Marktstichprobe

Stichprobe zeigt: Kioske in Halle verkaufen trotz Verbots Lachgas-Kartuschen

Das Lachgas-Verbot gilt seit April 2026. In Halle hält sich nicht jeder daran. Vier Kioske verkauften trotzdem Kilo-Kartuschen.

3 Min
Marktstichprobe der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt deckt auf: verschiedene Kioske in Halle (Saale) ignorieren das Verkaufsverbot für Lachgas-Großgebinde.

Marktstichprobe der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt deckt auf: verschiedene Kioske in Halle (Saale) ignorieren das Verkaufsverbot für Lachgas-Großgebinde.

© Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V.

Das Lachgas-Verkaufsverbot sollte den Handel mit gefährlichen Großgebinden stoppen – doch in Halle wird das offenbar weniger ernst genommen. Seit April 2026 dürfen Lachgasbehälter mit mehr als 8,4 Gramm Inhalt nicht mehr an Privatpersonen abgegeben werden. Eine Marktstichprobe der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt zeigt nun: Ein Teil der Verkaufsstellen kümmert sich nicht darum.

Bei einem nicht repräsentativen Test in 20 Spätis und Kiosken im Stadtgebiet fanden die Prüfer in vier Läden weiterhin Kartuschen mit einem Füllvolumen von einem oder zwei Kilogramm. In zwei Fällen lagen die verbotenen Großgebinde sogar offen in der Auslage. Für Verbraucher, insbesondere Jugendliche, ist das relevant – denn das Gas ist deutlich gefährlicher als sein harmloser Ruf.

Was die Stichprobe der Verbraucherzentrale zeigte

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt überprüfte im Sommer 2026 zwanzig Verkaufsstellen in Halle. Das Ergebnis bezeichnet sie selbst als alarmierend. In vier Läden waren die verbotenen Kilo-Kartuschen erhältlich. In zwei davon mussten die Tester nicht einmal nachfragen – die Ware stand offen im Regal.

Alexander Heinrich, Referent im Team Lebensmittel, ordnet den Befund deutlich ein: „Unsere Stichprobe zeigt, dass einige Betreiber die Gesundheitsgefahren für Verbraucher billigend in Kauf nehmen, um den eigenen Umsatz zu steigern.“ Die aufgedeckten Fälle seien nach Einschätzung der Verbraucherzentrale vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

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Warum Lachgas kein harmloser Partyspaß ist

Das Verbot reagiert auf einen stark gestiegenen Missbrauch von Lachgas als Rauschmittel. Mediziner schlagen dabei besonders laut Alarm.

Der Konsum kann das Vitamin B12 im Körper außer Kraft setzen. Die Folge sind dauerhafte Nervenschäden, vor allem am Rückenmark. Das kann sogar bis hin zu Lähmungen führen. Erste Warnzeichen sind Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen, Muskelschwäche und ein unsicherer Gang. Auch akut ist der Stoff riskant. Wer direkt aus der Kartusche inhaliert, kann bewusstlos werden und schwer stürzen. Laut Verbraucherzentrale häufen sich zudem Berichte aus Hessen und Nordrhein-Westfalen über Verkehrsunfälle mit teils schweren Personenschäden nach Lachgas-Konsum am Steuer.

Das neue Verkaufsverbot soll gezielt Jugendliche und junge Erwachsene schützen. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Diese Regeln gelten seit April 2026

  • Großgebinde verboten: Behälter mit mehr als 8,4 Gramm Lachgas dürfen nicht mehr an Privatpersonen abgegeben werden.
  • Mengenbegrenzung: Selbst bei den üblichen Schlagsahnekapseln (je 8,4 Gramm) sind pro Verkaufsvorgang höchstens zehn Stück erlaubt.
  • Schutz Minderjähriger: Abgabe an und Besitz durch Personen unter 18 Jahren sind vollständig untersagt.
  • Kein Online- und Automatenverkauf: Der Vertrieb über Internet und Automaten an private Endverbraucher ist verboten.

Die rechtliche Grundlage bildet das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG). Verstöße können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Bei gewerbsmäßigem Handel oder Abgabe an Minderjährige drohen sogar bis zu zehn Jahre Haft.

Was die Verbraucherzentrale von den Behörden fordert

Die Regeln nützen allerdings wenig, wenn niemand sie durchsetzt – das ist die zentrale Botschaft der Verbraucherzentrale. Sie ruft die zuständigen Vollzugsbehörden auf, ihrer Kontrollpflicht nachzukommen.

Konkret fordert sie regelmäßige und auch verdeckte Kontrollen im stationären Einzelhandel, insbesondere in Spätis und Kiosken. Verstöße sollen konsequent im Rahmen der gesetzlichen Strafen sanktioniert werden.

Bei wiederholten Verstößen bringt die Verbraucherzentrale härtere Konsequenzen ins Spiel – etwa Betriebsschließungen oder den Entzug der Gewerbeerlaubnis. Über die Ergebnisse der Stichprobe wurden die zuständigen Behörden vorab informiert.

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