Leichtathletik

Leichtathletik-WM: Showman Lyles auf den Spuren von Bolt

Noah Lyles gilt als Athlet mit dem gewissen Extra und einer bewegten Geschichte. Doch kann der neue 100-Meter-Weltmeister die Lücke von Usain Bolt schließen?

sid dpa
4 Min
Der amerikanische Sprinter Noah Lyles feiert seinen WM-Titel über die 100 Meter. Zwei weitere Goldmedaillen sollen folgen.

Der amerikanische Sprinter Noah Lyles feiert seinen WM-Titel über die 100 Meter. Zwei weitere Goldmedaillen sollen folgen.

© Ben Stansall/AFP

Noah Lyles lächelte sein breitestes Grinsen. „Irgendwann werden die Leute auf dieses Jahr zurückblicken“, rief der neue schnellste Mann der Welt: „Und dann werden sie sagen: Das war der Start einer Dynastie.“ Nach seinem Gold-Triumph über die 100 Meter peilt der US-Amerikaner in Budapest nun das Triple an, aber Lyles geht es um viel mehr als nur Medaillen. Der Kumpel und Trainingspartner von Gina Lückenkemper will ein Vermächtnis hinterlassen. Wie einst Usain Bolt.

Viele haben versucht, Nachfolger der Legende aus Jamaika zu werden. Alle sind bisher gescheitert. Aber Lyles könnte die Lücke womöglich tatsächlich füllen, der 26-Jährige bringt alles mit. Charisma, Charme, die Lust zur Show, flotte Sprüche – und eine bewegende Geschichte.

Dokumentation bei Peacock läuft, Netflix plant einen Film

„Es ist einfach, mich zu vermarkten. Denn ich gehe da raus, ich bin aufregend, ich bin fröhlich, ich gehe auf die Leute zu“, sagte Lyles, der im Klassiker schlechthin in 9,83 Sekunden nicht zu halten war. Der WM-Champion bringt das gewisse Extra mit, bei Meetings läuft er – wie Stars im Football oder Basketball – mit schrillen Outfits ein, der Sport ist für ihn eine Art Catwalk. Der angestaubten Leichtathletik tut so ein schriller Typ gut, er könnte die Sehnsucht nach einem Superstar stillen.

„Die Leichtathletik muss sich selbst besser vermarkten, die Geschichten müssen besser erzählt werden“, sagte Lyles, der selber immer wieder neue Wege sucht. Bei Peacock läuft bereits eine Dokumentation über den Mann aus Florida, Netflix will vor Olympia in Paris auch etwas mit den Sprintstars produzieren. Lyles malt gerne, er rappt. Und er scheut sich auch nicht, über Schwächen und Ängste zu sprechen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

In der Highschool wurde Lyles oft gehänselt, er hatte eine Lernstörung, die Eltern ließen sich früh scheiden, seine Mutter Keisha zog ihn und den ebenfalls sprintenden Bruder alleine groß, nicht immer waren genug Essen und Geld vorhanden. „Einmal wurde uns der Strom abgestellt“, sagte Lyles. Und er leidet an Depressionen. „Alles fühlt sich irgendwie sinnlos an“, sagt er über die Phasen, wenn die Krankheit wieder zuschlägt.

Bisher sorgte Lyles vor allem über die 200 Meter für Aufsehen. Auf dieser Strecke wurde er bereits zweimal Weltmeister, holte Olympia-Bronze, hat mehr Rennen unter 20 Sekunden hingelegt als Bolt. Hier traut er sich auch zu, den Weltrekord von 19,19 Sekunden zu knacken. Aber die 100 Meter haben noch einmal eine ganz andere Strahlkraft. „Die 100 Meter? Das war ein langer Weg“, sagte Lyles, er sei „durch Blut, Schweiß und Tränen“ auf den Thron gekommen. Nach seinem Sieg auf der kurzen Distanz, auf der ihm einstige Trainer nicht viel zugetraut hatten, schrie er in die Kameras: „Sie haben gesagt, dass das nicht geht. Sie haben gesagt, ich bin nicht derjenige. Aber Gott sei Dank bin ich es.“ Von den selbst angekündigten 9,65 Sekunden war er allerdings noch weit weg.

Lyles ist in Budapest, um drei Goldmedaillen zu gewinnen

Der Trainingsgefährte von Gina Lückenkemper erklärte, er habe schon lange gewusst, dass er den 100 Metern noch viel von dem zu geben habe, das er bisher vor allem den 200 Metern gegeben habe. Der Triumph auf der kurzen Stecke sei der härteste Teil seiner Mission gewesen, nun werde er Spaß mit der Disziplin haben, die er liebe. Und die 9,65 Sekunden, erläuterte Lückenkemper, die habe ihr amerikanischer Trainingspartner ja nicht für dieses Jahr angekündigt – sondern generell.

Und nun? Klar, das Triple soll her. „Ich bin hierhergekommen, um drei Goldmedaillen zu gewinnen“, sagte Lyles. Über die 200 Meter am Freitag ist er der Favorit, zudem steht einen Tag später noch die 4x100-Meter-Staffel auf dem Programm. Bolt ist der bisher letzte Sprinter, dem das Triple gelang: 2015 in Peking. „Der Grund, warum ich das unbedingt machen will, ist, dass niemand anderes es mehr verdient als ich“, sagte Lyles noch, am Ende der WM soll der „Champagner knallen“.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner