Sozialleistungen

1,4 Millionen Menschen beziehen seit mindestens fünf Jahren Bürgergeld: Hoher Anteil in Berlin

Rund 1,4 Millionen beziehen seit fünf Jahren Bürgergeld. Berlin und Bremen führen die Statistik an.

3 Min
Rund 1,4 Millionen Menschen beziehen seit mindestens fünf Jahren Bürgergeld.

Rund 1,4 Millionen Menschen beziehen seit mindestens fünf Jahren Bürgergeld.

© Jens Kalaene/dpa

Rund 1,4 Millionen Menschen haben zuletzt mindestens fünf Jahre am Stück Bürgergeld bezogen. Das entspricht etwa zwei von fünf aller Empfänger der Grundsicherung.

Die Zahlen stammen aus einer Datenauswertung der Bundesagentur für Arbeit, die die AfD-Fraktion im Bundestag angefragt hatte und die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Besonders hoch ist der Langzeitbezug von Bürgergeld laut diesen Daten in zwei Stadtstaaten.

Berlin und Bremen vorn: Wo der Langzeitbezug am höchsten ist

Den größten Anteil an Langzeitbeziehern verzeichneten Ende 2025 zwei Stadtstaaten. In Berlin lag er bei rund 45 Prozent, in Bremen bei 43 Prozent.

Bundesweit gehören die Langzeitbezieher zu etwa zwei von fünf Menschen, die überhaupt Grundsicherung erhalten. Von den Menschen mit mindestens fünf Jahren Bürgergeld waren zuletzt 62,2 Prozent Deutsche und 37,8 Prozent Ausländer. 199.229 der Betroffenen waren noch keine 25 Jahre alt.

„Auf Kosten der Steuerzahler“: Was die AfD fordert

Die Datenauswertung hatte die AfD-Fraktion in Auftrag gegeben. Ihr Arbeitsmarktpolitiker René Springer sagte: „Es kann nicht sein, dass so viele Menschen auf Kosten der Steuerzahler Bürgergeld beziehen, obwohl sie arbeiten gehen könnten.“

Springer bekräftigte die Forderung seiner Partei nach einer Bürgerarbeit: 15 Wochenstunden in gemeinnützigen Bereichen für alle Erwerbsfähigen, die länger als sechs Monate Bürgergeld beziehen. Wer sich verweigere, solle demnach nur noch Sachleistungen bekommen – oder, als letzte Option, gar keine Leistungen mehr.

Scharfe Kritik der anderen Fraktionen

Mit entsprechenden Anträgen stieß die AfD im Bundestag auf heftigen Widerspruch. Der CSU-Sozialpolitiker Peter Aumer hielt dem das „Grundversprechen unseres Sozialsystems“ entgegen: Wer Hilfe brauche, müsse Hilfe bekommen.

Die Regierungskoalition hat mit ihrer jüngsten Reform den Namen „Bürgergeld“ gestrichen und strengere Regeln eingeführt. Wer nicht mitwirkt, soll empfindliche Kürzungen hinnehmen.

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Warum die Langzeitarbeitslosigkeit seit 2024 wieder steigt

Hinter den Zahlen steht eine Trendwende am Arbeitsmarkt. Seit 2023 ist die Zahl der Arbeitslosen wegen der wirtschaftlichen Schwächephase wieder gestiegen, seit 2024 auch die der Langzeitarbeitslosen.

Zuvor war die Langzeitarbeitslosigkeit laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) deutlich gesunken: von 1,8 Millionen im Jahr 2005 auf 700.000 im Jahr 2019. 2025 waren es wieder mehr als eine Million.

Im September zählte die Bundesagentur für Arbeit insgesamt 3,7 Millionen erwerbsfähige Empfänger von Grundsicherung – 145.000 weniger als ein Jahr zuvor.

Für den langen Verbleib macht das IAB vor allem Hürden bei der Vermittlung verantwortlich. Bei Langzeitbeziehern lägen „häufig Vermittlungshemmnisse wie eine niedrige formale Qualifikation oder gesundheitliche Einschränkungen“ vor.

Geförderte Beschäftigung könne ihre Chancen bis hin zu einem Job auf dem ersten Arbeitsmarkt verbessern. Die Unterstützung müsse aber „passgenau und individualisiert“ sein, so das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

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