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Bertolt Brecht schrieb: „Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.“
Die Menschheit erlebte zwei Weltkriege. Im ersten starben 17 Millionen. Im zweiten kamen über 60 Millionen Menschen um, Europa war verwüstet, und es wurden die ersten beiden Atombomben eingesetzt. Nach einem dritten, atomaren Weltkrieg wird es die Menschheit nicht mehr geben.
Russlands Angriff auf die Ukraine ist völkerrechtswidrig. Unabhängig von den militär- und geostrategischen Gegebenheiten zwischen Russland und der Nato, die als Ursachen des Krieges benannt werden können, ist der Überfall auf die Ukraine eine Aggression, die zusammen mit dem Krieg im Nahen Osten und dem US-israelischen „Präventivschlag“ gegen den Iran das gesamte weltpolitische Gefüge ins Rutschen gebracht hat. Kriege als Mittel der Politik sind im strategischen Kalkül und im Denken einiger Politiker in unserem Land wieder akzeptabel geworden. Wir sehen es am Handeln.
Soldaten der 44. Separaten Artilleriebrigade bereiten sich auf einen Kampfeinsatz vor.
© Dmytro Smolienko/imago
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, rechtfertigt sich stets mit einer Bedrohung von außen
Die Begründung für Hochrüstung und die militaristische Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche steht und fällt mit der Behauptung, Russland würde uns alsbald angreifen.
Hat Russland die Mittel für einen Krieg gegen die Nato? Lassen wir die Fakten sprechen. Erstens: Beim kämpfenden Personal hat der Westen dreieinhalbmal so viele Soldaten wie Russland. Zweitens: Bei den Flugzeugen besteht eine viereinhalbfache Überlegenheit, bei Kriegsschiffen eine drei- bis vierfache, bei Panzern eine doppelte und bei gepanzerten Fahrzeugen eine sechsfache. (Quelle: statista.com). Drittens: Die Militärausgaben der Nato sind schon heute mehr als zehnmal so hoch wie die Russlands. Viertens: Die USA verfügen weltweit über mehr als 800 Stützpunkte (vornehmlich rund um Russland). Russland dagegen besitzt nur elf.
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Und da soll uns Russland angreifen? Man kann Wladimir Putin für einen Verbrecher halten, aber ein Selbstmörder ist er gewiss nicht.
Und welche Ziele sollte Russland für einen Krieg mit dem Westen haben? Sind es die Bodenschätze, über die wir kaum verfügen, während Russland das rohstoffreichste Land der Welt ist? Sind es die Absatzmärkte, auf denen es doch im Frieden für Russlands Rohstoffe viel bessere Verwertungsmöglichkeiten gibt?
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, rüstet auf
Aufrüster zitieren gern das lateinische Sprichwort „Si vis pacem para bellum“ (etwa: „Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor“). Mehrere Tausend Jahre Geschichte der Menschheit haben diesen Spruch wieder und wieder widerlegt.
Wie aus dem jüngsten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (Sipri) hervorgeht, hat Deutschland 2024 rund 28 Prozent mehr für das Militär ausgegeben als im Vorjahr, nämlich 77,6 Milliarden Euro. Und jetzt führte die Regierung von Friedrich Merz unbegrenzte Kriegskredite ein. Ein gigantisches, über Schulden und Sozialkürzungen finanziertes Aufrüstungsprogramm soll in die Tat umgesetzt werden.
Bundeswehrsoldaten während einer Übung in Hamburg
© Tobias Schwarz/AFP
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, entzieht sich aller Rüstungskontrolle und allen entsprechenden Abkommen
Die USA kündigten nach und nach den INF-Vertrag über Mittelstreckenraketen, den ABM-Vertrag zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen, den Vertrag Open Sky zur gegenseitigen Überwachung.
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, versucht, ein Übergewicht zu erlangen
In Brandenburg werden bei Holzdorf neue Luftabwehrsysteme vom Typ Arrow 3 installiert, die anfliegende Raketen schon in Hunderten Kilometern Entfernung abfangen sollen. Ein rein defensives System, wie es heißt. 2026 sollen in Deutschland jedoch neue US-Raketen vom Typ Dark Eagle stationiert werden, die sieben Minuten bis Moskau benötigen und für einen „Enthauptungsschlag“ geeignet sind. In diesem Kontext spielt das doch so defensive System in Brandenburg schon eine ganz andere Rolle. Versucht man so, einem Gegenschlag zu entgehen?
