Für den Potsdamer Geher Christopher Linke dürfte es nicht allzu schwierig sein, die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Budapest, die an diesem Sonnabend beginnen, mit einem besseren Gefühl zu verlassen als die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im vergangenen Sommer in Eugene. Denn voriges Jahr musste er das Rennen über 20 Kilometer vor der Hälfte aufgeben. Es sei nicht sein Tag gewesen, sagte er danach. Und bevor dann das Rennen über 35 Kilometer begann, färbte sich sein Corona-Teststreifen in den USA positiv. Linke musste seinen Start absagen.
Das Privileg, zu den populärsten Leichtathletik-Disziplinen zu gehören, haben die Geher nicht. Aber immerhin hat Linke den Vorzug, am Sonnabend, um 8.50 Uhr, bei der ersten WM-Entscheidung in Ungern an den Start zu gehen. Und seit dem vergangenen Jahr weiß der 34 Jahre alte Sportsoldat vom SC Potsdam auch, wie es ist, eine internationale Medaille zu gewinnen.
Linke gewann bei der EM in München die Silbermedaille
Denn nach der WM in Eugene, die für den Deutschen Leichtathletik-Verband mit zwei Medaillengewinnen enttäuschend verlief, folgten knapp drei Wochen später Leichtathletik-Europameisterschaften in München, die mit jedem Tag zu einem größeren, helleren, fröhlicheren, medaillenreicheren Fest der deutschen Leichtathleten wurden. Linke trug dazu an einem fast 30 Grad Celsius warmen Tag bei: Als er sich im 35-Kilometer-Rennen über die Leopoldstraße bewegte, schnappte er sich die Deutschland-Fahne und genoss den Zieleinlauf – als Silbermedaillist.
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„Seit meiner ersten internationalen Meisterschaft vor 12 Jahren bei der EM in Barcelona 2010 kämpfe ich um eine internationale Medaille. Nach guten Plätzen bei WM (8, 5, 4) und Olympia (5, 5) und EM (4) ist es endlich geschafft: ich bin Vize-Europameister und das bei der Heim-EM in München!! Und das 14 Tage nach meiner Coronaerkrankung – was für ein Ergebnis!! :)“, postete er in den sozialen Medien. Und was für eine Freude.
In diesem Juni war Linke in La Coruña schon schnell. In einem Weltklasse-Feld erfüllte er mit Platz vier über 20 Kilometer in 1:19:27 Stunden bereits die Olympia-Norm für die Spiele 2024 in Paris. So geht der Mann, auf dessen tätowiertem Oberarm die olympischen Ringe zu sehen sind, seinen dritten Sommerspielen entgegen. Und vielleicht hilft ihm die Erkenntnis von der EM in München ja auch bei der WM in Budapest. „Ich denke“, sagte Linke damals nach seinem Silbercoup, „dass das Geheimrezept heute war, dass ich mir anders als in der Vergangenheit überhaupt keinen Druck gemacht habe, unbedingt eine Medaille holen zu müssen.“
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