Legalisierung ist der beste Schutz

Sigrid Averesch
2 Min

Zwangsprostituierte sind Opfer von Menschenhändlern. Unter falschen Versprechungen werden sie nach Deutschland gelockt. Sie werden zu käuflichem Sex und in eine Abhängigkeit gezwungen. Wer sich - wie der Kunde - dieser Frauen bedient und so dafür sorgt, dass das kriminelle Geschäft lukrativ bleibt, soll nach den jüngsten Plänen aus dem Bundesjustizministerium bestraft werden. Bis zu zehn Jahren Haft sollen dem Freier drohen, die Union möchte sogar noch höhere Strafen. Der Vorschlag hört sich einleuchtend an. Doch woran soll der Kunde eine Zwangsprostituierte von einer normalen Hure unterscheiden können? Und: Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass er sich für die Lage der Frau interessieren sollte, wird ihn gerade die Strafbarkeit davon abhalten, die Polizei einzuschalten.Wer Zwangsprostitution wirksam bekämpfen will, sollte einen anderen Weg einschlagen. Es sind die Menschenhändler, die in erster Linie am Leid und der Hilflosigkeit der Frauen verdienen. Damit ihnen das Handwerk gelegt werden kann, sind Zeuginnen nötig. Bisher aber haben die meist ausländischen Opfer kaum Gründe, sich an die Polizei zu wenden. Spätestens nach dem Prozess werden sie abgeschoben und sind in ihrer Heimat denselben Kriminellen ausgeliefert. Deshalb sollten aussagewillige Frauen ein Aufenthaltsrecht erhalten. Das wäre ein Signal an die Opfer. Der beste Schutz für Prostituierte vor Zwang und Gewalt aber wäre es, das Gewerbe stärker zu legalisieren. Dadurch würde der Kampf gegen die wirklich Kriminellen leichter.

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