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, probt dafür
Allein bei dem Manöver „Stead Fast Defender 2024“ setzte die Nato rund 90.000 Soldaten ein, die den Krieg mit Russland trainierten. Vom 31. März bis zum 11. April 2025 kamen bei der Übung „Ramstein Flag“ über 100 Flugzeuge aus 15 Nato-Staaten zum Einsatz. Von April bis Juni dieses Jahres übten 25.000 Soldaten bei „Defender 2025“. Im September gab es im Norden Europas die „Tarassis 25“-Übung, bei der zehn europäische Nato-Staaten „Gegenangriffe“ trainierten.
Führt Russland jedoch, wie im September 2025, mit und in Belarus ein Manöver durch, so ist das Kriegsvorbereitung. Dabei handelte es sich um ein turnusmäßiges Manöver, das alle vier Jahre stattfindet. Nach offiziellen Angaben nahmen an ihm 13.000 Soldaten teil. Es wurde von 23 Nationen mit Beobachtern überwacht. In der „heute“-Sendung des ZDF schätzten Experten die Anzahl der Teilnehmer dennoch auf 30.000 ein. Eine Stunde später ist die Teilnehmerzahl in der ARD-„Tagesschau“ auf wundersame Weise bereits auf „bis zu 40.000 Soldaten“ gewachsen.
Drei Kampfflugzeuge der britischen Luftwaffe Royal Air Force RAF vom Typ Eurofighter Typhoon FGR.4 während der Nato-Luftwaffenübung „Ramstein Flag 2025“ über der Nordsee
© Björn Trotzki/imago
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, macht die Bevölkerung „kriegstüchtig“
Ein Wort, das Nazipropagandaminister Joseph Goebbels prägte, machte unser Verteidigungsminister zur Maxime. In der Schule, in Medien, in Spielen werden wir vorbereitet auf eine große militärische Auseinandersetzung. Im ÖRR erscheinen serienweise Beiträge über sichere Arbeitsplätze bei Rüstungsfirmen, über tolle Karrieren bei der Bundeswehr, über die Freude an Zivilschutzübungen, über neue Bunker usw.
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, diffamiert jeden, der sich für Frieden einsetzt
Wer sich dem Hochrüstungskurs entgegenstellt und mehr Diplomatie fordert, wird verleumdet – gern wahlweise als Putinknecht, Putinversteher oder Putinpartei. Im besseren Fall werden Friedensanhänger als „gefallene Engel aus der Hölle“ (Olaf Scholz) bezeichnet. Oder sie werden als infantile und realitätsferne Friedensspinner diffamiert. Beispiele kennen wir alle ohne Ende.
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, versucht, die Friedensbewegung zu spalten
Einheitliches Handeln gegen Hochrüstung soll unterbunden werden und so werden die Friedenskräfte separiert – mal in rechtsextremistisch, mal in linksextremistisch, gerade wie es passt. Die Linken werden gegeneinander ausgespielt und sie lassen es (leider) geschehen. Die Aufrüster ernennen sich selbst zur „Mitte der Gesellschaft“ und machen damit alle Andersdenkenden zu „Extremisten“.
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, stellt Infrastruktur und Wirtschaft auf Krieg um
Im Waggonbau Görlitz werden jetzt statt Waggons Panzer gebaut. In den Werften von Mecklenburg-Vorpommern laufen statt Kreuzfahrtschiffen U-Boote vom Stapel. Der Autozulieferer Continental liefert nicht mehr Autoteile, sondern steigt auf militärische Ersatzteile um. Im Spreewerk in Lübben soll künftig nicht mehr Munition entsorgt, sondern wieder produziert werden. Deutschlands Rüstungskonzern Nr. 1, Rheinmetall, verzeichnet Produktionsrekorde.
Eine Baugruppe eines Radpanzers bei einem Pressetermin in einer Montagehalle für Doppelstockzüge am Alstom-Standort in Görlitz
© Matthias Wehnert/imago
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, schaltet die Medien gleich
Medienbeeinflussung erfolgt nicht rigide, wie in der DDR, wo die Chefredakteure der wichtigsten Medien jeden Dienstag in die Abteilung Agitation und Propaganda des ZK der SED einbestellt wurden, um „Argumentationshinweise“ zu empfangen. Diese eher plumpe Befehlsausgabe wird heute durch ein System von Belobigungen und Privilegien – wie Reisen, Honoraraufträge, Journalistenpreise, Mitfliegen im Regierungsflieger, Zugang zu exklusiven Informationen usw. – ersetzt.
