Zwischen Zarenhof und Raumfahrt: Diese Uhren zeigen, wie Anklänge des Ostens in Luxus, Tradition und Wandel am Handgelenk umgesetzt werden.
James Bond, gespielt von Sean Connery, reist 1963 im zweiten Bond-Film nach Istanbul. Am Handgelenk trägt er eine Rolex Submariner Ref. 6538. Sein russischer Gegenspieler, Agent Red Grant, versteckt dagegen eine tödliche Garrotte in seinem Zeitmesser. Der Osten steht zu dieser Epoche im westlichen Kino noch für stetige Bedrohung und ungelöste Chiffren.
Sechzig Jahre später hat sich diese Perspektive verschoben. Von Warschau bis Moskau, von Prag bis Zagreb ist eine neue lebendige Luxuslandschaft entstanden. Sie ist kapitalkräftig, kosmopolitisch, selbstbewusst, aber nicht laut und sich ihrer Herkunft immer gewiss. Die folgenden Uhren erzählen von diesem Wandel. Manche erinnern noch an den Zarenhof, andere an sowjetische Raumfahrt und einige an die Wiedergeburt sächsischer Manufakturkunst.
Rolex Day-Date 40 – Der Klassiker des neuen Ostens
Rolex Day-Date (Oyster, 40 mm, Gelbgold), 48.600 Euro.
© Rolex
Kaum eine Uhr hat sich so tief in die Bildsprache des postsowjetischen Wohlstands eingeschrieben wie die Rolex Day-Date mit Goldgehäuse, Präsidentenarmband und ausgeschriebenem Wochentag. Rolex bietet diesen in 26 Sprachen an, auch mit kyrillischer Schrift. Beim Kauf kann die gewünschte Sprache über den Konzessionär bestimmt werden.
Ihren Ruf als „Präsidentenuhr“ erwarb die Day Date im Jahr 1963, als US-Präsident Lyndon B. Johnson mit ihr am Handgelenk ins Weiße Haus einzog. Zur Ikone reifte die Day Date am Arm von Michael Caine in den 70er-Jahren und Tom Cruise in „Rain Man“. Auch der polnische Papst Johannes Paul II. trug sie. 48.600 Euro (Oyster, 40 mm, Gelbgold)
Breguet Classique 5177 – Am Hof des Zaren
Die Classique 5177 von Breguet. Ab 31.300 Euro
© Louis Breguet
Louis Breguet gehörte zu den bedeutendsten Uhrmachern des europäischen Ancien Régime und seine Zeitmesser fanden früh den Weg an die Höfe Europas. Besonders eng war die Verbindung zum russischen Adel. Breguet-Uhren wurden von Mitgliedern der Zarenfamilie und der aristokratischen Gesellschaft getragen.
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Die Classique 5177 übersetzt diesen Geist in eine moderne Form. Guillochiertes Zifferblatt, Breguet-Zeiger, klassisches Gehäuse und ein fein dekoriertes Manufakturwerk sind der Gegenentwurf zur demonstrativen Luxusuhr. Sie erinnert an eine Epoche, in der St. Petersburg kulturell eng mit Paris, Wien und Genf verbunden war. Ab 31.300 Euro
Chopard L.U.C XPS Prussian Blue – Der diskrete neue Reichtum
L.U.C XPS Prussian Blue von Chopard. Ab 12.900 Euro
© Chopard
Die Chopard L.U.C XPS Prussian Blue verkörpert eine Entwicklung, die auch in den neuen Luxusmärkten des Ostens zu beobachten ist, weg vom betonten Statussymbol, hin zum Luxus für Eingeweihte. 40 Millimeter Durchmesser, lediglich 7,2 Millimeter Höhe, Lucent Steel und ein ultraflaches, chronometerzertifiziertes Werk mit 65 Stunden Gangreserve ergeben eine Uhr, deren Raffinesse erst aus der Nähe sichtbar wird.
