Es dauerte einen Moment, bis sie realisiert hatte. Doch dann brüllte Sha’Carri Richardson ihre ganze Freude heraus, hüpfte wie ein Flummi auf und ab, konnte ihr Glück kaum fassen. „Ich bin der Champion. Ich habe es euch allen gesagt“, rief Richardson hinterher: „Ich bin nicht zurück, ich bin besser.“ Richardson hat der Welt in Budapest tatsächlich gezeigt, was in ihr steckt: Gold über 100 Meter in einer Wahnsinnszeit von 10,65 Sekunden. Während sich Deutschlands Gina Lückenkemper bereits im Halbfinale verabschieden musste und bei der abendlichen Show nur noch Zuschauerin war, löste die US-Amerikanerin endlich das Versprechen ein, die schnellste Frau der Welt zu werden. Und das nach ihrer Geschichte.
Als Teenagerin wollte sich Sha’Carri Richardson das Leben nehmen
Als Teenagerin wollte sich Richardson schon das Leben nehmen, die Texanerin wurde früh von ihrer Mutter verlassen und wuchs bei ihrer Oma und einer Tante auf, ihre Ex-Freundin hat sie misshandelt. Bei Olympia in Tokio konnte sie als Mitfavoritin nicht starten, weil sie zuvor bei den US-Trials positiv auf Marihuana getestet worden war. Während der Wettkämpfe hatte Richardson erfahren, dass ihre leibliche Mutter gestorben war.
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„Ich wusste nicht, wie ich meine Emotionen kontrollieren oder mit meinen Emotionen umgehen sollte“, sagte Richardson danach, die Aufregung war riesig. Selbst Präsident Joe Biden äußerte sich danach wohlwollend. Doch Richardson schlug auch Hass entgegen, sie wurde teilweise übelst beschimpft. Wohl auch, weil sie eine Ikone der Black-Lives-Matter-Bewegung ist.
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Danach hatte Richardson viel „Wut“ in sich, es brauchte Zeit, das zu verarbeiten, sie musste „erwachsen werden“. Für die Heim-WM im Vorjahr in Eugene qualifizierte sich die 23-Jährige überhaupt nicht. Nach einer langen Reise mit „Schmerzen“ und „Traurigkeit“ ist Richardson nun da angekommen, wo sie nach eigener Meinung hingehört. Ganz oben. „Egal was passiert, verliere nie deinen Glauben“, sagte Richardson, nachdem sie ganz außen auf Bahn neun von den beiden Jamaikanerinnen Shericka Jackson (10,72) und Shelly-Ann Fraser-Pryce (10,75/Titelverteidigerin) nicht zu halten war. Auf ihre so geliebten knallbunten Perücken und die ultralangen Fingernägel, mit denen sie sonst an die berühmt-berüchtigte Florence Griffith-Joyner erinnert, hatte sie im großen Finale von Budapest verzichtet und strahlte stattdessen mit ihrer sportlichen Leistung.
Die US-Amerikanerin peilt nun das Gold-Triple an
Nun peilt Richardson, die vom umstrittenen Ex-Sprinter Dennis Mitchell trainiert wird, wie ihr Landsmann Noah Lyles das Gold-Triple an. Am Mittwoch geht es für sie mit den Vorläufen über 200 Meter weiter, am Sonnabend steht das Finale mit der Staffel an. „Ich bin froh, dass ich zeigen kann, wer ich wirklich bin“, sagte Richardson und sie „weiß, dass sich alles gelohnt hat“. Jetzt ist sie ein „Champion“. Nach allem, was sie durchgemacht hat.
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