Talkrunden im ÖRR werden so besetzt, dass immer eine deutliche Überzahl von Bellizisten einem Friedensvertreter gegenübersitzt. Überdies nehmen auch die Moderatoren selbst gern direkt Partei.
Wieder und wieder kommen in allen Nachrichtenformaten die immer selben sogenannten Experten zu Wort – vom Bundeswehrprofessor Carlo Masala bis zu Claudia Major. Andere bedeutsame Stimmen, wie der Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat, die Ex-Generale Erich Vad oder Gerd Schulze-Rondorf, werden übergangen. Berühmte Diplomaten, wie Michael von der Schulenburg, oder ausgezeichnete Journalisten, wie Bundesverdienstkreuzträgerin Gabriele Krone-Schmalz, werden geschnitten.
Wer sich auf einen Krieg vorbereitet, der entmenschlicht den vermeintlichen Gegner
Eklatantes Beispiel ist die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die in einer Sendung des ORF am 25. März 2025 dozierte: „Wladimir Putin ist ein Mörder, ein Killer, der Hunderte von Millionen Menschen unter die Erde gebracht hat.“
Marie-Agnes Strack-Zimmermann in einer Talkshow im Öffentlich-Rechtlichen
© teutopress GmbH/imago
Der Feind ist immer satanisch. Ihm wird jedes Verbrechen zugewiesen. Gerät auf einem Leipziger Flugplatz ein Karton in Brand, so war es hybrider Krieg der Russen. Sprengung von Nord Stream 2? Experten orakeln im ÖRR, dass es die Russen selbst gewesen sein könnten. Jetzt ist von sechs Ukrainern als Tätern die Rede. Haben diese die gesamte Operation mit Sprengstoff, Jacht, gefälschten Pässen, Seekarten, Tauchausrüstungen usw. von ihrem Taschengeld bezahlt? Unsere „Investigativspezialisten“ beantworten diese Frage nicht. Mehr noch, sie stellen sie erst gar nicht.
Von illegalen Berufsheeren, Roboterhunden mit Maschinengewehr und dem „Hoffnungsträger“ Trump
Russische Drohnen tauchen plötzlich in ganzen Schwärmen wie aus dem Nichts über Dänemark, Polen, München auf. Belege für deren russischen Ursprung folgen nie. Sind es abgelenkte oder von anderen „Interessierten“ eingesetzte Flugobjekte? Das wird gar nicht erst erörtert. Russland war’s!
Unterstellungen und Behauptungen sind die Norm. Frei nach einem Rezept der Begründer der Massenpsychologie Josè Ortega y Gassett (1883–1955) und Gustave Le Bon (1841–1931): Je größer die Lüge, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie geglaubt wird. Weil die Rezipienten denken, das kann sich keiner ausdenken, da muss ja etwas dran sein.
Wenn wir dialektisch von den Erscheinungen zum Wesen schlussfolgern, stellen wir fest: Statt mit aller Kraft einen Krieg zu verhindern, bereitet sich Deutschland mit aller Kraft darauf vor, einen Krieg zu gewinnen. Ja, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass bestimmte Kräfte in Deutschland die irre Vorstellung hegen, einen großen europäischen Krieg führen und konventionell begrenzen zu können. Es gibt offenbar in der Bundesrepublik und in der Nato Politiker, die eine militärische Auseinandersetzung mit Russland ganz bewusst ansteuern. Man rüstet sich mit Raketen und Raketenabfangsystemen und meint, uns kann keiner militärisch beikommen. Die Zerstörung des eigenen Landes wird als notwendiges Übel angesehen, denn am Ende stünde ja zweifelsfrei der Sieg.
Sicher werden manche in einzelnen Punkten widersprechen und Argumente darlegen. Aber all die hier genannten Einzelteile ergeben eine Summe, die uns ALLE in größte Sorge versetzen sollte. Unsere Väter und Mütter in Ost und West waren sich 1945 in dem Schwur einig: Nie wieder Krieg! Lasst uns alle – über alle Berufe und Alter und Parteien hinweg – alles dafür tun, damit die Menschheit kein drittes Karthago erleidet.
Das Friedensbündnis Bernau-Panketal wurde im April 2023 gegründet. Es ist ein Aktionsbündnis, in dem Menschen – unabhängig von ihrer religiösen Einstellung und von ihrer Parteizugehörigkeit – gleichberechtigt zusammenarbeiten, um Frieden und Völkerverständigung zum primären Ziel unserer Politik zu machen.
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