US-Präsident Donald Trump hat den Wahlsieg des brasilianischen Staatschefs Luiz Inácio Lula da Silva angezweifelt. Es sehe nach einer „manipulierten Wahl“ aus, sagte Trump am Montag nach der Niederlage seines Verbündeten Flávio Bolsonaro. „Es wirkte so korrupt, so schrecklich“, fügte er hinzu, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag berichtete.
Er habe bei der Wahl „keine Partei ergriffen“, sagte Trump weiter. Der US-Präsident hatte Flávio Bolsonaro Ende Mai im Weißen Haus empfangen. Zudem hatte Trump bereits dessen Vater Jair Bolsonaro unterstützt, der von 2019 bis Anfang 2023 Brasiliens Präsident war.
Mittlerweile liegen erste Einschätzungen dazu vor, wie Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva seinen Rückstand aus der ersten Wahlrunde aufholte und schließlich die Stichwahl relativ klar gewann. Es ist überhaupt das erste Mal in einer brasilianischen Präsidentschaftswahl, dass ein in der ersten Runde unterlegener Kandidat die Stichwahl für sich entscheiden kann. Lula machte dabei einen Rückstand von rund 2,2 Millionen Stimmen wett und lag am Ende mehr als 4,4 Millionen Stimmen vor seinem Herausforderer.
In fast 97 Prozent aller Gemeinden verbesserte der Politiker der Arbeiterpartei sein Ergebnis gegenüber Flávio Bolsonaro, dem Kandidaten des rechten Lagers. In 211 Städten gewann er die Mehrheit, nachdem Bolsonaro dort in der ersten Runde vorn gelegen hatte. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Analyse der Tageszeitung Folha de S.Paulo auf Grundlage amtlicher Wahldaten hervor. Bolsonaro konnte dagegen nur in einer einzigen Gemeinde einen Rückstand aus der ersten Runde in einen Sieg verwandeln.
Großstädte wechseln ins Lager Lulas
Zu den Städten, die Lula drehen konnte, zählt die Millionenmetropole Rio de Janeiro – der zweitgrößte Wahlbezirk des Landes. Auch in der Hauptstadt des nördlichen Bundesstaates Amapá, Macapá, wechselte die Mehrheit. Hinzu kamen größere Städte wie Osasco bei São Paulo und Ribeirão das Neves im Großraum Belo Horizonte.
Die meisten Verschiebungen entfielen auf den wirtschaftsstarken Südosten und den Süden. Besonders deutlich war die Entwicklung im Bundesstaat Minas Gerais, dem einzigen Bundesstaat, in dem Lula insgesamt eine Wende schaffte. Dort wechselte in 76 Gemeinden die Mehrheit hin zum Präsidenten.
Auch in den gesondert untersuchten größeren Städten verbesserte Lula durchweg sein Ergebnis. In mehreren Städten des Bundesstaates Rio de Janeiro fielen seine Zugewinne besonders deutlich aus.
Junge Wähler wenden sich Lula zu
Einen wichtigen Erklärungsansatz liefern die Umfragen der letzten drei Wochen vor der Stichwahl. Besonders auffällig ist der Stimmungsumschwung unter jungen Wählern zwischen 16 und 24 Jahren.
Nach einer am 24. Oktober veröffentlichten Datafolha-Analyse der Folha de S.Paulo stieg Lulas Zustimmung in dieser Altersgruppe von 43 auf 52 Prozent. Bolsonaro verlor dagegen an Boden: Seine Zustimmung sank von 50 auf 44 Prozent. Damit kehrten sich die Mehrheitsverhältnisse unter den Jüngeren in den Umfragen um.
Auch unter Empfängern des staatlichen Sozialprogramms Bolsa Família legte Lula zu. Seine Zustimmung wuchs von 59 auf 63 Prozent, während Bolsonaro verlor. Nach Einschätzung der Folha könnten die Ankündigung höherer Sozialleistungen und Befürchtungen vor möglichen Einschnitten bei Renten und Sozialprogrammen zu dieser Entwicklung beigetragen haben.
Mobilisierung bisheriger Nichtwähler
Als weiterer entscheidender Faktor gilt die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung. Nach Angaben des Obersten Wahlgerichts TSE gaben rund drei Millionen Menschen mehr ihre Stimme ab als in der ersten Runde.
Dass Lula von der zusätzlichen Mobilisierung profitieren konnte, hatten Umfragen bereits vor der Stichwahl nahegelegt. In einer am 19. Oktober veröffentlichten AtlasIntel/Bloomberg-Erhebung erklärten knapp 56 Prozent der Befragten, die nach eigenen Angaben beim ersten Wahlgang nicht abgestimmt hatten, nun Lula wählen zu wollen. Rund 40 Prozent bevorzugten Bolsonaro.
Unter den früheren Nichtwählern schnitt Lula damit deutlich besser ab als unter allen Befragten. In der gesamten Erhebung lag Bolsonaro noch knapp vorn. Für Lulas Wahlkampfteam war dies ein wichtiger Hinweis. Vertreter seiner Arbeiterpartei führen den Erfolg ihres Kandidaten nach einem Bericht der Folha vor allem auf die verstärkte Mobilisierung nach der ersten Runde zurück.
Auch bei den Anhängern ausgeschiedener Kandidaten konnte Lula Stimmen gewinnen. Laut einer Umfrage des Instituts AtlasIntel bevorzugte eine knappe Mehrheit der früheren Wähler des Schriftstellers Augusto Cury den Präsidenten. Die Anhänger anderer konservativer Bewerber tendierten dagegen überwiegend zu Bolsonaro.
Umbau der Kampagne und neue Botschaften
Nach dem Rückschlag der ersten Wahlrunde stellte Lulas Lager die Wahlkampfleitung um und veränderte seine Strategie. Statt vor allem die bisherigen Leistungen des Präsidenten herauszustellen, richtete die Kampagne ihre Botschaften stärker auf Zukunftsversprechen, Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen aus.
Parallel verstärkte das Lager des Präsidenten seine Präsenz auf der Straße und im Internet. Eine besondere Rolle spielte dabei der Abgeordnete André Janones, der ein digitales Unterstützernetzwerk aufbaute.
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Nach einer Recherche von BBC News Brasil erreichte dessen WhatsApp-Kanal „Exército do Lula“ („Lulas Armee“) rund 10,8 Millionen Abonnenten. Über den Kanal wurden Videos verbreitet, Hashtags beworben und Unterstützer zur Weiterverbreitung von Kampagnenmaterial aufgerufen.
Einschätzungen zu Bolsonaros Niederlage
Für Bolsonaros Niederlage nennen brasilianische Medien neben der verstärkten Mobilisierung des Lula-Lagers auch Fehler seiner eigenen Kampagne.
Das Nachrichtenportal PlatôBR verweist unter anderem auf die Siegesgewissheit nach der ersten Runde, die unzureichende Einbindung politischer Verbündeter und persönliche Angriffe auf Lula in den Fernsehdebatten. Hinzu seien Schwierigkeiten gekommen, gemäßigte und evangelikale Wähler über das eigene Lager hinaus anzusprechen.
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