Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat sich nach eigenen Angaben bei dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für frühere scharfe Äußerungen entschuldigt. In einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender Al Arabiya sagte der enge Verbündete des russischen Präsidenten Wladimir Putin, er sei möglicherweise „zu weit gegangen“.
„Wenn Wolodymyr Alexandrowytsch durch diese Worte beleidigt war, entschuldige ich mich bei ihm“, sagte Lukaschenko. Zugleich verteidigte er seine damaligen Aussagen als Reaktion auf Äußerungen aus der Ukraine. Möglicherweise habe er angesichts des seit mehr als vier Jahren andauernden Krieges jedoch zu hart formuliert.
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Lukaschenko fordert Kompromisse
Der belarussische Staatschef sprach sich zugleich für neue Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine aus. Beide Seiten müssten Kompromisse eingehen, um den Krieg zu beenden, sagte er laut Reuters. „Heute müssen wir jede Möglichkeit nutzen, um durch Kompromisse eine friedliche Einigung zu erreichen“, erklärte Lukaschenko. Eine weitere Eskalation würde die Lage nur verschlimmern.
Der Präsident von Belarus äußerte zudem Zweifel daran, dass eine der beiden Kriegsparteien ihre Ziele auf dem Schlachtfeld erreichen könne. Zwar rückten russische Truppen weiter langsam vor, sagte er. Gleichzeitig verwies er jedoch auf Personalprobleme sowohl bei den russischen als auch bei den ukrainischen Streitkräften.
Belarus sieht keine Gefahr für die Ukraine
Lukaschenko versuchte außerdem, Sorgen vor einer direkten Beteiligung seines Landes am Krieg zu zerstreuen. Von Belarus gehe keine militärische Gefahr für die Ukraine aus. „Absolut nichts zu befürchten. Absolut“, sagte er mit Blick auf die Ukraine. Befürchtungen über mögliche Angriffe aus Belarus würden vor allem aus politischen Gründen geschürt.
Kiew hatte in den vergangenen Monaten wiederholt gewarnt, Russland könne versuchen, Belarus stärker in den Krieg hineinzuziehen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte mehrfach, Moskau könne das Nachbarland künftig auch als Ausgangspunkt für Operationen gegen Nato-Staaten nutzen.
Schlagabtausch mit ukrainischem Drohnenkommandeur
Die versöhnlichen Aussagen folgen auf einen öffentlichen Konflikt mit dem ukrainischen Drohnenkommandeur Robert Brovdi, der unter seinem Rufnamen „Magyar“ bekannt ist. Brovdi hatte erklärt, die ukrainischen Streitkräfte hätten 500 mögliche Ziele in Belarus identifiziert und wüssten, wo sich Lukaschenko aufhalte.
Der belarussische Machthaber reagierte darauf mit der Drohung, im Falle einer Bedrohung ein „sehr ernstes Ziel“ in der Ukraine anzugreifen. Nun schlug er deutlich versöhnlichere Töne an und erklärte, er habe möglicherweise zu scharf reagiert.
Annäherung an die USA
Lukaschenko schloss in dem Interview zudem ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump nicht aus. Belarus und die USA haben ihre Kontakte zuletzt vorsichtig ausgebaut. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Gefangene freigelassen, die von Menschenrechtsorganisationen als politische Häftlinge eingestuft worden waren.
Belarus gilt als engster Verbündeter Russlands. Das Land stellte Moskau 2022 sein Territorium für den Angriff auf die Ukraine zur Verfügung und beherbergt nach russischen Angaben auch russische Atomwaffen. Gerade deshalb dürften Lukaschenkos versöhnliche Aussagen in Kiew, Moskau und westlichen Hauptstädten aufmerksam verfolgt werden.
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