Mieter und Beschäftigte der von der Pleite bedrohten Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) haben allen Grund zur Sorge. Nach der Krisensitzung des WBM-Aufsichtsrats von gestern ist klar, dass das mit 1,1 Milliarden Euro verschuldete landeseigene Unternehmen mit dem Verkauf von lediglich 3 000 Wohnungen nicht zu retten ist. Ihm droht die Insolvenz.Wie berichtet, hat der Senat am Dienstag beschlossen, vom bisherigen Sanierungskonzept der WBM abzuweichen und die geplanten Verkäufe zunächst auf 3 000 Wohnungen zu begrenzen. Nach dem bisherigen Sanierungskonzept hätten aber bis zu 15 700 Wohnungen verkauft werden müssen, damit das Unternehmen erhalten werden kann. Durch die von ihr geplanten Verkäufe will die WBM rund 700 Millionen Euro einnehmen, um ihre Schulden abzubauen. Würden dagegen nur 3 000 Wohnungen vermarktet, wie dies der Senat nun beschlossen hat, käme viel weniger Geld in die Kasse. Wie die Berliner Zeitung aus gut informierten Kreisen erfuhr, beschlossen die Mitglieder des WBM-Aufsichtsrats gestern, sich in einem Brief an den Senat dafür einzusetzen, dass dieser seine Entscheidung revidiert. Der Betriebsratsvorsitzende will sich in Kürze mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) treffen, um über die Zukunft der WBM zu beraten.Das Problem für die WBM besteht darin, dass ihr bisheriges Sanierungskonzept mit dem Senatsbeschluss praktisch hinfällig ist. In WBM-Kreisen heißt es, dass die Senatsentscheidung im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass das Wohnungsunternehmen innerhalb von drei Wochen Insolvenz anmelden muss. So beklagt denn auch die WBM-Geschäftsführung in einer Mitteilung an die Mitarbeiter vom Mittwoch, dass die Senatsentscheidung "aus wirtschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar" sei. Die Banken, die das bisherige Konzept mit dem Verkauf von bis zu 15 700 Wohnungen mitgetragen haben, hätten "mit großer Besorgnis auf die aktuellen Entscheidungen des Senats reagiert", so die Geschäftsführung in dem Schreiben. Bereits in den vergangenen Jahren habe die WBM zirka 13 000 Wohnungen in kleinen Tranchen verkauft. "Mit diesen kleinen Schritten wurde jedoch nie wirklich ein nachhaltiger positiver Effekt erreicht", beklagen die WBM-Geschäftsführer Lars Ernst und Horst Kortholt.Wenn der Senat seine Entscheidung nicht ändert, gibt es nach Lage der Dinge nur noch wenige Möglichkeiten, die WBM zu retten. Eine davon wäre, dass das Land Berlin Geld in das Unternehmen steckt. Doch dagegen wehrt sich Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Denkbar wäre ferner, dass das Land Berlin eine Bürgschaft für die Kredite der WBM übernimmt, wie es der Berliner Mieterverein vorgeschlagen hat. Diese Variante wird auch in der WBM als mögliches Szenario bezeichnet. Vor allem, weil das Unternehmen mit seinen Immobilien genug Substanz habe, um danach wirtschaftlich bestehen zu können.Für den Beschluss des Senats, den geplanten Verkauf von WBM-Wohnungen zu begrenzen, gibt es eine Erklärung: In diesem Jahr wird in Berlin gewählt - die rot-rote Koalition will es sich offenbar nicht mit den Mietern verderben. Vor allem die Linkspartei.PDS hatte sich gegen die Verkaufspläne gewehrt. Sarrazin unterstützt sie dagegen. Der SPD-Politiker glaubt allerdings, dass es für die Sanierung der WBM ausreicht, wenn zirka 10 000 Wohnungen verkauft werden.------------------------------Foto: Teures WBM-Projekt: Unweit vom Fernsehturm befindet sich das Parkhaus der Rathauspassagen. Nach Informationen der FDP kostete der Bau eines Parkplatzes mit 50 000 Euro doppelt so viel wie sonst üblich.
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