BERNAU. Früher arbeitete Anita Köppen als Sekretärin, fünf Jahre war sie zuletzt arbeitslos. Im Regine-Hildebrandt-Haus, einem Altenpflegeheim in Bernau, hat sie wieder Beschäftigung gefunden. Dort absolviert die 47-Jährige seit November einen Kurs als Pflegehelferin. Sie gehört zu den 423 Langzeitarbeitslosen, die im Landkreis Barnim wieder "aktiviert" wurden, wie es in der offiziellen Erfolgsstatistik heißt.Köppen profitiert davon, dass der Barnim seit November 2005 eine von vier Modellregionen in Brandenburg ist, in denen ausprobiert wird, wie Langzeitarbeitslosen geholfen werden kann. 2,8 Millionen Euro umfasste das sogenannte Regionalbudget, über das der Kreis in den vergangenen anderthalb Jahren zusätzlich verfügen konnte. Ab Juli soll das Modell in Brandenburg in Serie gehen. Alle 14 Landkreise und vier kreisfreien Städte können dann jeweils bis zu einer Million Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) in Anspruch nehmen. Die Konzepte müssen bis Ende März beim Potsdamer Arbeitsministerium vorliegen.Die Ansätze für den Barnim stehen schon fest: "Wir haben uns auf die Gesundheitswirtschaft konzentriert", sagt Landrat Bodo Ihrke von der SPD. "Von Wellness bis zur Technologie- und Produktentwicklung." 14 Prozent der Arbeitsplätze in seinem Kreis seien in diesem Bereich angesiedelt, sagt Ihrke. Der Bundesdurchschnitt liege bei nur zehn Prozent. Auch will sich der Barnim auf die Altenpflege konzentrieren. Ihrke versteht die Regionalbudgets als "zusätzliches Geld von der Politik, um die Lücken der Arbeitsmarktreformen zu schließen".Mit der Bilanz für den Barnim ist er durchaus zufrieden. Von den 423 Langzeitarbeitslosen, die an Beschäftigungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen teilnahmen, haben zumindest einige wieder eine längerfristige Perspektive gefunden: Neun haben sich selbstständig gemacht, 39 wurden in sozialversicherungspflichtige, reguläre Jobs vermittelt. Ein winziger Anfang: 13 791 Menschen sind gegenwärtig allein im Barnim ohne Arbeit. 6 243 von ihnen gelten als langzeitarbeitslos.Arbeitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) ist von der Barnimer Bilanz angetan. So sehr, dass sie die Zahlen vor dem Landtag als lobendes Beispiel nannte für das ab Sommer geplante Regionalisierungsmodell. Den Langzeitarbeitslosen müsse eine Perspektive geboten werden, sagte sie.In diesem Ziel jedenfalls sind sich die Landtagsparteien einig. Aber die Wege dorthin sind unübersichtlich geworden. Verschiedenste Modelle sind in der Welt. Selbst innerhalb der Potsdamer Koalition gibt es Streit. Das Wort Bürgerarbeit, das die CDU-Expertin Monika Schulz in einen von den Koalitionsfraktionen verabschiedeten Antrag verankert hat, versteht Arbeitsministerin Ziegler nur als "eine große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme"."Bürgerarbeit" ist in der Welt, seit es im sachsen-anhaltinischen Bad Schmiedeberg gelang, die Arbeitslosigkeit innerhalb kürzester Zeit auf unter zehn Prozent zu drücken. Dort werden die diversen staatlichen Leistungen von Arbeitslosen- bis Wohngeld gebündelt und aufgestockt, um den Betroffenen ein Entgeld für gemeinnützige, sozialversicherungspflichtige Arbeit zahlen zu können. Weit entfernt ist das nicht von dem "öffentlich geförderten Beschäftigungssektor", den die Linkspartei.PDS seit Jahren fordert. "Es fehlt noch, dass sie uns links überholen", hält denn auch der PDS-Arbeitsmarktexperte Christian Göhrke staunend der Union vor. Und SPD-Fraktionschef Günter Baaske, ehemals Arbeitsminister, räumt ein: "Wir streiten um des Kaisers Bart."Flächendeckende Initiativen wie in Bad Schmiedeberg werden von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) abgelehnt. Er will die sogenannten passiven Leistungen nicht mit Geldern der aktiven Arbeitsmarktpolitik bündeln. Denn damit, so heißt es auch in der SPD, verlöre er die Kontrolle über sein Budget.Die angehende Pflegehelferin Anita Köppen kann die Debatten nicht verstehen. Sie hofft, dass es nach dem Ende ihres Kurses im Juli weitergeht und nicht schon wieder Schluss ist. "Ich würde gerne in diesem Bereich arbeiten", sagt sie.------------------------------"Wir streiten um des Kaisers Bart." Günter Baaske, Arbeitsminister
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