Energieversorgung

Leere Speicher treiben Gaspreise: Deutschland braucht noch 36 LNG-Ladungen

Niedrige Gasvorräte und hohe Preise erhöhen den Druck vor dem Winter. Eine neue Berechnung zeigt Deutschlands LNG-Bedarf – Endkunden könnten Milliarden zahlen.

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Bleiben die Gaspreise hoch, könnten deutsche Gaskunden 2027 bis zu 3,8 Milliarden Euro mehr zahlen. (Symbolbild)

Bleiben die Gaspreise hoch, könnten deutsche Gaskunden 2027 bis zu 3,8 Milliarden Euro mehr zahlen. (Symbolbild)

© Michael Schöne/STAR-MEDIA/imago

Die niedrigen Füllstände in den deutschen Gasspeichern könnten Verbraucher und Unternehmen im kommenden Jahr teuer zu stehen kommen. Bleiben die Großhandelspreise auf dem aktuellen Niveau, könnten deutsche Endkunden bis zu 3,8 Milliarden Euro mehr für Gas zahlen. Das berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine Berechnung des Vergleichsportals Verivox.

Für Haushalte drohen demnach Preissteigerungen von zehn bis 20 Prozent. Günstige Neukundentarife haben sich laut Verivox seit März bereits von acht auf zehn Cent je Kilowattstunde verteuert. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten von rund 400 Euro. Viele Bestandskunden spüren den Anstieg wegen der längerfristigen Beschaffung ihrer Versorger bislang noch nicht.

Gasspeicher bieten kaum Schutz vor Preissprüngen

Auslöser sind neben dem Iran-Krieg die ungewöhnlich niedrigen Gasvorräte. Deutschlands Speicher sind nach Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) nur zu rund 51 Prozent gefüllt – ein Negativrekord für diese Jahreszeit. Italien kommt dagegen auf fast 82 Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei 63 Prozent.

„Die heute niedrigen Speicherstände sind ernst zu nehmen und bedeuten einen geringeren Puffer im Vergleich zu vorangegangenen Wintern“, teilte EWE auf Anfrage der Berliner Zeitung mit. Der Speicherbetreiber räumte zugleich ein, wegen der schwierigen Marktlage selbst einen geringeren Anteil seiner Gasmenge einzulagern.

Normalerweise kaufen Händler Gas im Sommer günstig ein und verkaufen es im Winter teurer. Derzeit ist kurzfristig verfügbares Gas jedoch teurer als Lieferungen für die Heizperiode. Auch VNG erklärte der Berliner Zeitung, dass die Preissignale gegen eine stärkere Bevorratung sprächen. Hinzu kämen fehlende Lieferungen aus Katar und die Umleitung vieler LNG-Tanker nach Asien.

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Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zu 51 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2011.

Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zu 51 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2011.

© Peter Kneffel/dpa

Deutschland braucht 36 zusätzliche LNG-Ladungen

Um die deutschen Speicher bis Ende November auf 80 Prozent zu bringen, wären laut Wood Mackenzie etwa 36 zusätzliche LNG-Ladungen nötig. Zusätzliche Pipelineimporte dürften den Rückstand kaum ausgleichen: Die Lieferungen aus Belgien und den Niederlanden könnten im Winter sogar sinken.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hält dennoch einen Füllstand von 60 Prozent für ausreichend, um einen durchschnittlichen Winter zu bewältigen. Die Lage sei zwar „angespannter als in den vergangenen beiden Wintern“, heißt es in einem schriftlichen Nachtrag des Ministeriums zur Regierungspressekonferenz vom Montag, der der Berliner Zeitung vorliegt. Eine Gasmangellage im kommenden Winter sei aber weiterhin nicht zu erwarten, so das BMWE.

Staatliche Gaskäufe könnten die Preise erhöhen und private Einspeicherungen verdrängen. Verschärften sich zentrale Risiken für die Versorgungssicherheit, „kann und wird der Staat reagieren“.

In einem solchen Szenario müsste Deutschland bei längerer Kälte oder neuen Lieferausfällen kurzfristig zusätzliches Gas auf dem Weltmarkt kaufen. Niedrige Speicherstände bedeuteten „weniger Absicherung gegen Schocks und potenziell deutlich höhere Preise“, warnt BloombergNEF-Analyst Arham Muhammad. Eine physische Gasmangellage hält er wegen Deutschlands Zahlungsfähigkeit zwar für unwahrscheinlich. Die nötigen Zukäufe könnten Verbraucher und Industrie jedoch teuer zu stehen kommen.

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