Nahost-Krieg

Zweifel an Abkommen? Iran kritisiert USA nach israelischen Angriffen nahe Beirut

Israel greift nach eigenen Angaben Hisbollah-Ziele in den südlichen Vororten Beiruts an. Aus Teheran folgt Kritik.

3 Min
Anwohner fahren an den Trümmern zerstörter Gebäude in Dahija, einem südlichen Vorort von Beirut, Libanon, vorbei.

Anwohner fahren an den Trümmern zerstörter Gebäude in Dahija, einem südlichen Vorort von Beirut, Libanon, vorbei.

© Bilal Hussein/AP/dpa

Die israelische Luftwaffe hat nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz Ziele der Hisbollah in den südlichen Vororten Beiruts angegriffen, wie die Zeitung Times of Israel berichtet. Die Angriffe seien eine Reaktion auf Beschuss israelischen Gebiets, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Über dem Stadtgebiet Beiruts sei Rauch zu sehen gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Zuvor seien laut Times of Israel am Morgen drei Drohnen der Hisbollah auf israelischem Gebiet explodiert. Das israelische Militär sprach in einer Mitteilung im Onlinedienst X von einem „eklatanten Verstoß gegen den Waffenstillstand“.

Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, erklärte auf X, die Angriffe zeigten, „dass es den USA entweder an dem Willen oder an der Fähigkeit mangelt, ihre Verpflichtungen zu erfüllen“. „Wenn es an Willen und Fähigkeit mangelt, seine Verpflichtungen zu erfüllen, ist es unmöglich, von einer Fortsetzung des eingeschlagenen Weges zu sprechen“, fügte er hinzu, offenbar ein Verweis auf Verhandlungen über eine mögliche Friedensvereinbarung mit den USA.

Als Israel vor einer Woche zuletzt die Vororte Beiruts angegriffen habe, habe der Iran mit Angriffen auf Israel reagiert, berichtete AP. Teheran als wichtigter Unterstützer der Hisbollah habe darauf bestanden, dass eine Friedensvereinbarung mit den USA auch ein Ende der israelischen Angriffe im Libanon umfassen müsse.

Verhandlungen zwischen Iran und USA

Zuvor waren die USA und der Iran offenbar einer Einigung näher gekommen. Katarische Vermittler seien am Sonntag nach Teheran gereist, um die Vereinbarung zu finalisieren, berichtete AP unter Berufung auf die anonymen Quellen. Diese hätten sich vorsichtig optimistisch geäußert, dass ein Abkommen die Kampfhandlungen beenden und die Straße von Hormus wieder öffnen könnte.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

US-Präsident Donald Trump und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif erklärten laut AP am Samstag, das Abkommen solle am Sonntag unterzeichnet werden. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, äußerte sich zurückhaltender und sagte, dies könne möglicherweise in den kommenden Tagen geschehen. Trump kündigte an, die Straße von Hormus werde unmittelbar nach der Unterzeichnung geöffnet.

Atomprogramm bleibt vorerst offen

Das Abkommen löse die strittigsten Fragen nicht, darunter das iranische Atomprogramm und eingefrorene Vermögenswerte, berichtete AP unter Berufung auf pakistanische und regionale Vertreter. Vorgesehen sei ein Rahmen von 60 Tagen für technische Gespräche.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen iranischen Beamten, der endgültige Entwurf der Vereinbarung sehe eine Zustimmung Teherans vor, Atomwaffen weder herzustellen noch zu kaufen.

Die USA sollen demnach zustimmen, dass der Iran seinen Bestand an hochangereichertem Uran im Land verdünne. Bis eine abschließende Vereinbarung vorliege, würde der Iran den aktuellen Status seines Atomprogramms beibehalten, nukleare Anlagen nicht weiter ausbauen und auf weitere Urananreicherung verzichten.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verfügt der Iran über rund 440,9 Kilogramm auf bis zu 60 Prozent angereichertes Uran, berichtet AP. Teheran erklärt sein Atomprogramm seit Langem für friedlich.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner