Vier der größten europäischen Fußballligen verlangen in einer gemeinsamen Erklärung tiefgreifende Reformen beim Weltverband Fifa. Sie kritisieren eine zu große Machtfülle des Fifa-Präsidenten und fordern mehr Mitsprache für Vereine, Spieler und Ligen.
Die Deutsche Fußball Liga, die spanische LaLiga, die italienische Serie A und die englische Premier League sprechen sich in einer gemeinsamen Stellungnahme für einen Umbau der Fifa aus. Unterzeichnet ist das Papier von Bundesliga-Geschäftsführer Marc Lenz, LaLiga-Präsident Javier Tebas, Serie-A-Chef Luigi De Siervo und Premier-League-Vorstand Richard Masters.
Die Ligen werfen dem Weltverband ein grundlegendes Führungsproblem vor. Der Fifa-Präsident habe schädliche Ideen aktiv vorangetrieben, statt den Fußball davor zu schützen, heißt es in der Erklärung. Ein umstrittenes Investitionsprogramm sei zwar auf Druck der Beteiligten zurückgezogen worden, die grundlegenden Probleme bestünden aber weiter.
Konkret geht es um das im Juli gestoppte Projekt „Fifa Forward Enterprise“, bei dem private Investoren an einer Vermarktungsgesellschaft für die Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft beteiligt werden sollten.
Kritik an Machtfülle des Präsidenten
Im Kern geht es den Ligen um die Frage, ob der Fifa-Präsident zugleich regulatorische, wirtschaftliche und politische Macht ohne wirksame Kontrolle ausüben dürfe. Mehr als ein Jahrzehnt nach den Ermittlungen gegen hochrangige Funktionäre erlebe der Fußball erneut einen der größten Machtmissbräuche in der Geschichte der Fifa, heißt es in der Mitteilung.
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Konkret beklagen die Ligen einseitige Entscheidungen wie die Ausweitung des internationalen Spielkalenders. Die betroffenen Vereine und Verbände würden dabei nicht ernsthaft einbezogen. Nur rund ein Prozent der Profispieler weltweit nehme an einer Weltmeisterschaft teil – alle anderen Spieler und ihre Vereine müssten pausieren, wenn die nationalen Ligen unterbrochen würden. Die Ligen hatten deshalb im Oktober 2024 Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.
Drei zentrale Forderungen
Die Ligen stellen drei Kernforderungen: Erstens solle ein ständiges Gremium eingerichtet werden, in dem Verbände, Ligen, Vereine und Spieler aus dem Männer- und Frauenfußball vertreten sind. Bei Entscheidungen zu Spielkalender, Wettbewerben und Arbeitsbedingungen müsse deren Zustimmung eingeholt werden.
Zweitens müsse jeder größere Vorschlag der Fifa vorab durch eine unabhängige Prüfung untersucht werden, deren Ergebnisse öffentlich sind. Drittens solle die Rolle der Fifa als Regelsetzer klar von ihrer Rolle als Vermarkter internationaler Wettbewerbe getrennt werden.
Die Unterzeichner rufen die Kandidaten für das Amt des Fifa-Präsidenten auf, diese Grundsätze zu unterstützen. Innerhalb der ersten 100 Tage einer neuen Amtszeit solle eine unabhängig geleitete Reformversammlung einberufen werden, die binnen sechs Monaten öffentlich Bericht erstattet.
Infantino schlägt externe Prüfung vor
Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte Anfang der Woche in einem Brief an die 211 Mitgliedsverbände eine unabhängige externe Überprüfung der Führungsstrukturen des Weltverbands vorgeschlagen. Untersucht werden solle, wer bei zentralen Initiativen mitentscheidet und welche Rolle Präsident, Büro, Rat und Kongress spielen.
Einen Verzicht auf eine vierte Amtszeit stellte der 56-jährige Schweizer nicht in Aussicht. Kandidaten für die Wahl im März 2027 in Rabat können bis zum 18. November aufgestellt werden.
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