Der Landkreis Oder-Spree hat das Autokennzeichen LOS, und so richtig los geht es dort, seit der amerikanische Milliardär und Tausendsassa Elon Musk seine Elektrofahrzeuge der Marke Tesla in Grünheide produzieren lässt. E-Mobilität und Wassernot – aus lokalpolitischer Sicht fühlen sich die Zukunftsversprechen oft noch einmal ganz anders an.
In der Region weiß das kaum einer besser als Frank Steffen (SPD), der sich als Bürgermeister von Beeskow am Sonntag in einer Stichwahl gegen Rainer Galla durchgesetzt hat, den Kandidaten der AfD. Knapp genug ist es gewesen. Steffen hat 29.963 Stimmen erhalten, das sind 52,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Auf Galla entfielen 27.190 Stimmen (47,6 Prozent), er wäre der erste Kandidat seiner Partei in einem solchen Amt gewesen.
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Steffen ist ein bodenständiger Lokalpolitiker
Hoch hergegangen war es dabei schon vor der Abstimmung, in der das Quorum bei 15 Prozent aller Wahlberechtigten lag, genau 23.000 Stimmen. Bei Stichwahlen, das verrät schon die Bezeichnung, kommt es auf jede Stimme an. In diesem Fall war die Wahl zwischen Steffen und Galla jedoch zur Richtungsentscheidung ausgerufen worden, weil die lokalpolitische Stärke der in weiten Teilen rechtsradikalen AfD mit großer bundespolitischer Aufmerksamkeit bedacht worden ist.
Was im sozialwissenschaftlichen Jargon als gesellschaftliche Spaltung beschrieben wird, stellt sich zwischen Kiefern und Landstraße oft noch einmal ganz anders dar. Jedenfalls mochten weder die CDU noch die Freien Wähler des Landkreises eine Wahlempfehlung für Steffen abgeben, auf dass dieser die Amtswürden der AfD verhindere.
Frank Steffen hält nichts von seiner Rolle als politischer Prellbock. Die Zähigkeit seines Vaters, einem Marathonläufer, bringe er leider nicht auf, bekennt er auf seiner politischen Website. Gern jedoch joggt er durch die Wälder von Beeskow, wo er 1971 geboren wurde. Er segelt und spielt Klavier, er ist verheiratet und hat mit seiner Frau vier Kinder. Bodenständigkeit ist eine lokalpolitische Basiskategorie. In Eisenhüttenstadt wurde er zum Instandhaltungsmechaniker ausgebildet, später wurde er Diplom-Verwaltungswirt.
Eine Zeit lang ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen ihn in seiner Eigenschaft als Bürgermeister von Beeskow, weil er im Verdacht stand, den Verkauf von Grundstücken der Stadt weiter unter Wert zum Bodenrichtwert verkauft zu haben. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. Angesichts des knappen Wahlergebnisses dürfte es im Landkreis aber weiter stürmisch bleiben.
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