienanlagen, zur Streichung von Flugverbindungen und zum Rückzug ausländischer Hotelbetreiber geführt.
Der Rückzug ausländischer Unternehmen läuft bereits seit Monaten. Die spanische Hotelgruppe Meliá beendet ihre Tätigkeit in 15 ihrer 34 kubanischen Hotels, Iberostar zieht sich aus zwölf von 18 Häusern zurück. Auch die indonesische Kette Archipelago International und der kanadische Betreiber Royalton Hotels & Resorts haben ihren Rückzug angekündigt. Im Frachtverkehr stellten die deutsche Reederei Hapag-Lloyd und die französische CMA CGM ihre Lieferungen nach Kuba vorerst ein. Die Unternehmen verwiesen auf die verschärften US-Sanktionen oder die damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken.
Gleichzeitig verschärft sich die Energiekrise. Anfang Juli brach das kubanische Stromnetz nach Angaben von Reuters zum dritten Mal in diesem Jahr landesweit zusammen. Millionen Menschen waren zeitweise ohne Elektrizität. In mehreren Vierteln Havannas kam es daraufhin zu Protesten.
Kubas Außenminister Bruno Rodríguez bezeichnete die neuen Sanktionen als „kriminell und genozidal“. Washington wolle nicht allein die Regierung treffen, sondern die gesamte Bevölkerung bestrafen, erklärte er. Die USA machen dagegen die kommunistische Führung für den wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich und verlangen politische Reformen sowie die Freilassung politischer Gefangener.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]