Das Prussian Blue bringt zudem einen historischen europäischen Ton ins Spiel. In einer Region, deren erste Generation neuer Vermögen oft mit sichtbarem Luxus verbunden wurde, steht die L.U.C für die nächste Ära mit weniger Gold. Ab 12.900 Euro
Raketa Russian Code – Russland am Handgelenk
Die Russian Code von Raketa. Ab 2700 Euro
© Raketa
Hier endet die westliche Projektion auf den Osten: Raketa ist keine Schweizer Uhr mit russischem Marketing, sondern eine tatsächlich in Russland produzierte Marke. Ihr Geschichte reicht bis zur sowjetischen Ära. 1961 wurde „Raketa“ zu Ehren des Raumflugs Juri Gagarins eingeführt.
Die „Russian Code“ setzt diese Tradition mit einer ungewöhnlichen Mechanik und gegenläufiger Zeigerlogik fort. Sie erinnert an die sowjetische Faszination für Raumfahrt und an eine russische Vorstellung von Modernität, die sich historisch immer wieder vom Westen abgrenzte. Die „Russian Code“ will nicht aussehen wie eine Patek, Rolex oder Lange. Sie will russisch sein. Ab 2700 Euro
Omega Seamaster Professional Diver 300M 007 Edition – Reise in den Kalten Krieg
Die Seamaster Diver 300M 007 Edition von Omega. 9700 Euro (42 mm, Titan mit Nato-Armband)
© Omega
Die Seamaster Diver 300M 007 Edition führt eine Tradition fort, die Rolex einst mit Sean Connery begründete und Omega seit den 1990er-Jahren mit der Filmfigur verbindet. Die Uhr wurde für den Bond-Film „No Time To Die“ von 2021 entwickelt und nimmt mit ihrem Vintage-Design Bezug auf Bonds Vergangenheit.
007 machte den Osten zum glamourösen Terrain der Spionage – Istanbul, Belgrad, Moskau wurden zu Synonymen für Gefahr, Verführung und Geheimnis. Die Seamaster trägt diese Erzählung in die Gegenwart. Sie ist weniger ein Symbol des realen Osteuropas als des kulturellen Bildes, das der Westen einst von ihm geschaffen hat. 9700 Euro (42 mm, Titan mit Nato-Armband)
Mühle Glashütte Teutonia II GMT – Die Uhr für neue Geschäftsrouten
Die Teutonia II von Mühle Glashütte. Ab 2650 Euro
© Mühle Glashütte
Mühle Glashütte steht für eine Form deutscher Uhrmacherei, die Funktionalität höher bewertet als Grandezza. Im Jahr 2002 wurde die erfolgreiche Uhrenfamilie Teutonia vorgestellt. Die GMT-Komplikation gibt der Teutonia II eine besondere Relevanz für eine Region, deren wirtschaftliche Beziehungen seit dem Ende des Kalten Krieges immer stärker über Grenzen hinweg verlaufen.
Ob Warschau, Prag, Budapest oder Berlin, die zweite Zeitzone wird zur praktischen Metapher für diese neue europäische Mobilität. Mit 41 Millimetern, Automatikwerk und 56 Stunden Gangreserve bleibt sie dabei bewusst sachlich. Ein deutscher Business-Zeitmesser mit östlicher Biografie. Ab 2650 Euro
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Lange & Söhne Lange 1 – Die Uhr nach der Zeitenwende
Die Lange 1 von Lange & Söhne. Ab 48.900 Euro
© A. Lange & Söhne
Kaum eine Luxusuhrenmarke erzählt die wirtschaftliche Transformation Mittel- und Osteuropas so unmittelbar wie A. Lange & Söhne. Die Manufaktur sitzt in Glashütte und wurde dort direkt nach der Wiedervereinigung als eine der wichtigsten Haute-Horlogerie-Marken der Welt wieder aufgebaut.
Die 1994 vorgestellte Lange 1 ist zum Symbol dieser Wiedergeburt avanciert. Ihre asymmetrischen Anzeigen und das Großdatum sind längst Ikonen. Mit 38,5 Millimetern, Handaufzug und 72 Stunden Gangreserve ist sie bemerkenswert zurückhaltend. Sie steht für ein neues, selbstbewusstes Mitteleuropa, in dem Luxus nicht laut sein muss, um verstanden zu werden. Ab 48.900 Euro
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